Bespitzelungsaffäre in der Staatskanzlei: Horst Seehofers Büroleiter Markus Zorzi soll versucht haben, den E-Mail-Verkehr seines Nachfolgers in der CSU-Landesleitung auszuspionieren. Von Uli Bachmeier

Neue Bespitzelungsaffäre in der Bayerischen Staatskanzlei: Horst Seehofers Büroleiter Markus Zorzi soll versucht haben, den E-Mail-Verkehr seines eigenen Nachfolgers in der CSU-Landesleitung auszuspionieren.
Unter Verdacht steht Markus Zorzi, der Büroleiter von Ministerpräsident Horst Seehofer. Er soll versucht haben, seinen Kollegen Bernhard Schwab auszuspionieren. Schwab ist Zorzis Nachfolger im Amt des Landesgeschäftsführers der CSU. Über mögliche Motive für die heimliche Ausforschung wird in München heftig spekuliert.
Die Verärgerung in der CSU und der Staatsregierung ist groß. Erst drei Jahre ist es her, dass der Büroleiter des Ministerpräsidenten wegen Bespitzelungsvorwürfen gehen musste: Michael Höhenberger stand im Dezember 2006 unter Verdacht, im Privatleben der CSU-Rebellin Gabriele Pauli spioniert zu haben. Ministerpräsident war damals Edmund Stoiber. Die Affäre war der letzte Auslöser für seinen Sturz in Wildbad Kreuth im Januar 2007.
Harte Fakten zu der neuen Affäre waren gestern in München Mangelware. "Kein Kommentar", hieß es aus der CSU-Landesleitung. Die Staatskanzlei bestätigte immerhin den Vorgang in zwei dürren Sätzen: "Der Leiter des Büros des Ministerpräsidenten wurde wegen eines Dienstvergehens von seinen Aufgaben entbunden. Ein Disziplinarverfahren wird eingeleitet." Von Zorzi war keine Stellungnahme zu erhalten.
Intern freilich kursierten jede Menge Gerüchte. Variante 1: Zorzi habe "in einer Art fehlgeleitetem Ehrgeiz" versucht, sich Informationen zu verschaffen, um seinem Chef Seehofer zu demonstrieren, "was er alles weiß und wie gut vernetzt er ist". Variante 2: Zorzi habe nach dem Streit zwischen Seehofer und CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich versucht herauszufinden, ob sich in der Landesleitung Widerstand gegen Seehofer formiert.
Belege gibt es aber weder für die eine noch für die andere Theorie. Bekannt ist nur, dass Zorzi und Seehofer sich seit langer Zeit gut kennen. Schwab wird dem Kreis der ehemaligen Stoiber-Vertrauten zugerechnet. Persönlich seien sich Zorzi und Schwab "spinnefeind".
Ein Insider mutmaßt über Zorzi: "Er hat wahrscheinlich Sorge gehabt, dass die alten Stoiber-Seilschaften in der Landesleitung einfallen." Und er fügt hinzu: "Er hat das ohne jedes Unrechtsbewusstsein getan. Vielleicht war er sogar der Ansicht, er handelt in Notwehr."
Aufgeflogen ist die mutmaßliche Spionage-Attacke nach Informationen unserer Zeitung bereits am Wochenende. Schwab habe bemerkt, dass mit seinem Computer etwas nicht stimmt. Weitere Nachforschungen hätten ergeben, dass Zorzi von seinem Dienst-PC in der Staatskanzlei aus tätig geworden war. Er habe angeblich versucht, in mehrere E-Mail-Postfächer in der Landesleitung einzudringen. Der Ministerpräsident habe, als ihm die Sache bekannt wurde, am Montag sofort gehandelt und Zorzi ohne zu zögern von seinen Aufgaben entbunden.
Seehofer selbst wurde gestern von niemandem mit der Aktion Zorzis in Verbindung gebracht. Er sei schließlich hier wie dort der Chef - in der CSU-Landesleitung und in der Staatskanzlei.
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