Die Fahrtüchtigkeit von Senioren wird immer wieder diskutiert. Auf dem Land sind die Senioren ohne Führerschein ziemlich aufgeschmissen.

Renate Hinz kann solche Meldungen nicht mehr hören: Eine 66-Jährige, die beim Verlassen eines Supermarktparkplatzes nicht auf den Verkehr achtet. Ein Brüderpaar jenseits der 70, das bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt. Eine 72-Jährige, die mit ihrem Auto in den Gegenverkehr gerät. Das sind Polizeimeldungen aus den vergangenen Tagen. „Aber warum“, fragt sich Hinz, „wird da das Alter immer so hochgehängt?
Renate Hinz ist 74 Jahre alt, eine rüstige Frau, selbst noch oft hinter dem Steuer zu finden. Warum ältere Autofahrer pauschal für eine Verkehrsgefährdung gehalten werden, kann sie nicht verstehen. Als sie im Oberallgäu noch für die CSU im Kreistag saß, hat sie vor ein paar Jahren zwar selbst eine Initiative gestartet: Jeder Rentner, der seinen Führerschein freiwillig abgibt, sollte ein Jahr kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dürfen. Doch eigentlich sieht sie keinen Grund, älteren Menschen das Auto zu verbieten.
Dennoch werden immer wieder Stimmen laut, die für Senioren zumindest einen regelmäßigen Gesundheitscheck fordern. In Dillingen hat der Vorsitzende der örtlichen Verkehrswacht jüngst vorgeschlagen, Führerscheine für Senioren regional zu begrenzen. Hinz hält einen solchen Vorschlag für überflüssig: „Wir Senioren fahren ohnehin keine längeren Strecken“, sagt sie. Und auch Experten äußern Bedenken.
„Schwierig bis nicht wirklich durchführbar“, findet der ADAC regionale Führerscheine. In Städten könne man noch auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen, aber auf dem Land – stillgelegte Bahnlinien, eine einzige Busverbindung am Tag – da sei das Auto immer noch „ziemlich alternativlos“, sagt Andreas Hölzel, ein Sprecher des Automobilclubs. Rein den Zahlen nach gebe es auch gar keinen Grund, für Senioren die automobile Bewegungsfreiheit einzuschränken. In den Unfallstatistiken seien ältere Menschen deutlich unterrepräsentiert, sagt Hölzel.
Aus Unterlagen des Statistischen Bundesamts geht für das Jahr 2010 hervor, dass Senioren etwa für ein Achtel aller Unfälle verantwortlich waren, bei denen Menschen verletzt wurden. Das ist weniger, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht. Dabei ist zwar nicht berücksichtigt, dass ältere Menschen seltener mit dem Auto fahren und zumeist auch nur kürzere Strecken zurücklegen. Das Bild vom Rentner als gemeingefährlichen Autofahrer lässt sich damit jedoch keinesfalls begründen.
Im Bayerischen Landtag setzt man sich deshalb auch weniger damit auseinander, wie sich die Freiheiten des Führerscheins beschränken lassen, sondern vielmehr damit, wie man es älteren Menschen auch im ländlichen Raum ermöglichen kann, auf das Auto zu verzichten.
Es werde jetzt eine Generation alt, die mit dem Auto aufgewachsen sei, sagt Thomas Beyer, der verkehrspolitische Sprecher der SPD. Der könne man das Auto nicht einfach wegnehmen. Da die Menschen immer älter würden, müsse man sich nun dringend etwas einfallen lassen. „Auch im ländlichen Raum werden viele Menschen mittlerweile alleine alt. Das zwingt uns zum Handeln“, so Beyer.
Die Parteien denken dabei an Bürgerbusse, an Ruftaxis – alles eng mit den Wohlfahrtsverbänden verzahnte Initiativen. Für den Ausbau seien schon Mittel im Haushalt vorgesehen, „aber das wird noch zunehmen müssen“, sagt Eberhard Rotter, der Verkehrsfachmann der CSU. Renate Hinz sieht das genauso: Das Angebot sei „noch ausbaufähig“, sagt sie.
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