Es ist weiterhin ungeklärt, an welchem der drei potenziellen Standorte der zusätzliche Rettungshubschrauber in Schwaben künftig landen soll. Nun hat der Streit an Schärfe zugenommen. Von Jörg Sigmund

Der CSU-Landtagsabgeordnete Max Strehle spricht von einem "Trauerspiel", der Affinger Bürgermeister Rudi Fuchs von einer "Lachnummer". Die Diskussion um den Standort eines weiteren Rettungshubschraubers in Schwaben hat an Schärfe zugenommen. Noch ist nicht endgültig entschieden, wo der Helikopter stationiert wird. Doch die politischen Turbulenzen sind heftig.
Eigentlich schien bereits alles klar. Nach einem einstimmigen Beschluss des Bayerischen Landtags sollte das Augsburger Klinikum Start-und-Lande-Platz für den Hubschrauber werden. Ein vom Innenministerium in Auftrag gegebenes Gutachten kommt jedoch zum Schluss, dass bei der Luftrettung "Optimierungspotenzial" vor allem im nordwestlichen Schwaben und südwestlichen Mittelfranken bestehe - Donauwörth rückte plötzlich in die Favoritenrolle. Als denkbare Standorte sind die Donau-Ries-Klinik, das Areal der Firma Eurocopter und der Flugplatz Genderkingen im Gespräch.
Landrat Stefan Rößle sagte zu der andauernden Debatte: "Er darf keine politische Entscheidung sein. Der Hubschrauber soll dorthin, wo es von Fachleuten am notwendigsten erachtet wird." Auch der CSU-Fraktionschef im Landtag, Georg Schmid (Donauwörth), betonte, es gehe in erster Linie darum, "in optimaler Weise Menschenleben in der gesamten Region zu retten".
Also Donauwörth? Für den CSU-Abgeordneten Strehle (Kreis Augsburg) ist es ein "Unding", dass der Standort "mit fadenscheinigen Argumenten an die Peripherie verlagert wird". Strehle kämpft seit Jahren für einen Start-und-Lande-Platz am Augsburger Klinikum, da auch das Notärzteteam vom Großkrankenhaus gestellt werden soll. "In dieser Frage habe ich keine politischen Freunde mehr. Mir geht es um die Bürger, die ordentlich versorgt werden sollen."
Auch der Chefarzt der Unfallchirurgie am Klinikum, Professor Edgar Mayr, lässt keinen Zweifel daran, "dass der Hubschrauber an ein Haus der Maximalversorgung gehört". Dafür gebe es eine Vielzahl medizinischer und technischer Gründe. Und Augsburg biete beste Voraussetzungen.
Mit einer Resolution haben sich die Landkreis-Bürgermeister an Innenminister Joachim Herrmann gewandt. Alle Argumente aus medizinischer, einsatztaktischer und wirtschaftlicher Sicht würden für Augsburg sprechen, heißt es in ihrem Schreiben.
Die Entscheidung sei weiter offen, sagte gestern Rainer Hutka, Sprecher des Innenministeriums. Geprüft werde derzeit auch, den in Ingolstadt stationierten Hubschrauber nach Eichstätt zu verlegen. In diesem Fall könnten nach Meinung der Experten die Chancen für Augsburg steigen.
Augsburg, Donauwörth - oder am Ende etwa Kaufbeuren? Der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Bernhard Pohl, hat sich in einem Brief an Herrmann für einen Hubschrauber am Kaufbeurer Klinikum stark gemacht. Im Allgäu ist die Luftrettung allerdings bereits in Kempten stationiert. Jörg Sigmund
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