Donnerstag, 30. März 2017

13. November 2013 08:06 Uhr

München

Trotz großer Erfolge Stellenabbau bei Osram

Osram stattet jetzt auch die Sixtinische Kapelle in Rom mit moderner Lichttechnik aus. Trotz aller Erfolge wird der Konzern hunderte Arbeitsplätze in der Region abbauen.

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Foto: Giampaolo Capone 30.07.2013

Die Osram-Welt steckt voller Gegensätze. Hier Glanz und Gloria, Erfolge beinahe himmlischer Ausmaße wie die Ausstattung der Sixtinischen Kapelle in Rom mit moderner Lichttechnik. So werden auch Michelangelos Meisterwerke ins rechte Licht gesetzt. Andererseits Schweiß und Tränen, auf Manager-Deutsch „Transformation“ und „Restrukturierung“.

Unternehmen baut weltweit mehr Plätze ab als angekündigt

Das Unternehmen baut weltweit noch mal mehr Arbeitsplätze als angekündigt ab. Sah ein entsprechendes und schon länger laufendes Programm namens „Push“ vor, dass 8000 Stellen wegfallen, sollen es jetzt 8700 sein, wie Osram-Chef Wolfgang Dehen bei der Vorlage der Bilanz in München einräumt. In der Region geraten jedoch keine weiteren Jobs auf die Streichliste. Am Augsburger Standort, wo Energiespar- und Leuchtstofflampen hergestellt werden, bleiben von einst rund 1550 Jobs letztlich 1210 übrig, im Schwabmünchener Vorproduktewerk etwa 380 der früher 450 Arbeitsplätze. Die auf Halogenprodukte spezialisierte Fabrik im oberbayerischen Eichstätt kommt mit einem „nur marginalen Rückgang“ vergleichsweise glimpflich davon. Am Ende sollen hier knapp 700 Frauen und Männer auf den Gehaltslisten geführt werden.

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LED als Gewinn versprechendes Zauberwort

Nach dem erfolgreichen Börsengang im Juli und dem Anstieg der Aktie von Werten um 24 auf jetzt rund 40 Euro lässt Dehen nicht locker. Auch wenn das Unternehmen aus dem Keller tiefroter Zahlen mit einem Verlust von 391 Millionen Euro in die Gewinnzone (plus 34 Millionen Euro) gestiegen ist, baut er den Konzern weiter kräftig um. Und „Transformation“ hat nichts mit Michelangelos „Jüngstem Gericht“ oder anderen prächtigen Bilderzyklen der Sixtinischen Kapelle zu tun, sondern mit den Niederungen des Geschäftsalltags. Nach dem Aus für die Glühlampe will der Osram-Chef den Anteil von Hightech-Lampen deutlich erhöhen. Das die Branche erleuchtende und trotz aller preisbrechenden Konkurrenz höhere Gewinne versprechende Zauberwort heißt „LED“. Dieses Kürzel steht für Licht emittierende Dioden, eben Halbleiterelemente, die, ausgehend von einem kleinen Chip, Licht abgeben, wenn Strom durch die unterschiedlichen Schichten des Materials fließt. Derlei Zukunftsprodukte entwickelt und produziert Osram in Regensburg und Malaysia, nicht aber in Augsburg. Dehen sagt gegenüber unserer Zeitung trotzdem: „Wir sind stolz auf das Augsburger Werk und die tollen Produkte wie moderne Leuchtstofflampen.“ Die energieeffizienten Lösungen des Standortes seien nicht so leicht durch LED-Modelle zu schlagen. Der Manager verspricht: „Wir werden noch viel Spaß mit traditionellen Produkten haben.“

Ob das die Mitarbeiter zu beruhigen vermag? Nach wie vor gibt es Sorgen, das Augsburger Werk sei langfristig gefährdet, wenn nicht Zukunftsprodukte kommen. Dabei bleibt den betroffenen Osram-Beschäftigten nicht verborgen, dass der Star des Unternehmens „LED“ heißt. Für die Sixtinische Kapelle hat sich das Management vorgenommen, „die Arbeiten von Michelangelo so zu erleuchten, wie sie der Meister einmal gemalt hat“. Am 18. Februar, dem 450. Todestag des Malers, soll die Erleuchtung dank 7000 LEDs vollbracht sein. Die Kunstwerke würden dabei präzise angestrahlt, ohne die Besucher zu blenden. Trägt die Osram Marketing-Abteilung zu dick auf?

Von Kunst allein kann der Konzern nicht leben

Im Münchner Lenbachhaus sind es 170 000 Leuchtdioden, die Werke von Kandinsky und Beuys schmeicheln, wie sich bei einem Besuch der Galerie zeigt. Seitdem klopfen Museumsleiter aus aller Welt bei Osram an. Doch von Kunst allein kann der Konzern nicht leben und die erst einmal leer ausgehenden Aktionäre müssten ewig auf eine Dividende warten. Da fügt es sich bestens, dass Osram gut im Geschäft mit der Autoindustrie ist und auch von Sportveranstaltern geschätzt wird. Den überwiegenden Teil der zwölf Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien im nächsten Jahr leuchten die Münchner aus. Läuft Bayern-Spieler Dante für Brasilien auf, wird er wie Michelangelo von Osram ausgeleuchtet.

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Ein Artikel von
Stefan Stahl

Augsburger Allgemeine
Ressort: Leiter Wirtschaftsredaktion

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