Mittwoch, 28. September 2016

13. Februar 2008 20:25 Uhr

Wetter

Über Bayern fegen bald mehr Stürme und Tornados

Für Klimaexperten steht fest: In Bayern wird es künftig stärkere Stürme und mehr Tornados geben. Dabei ist das Phänomen der Tornados gar nicht so neu in Deutschland. Von Winfried Züfle

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von Winfried Züfle

München. Für Klimaexperten steht fest: In Bayern wird es künftig stärkere Stürme und mehr Tornados geben. Das Phänomen der Tornados sei gar nicht so neu in Deutschland, betonte der Meteorologe Jörg Kachelmann auf einem "Sturm-Symposium" der Versicherungskammer Bayern in München.

Die zerstörerischen Winde, die zum Beispiel im August 2006 in die Nürnberger Gartenstadt einfielen, seien keinesfalls eine niedliche "Windhose", sondern ein handfester Tornado gewesen. "Haben Sie Mut zum Tornado", meinte der aus dem Fernsehen bekannte Experte scherzhaft.

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Der Naturgefahren-Analyst Andreas Reiner von der Deutschen Rückversicherung pflichtete bei: Die Klimamodelle ließen nicht unbedingt mehr, auf jeden Fall aber stärkere Stürme für die Zukunft erwarten. Das Orkantief Kyrill, das am 18. Januar vergangenen Jahres fast das ganze Land lahmlegte und alleine in Deutschland versicherte Schäden von 2,4 Milliarden Euro verursachte, sei ein Vorbote gewesen.

Eingebettet in Kyrill war es übrigens zu zwei Tornados mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Stundenkilometern gekommen, einer davon traf die Stadt Wittenberg.

Kachelmann analysierte, dass Kyrill nicht so hohe Windgeschwindigkeiten erreichte wie der verheerende Sturm Lothar am 26. Dezember 1999. In München waren es zum Beispiel 118 Stundenkilometer. Das Besondere sei vielmehr gewesen, dass ganz Deutschland von dem Sturm erfasst wurde. Sollte eines Tages ein "Lothar" von den Ausmaßen des "Kyrill" auftreten, wären die Schäden unabsehbar.

Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) wies darauf hin, dass der Freistaat bereits Klimavorsorge betreibe. So greife das Hochwasserschutzprogramm, viele Projekte seien bereits abgeschlossen. "Das steigende Restrisiko aber bleibt", betonte er. Umso wichtiger sei es, dass es für Hauseigentümer einen "angemessenen und bezahlbaren Versicherungsschutz" gebe.

Die Versicherer arbeiten zur Vermeidung von Schäden eng mit Meteorologen zusammen. So werden zum Beispiel von der Bayerischen Versicherungskammer die Unwetterwarnungen Kachelmanns per E-Mail oder SMS weitergegeben. Dieser arbeitet inzwischen daran, die Maschen seines Netzes enger zu stricken. Im Internet (www.unwetterzentrale.de) werden derzeit noch die Warnungen auf Landkreisebene herausgegeben.

In Zukunft sollen sie sich aber nicht mehr an politischen Grenzen, sondern an Naturräumen orientieren. "Nichts ist so schädlich wie eine Warnung, die nicht eintrifft", sagt Kachelmann. Dann würden die Mahnungen nämlich nicht mehr ernst genommen.

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Ein Artikel von
Winfried Züfle

Augsburger Allgemeine
Ressort: Politik

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