Freitag, 22. September 2017

21. August 2017 19:54 Uhr

Lebensmittel

Viele Metzger und Bäcker geben auf

In 160 Gemeinden in Bayern gibt es keine Metzger oder Bäcker mehr. Damit geht ein Stück Lebensqualität verloren. Wie das geändert werden könnte.

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Kleine Bäckereien haben gegen ihre großen Konkurrenten zu kämpfen. Metzgereien haben dagegen Probleme mit strikten Vorschriften.
Foto: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

In Bayern gibt es immer weniger Metzger und Bäcker. Allein in den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl dieser handwerklich arbeitenden Betriebe um 14 Prozent zurückgegangen, bereits 160 Gemeinden im Freistaat sind ohne Versorgung. Das ergab eine Anfrage des oberfränkischen SPD–Landtagsabgeordnete Klaus Adelt beim bayerischen Wirtschaftsministerium. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert er verbesserte Bedingungen für die Betriebsnachfolge, kostenlose Meisterprüfungen und mehr Aufklärung der Verbraucher. Beim Präsidenten der Handwerkskammer für Schwaben, dem Allgäuer Metzgermeister Hans-Peter Rauch, stößt er damit auf offene Ohren.

Dass Klaus Adelt ein Genussmensch ist, dokumentiert er schon durch seine Leibesfülle. Zu seiner Pressekonferenz gestern im Landtag brachte er aber auch noch ein paar Kostproben mit, die zeigen sollten, worum es ihm geht: Semmeln und Gebäck in einer Pappschachtel und fränkischen Hausmacher-Presssack in Dosen. „Das sind noch richtige Semmeln aus dem Backofen“, sagte Adelt. Das sei etwas ganz anderes als die „erhitzten Kohlenhydrathaufen“, die es in manchen Billigläden zu kaufen gebe. „Diese Semmeln schmecken übermorgen auch noch.“ Und auch der Presssack sei noch traditionell hergestellt, von einem Metzgermeister, der sein Handwerk gelernt habe.

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Bäcker und Metzger finden kaum noch Auszubildende

Das Loblied auf Metzger und Bäcker geht bei Adelt einher mit einer Brandrede, welche die aktuelle Entwicklung anprangert. Er sorgt sich um die Lebensqualität auf dem Land: „Häufig halten die Bäcker und Metzger im Ort noch die Fahne der Nahversorgung hoch, wenn der letzte Supermarkt zugemacht hat. Wenn jetzt auch noch die Bäcker und Metzger verschwinden, bleibt gar nichts mehr und die Nahversorgung im Dorf ist tot. Diese Entwicklung ist gefährlich. Da hilft auch kein schnelles Internet mehr, um die Lebensqualität vor Ort aufrecht zu erhalten.“

Die Ursachen der Entwicklung seien vielfältig. Bäckern und Metzgern fehle es an Personal, die Betriebe fänden kaum mehr Auszubildende. Die Metzger hätten mit Imageproblemen zu kämpfen, bei den Bäckern seien es vor allem die Arbeitszeiten, die vor der Wahl dieses Berufes abschreckten. Und hier wie dort gebe es erhebliche Probleme der Betriebe, Nachfolger zu finden.

Bei einigen dieser Probleme könnte die Politik nach Ansicht Adelts helfen. Es sollte mehr Unterstützung für die Meisterausbildung, etwa durch eine kostenlose Meisterprüfung, geben. Die Bedingungen für Betriebsnachfolgen und die häufig nötige Erneuerung der Maschinen sollten finanziell erleichtert werden. Und der Staat solle mehr tun, um bei den Verbrauchern für qualitativ hochwertige Lebensmittel aus der Region zu werben.

Kleine Bäckereien werden von Filialbetrieben verdrängt

Bei der Handwerkskammer für Schwaben kennt man die Probleme, über die Adelt spricht, nur allzu gut. Es gäbe zwar „noch keinen Kahlschlag“, sagt Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner. Der Rückgang der Betriebe aber liege auch hier mit etwa 14 Prozent im Trend. Kammerpräsident Rauch verweist zudem auf Unterschiede in beiden Branchen. Die Metzger hätten mit Imageproblemen und einer Vielzahl von Vorschriften zu kämpfen. Hier sollte sich die Politik darum kümmern, die Vorschriften praktikabler zu gestalten. Die Forderung nach finanziellen Erleichterungen für Existenzgründer unterstützt er ausdrücklich. Im Bereich der Bäcker gebe es einen echten Verdrängungswettbewerb durch Filialbetriebe: „Die einen hören auf, die anderen werden immer größer.“

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Ein Artikel von
Uli Bachmeier

Redaktion München
Ressort: Politik


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