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23. Juni 2010 19:35 Uhr

Walter Mixa: Der Bischof geht

Das Hin und Her um Walter Mixa hat ein vorläufiges Ende. Von Daniel Wirsching

Bischofskonferenz bestätigt Mixa-Dossier
Foto: DPA

Eine Volontärin der bischöflichen Pressestelle verschickte die Mitteilung um 11.29 Uhr am 23. Juni 2010. Dieses Datum könnte vielleicht bekannt werden als das Datum, an dem ein in der jüngeren Geschichte des deutschen Katholizismus beispielloser Skandal sein Ende fand.

Das zumindest hoffen Gläubige in der gesamten, tief gespaltenen Diözese. Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats der Katholiken, Helmut Mangold, sprach von einem "ersten und ganz wichtigen Schritt". Den Ankündigungen müssten nun Taten folgen.

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Was war geschehen? Am Mittwoch wurde eine "Gemeinsame Erklärung zwischen Augsburger Bistumsleitung und Bischof em. Dr. Walter Mixa" öffentlich. Sie soll die Wogen glätten und zur Versöhnung zwischen Mixa-Anhängern und -Gegnern beitragen.

Die Menschen sehnen sich nach Ruhe. Sie haben es satt, ständig neue Enthüllungen über den im April zurückgetretenen - und dann doch nicht zurückgetretenen - Augsburger Bischof erfahren zu müssen. Nach und nach stellte sich heraus: Mixa hat Heimkinder und Ministranten geschlagen, Gelder einer Waisenhausstiftung zweckentfremdet und wiederholt öffentlich gelogen. Viele der bekannt gewordenen Vorwürfe galten jahrelang als offenes Geheimnis. Zur Räson brachte Mixa nie jemand. Es wurde geschwiegen. Und getuschelt.

Dass er Alkoholprobleme hat und allem Anschein nach psychisch labil ist; dass er junge Männer, die in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm standen, gerne berührte und es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein soll - all das ergab in den vergangenen Wochen das Bild eines Menschen mit fragwürdigem Lebenswandel. Es entwickelte sich allmählich, wie ein Polaroid-Foto. Mixa aber, der so verehrte wie verhasste Bischof, blieb uneinsichtig. Meist schwieg er zu den Vorwürfen, und wenn er sich äußerte, verschärfte er einmal mehr die Situation, erst recht nach seiner Rückkehr aus einer Schweizer Klinik und einem Italienurlaub ins Bischofspalais. Die "Causa Mixa" wurde zu einer Belastung für die deutsche katholische Kirche.

Im Internet kursieren aber schon neue Verschwörungstheorien

Am Mittwoch also wurde öffentlich, was Vertreter der Bistumsleitung mit Mixa und zwei Rechtsanwälten am Dienstagabend beschlossen - eine "einvernehmlich gefundene Fünf-Punkte-Erklärung". Deren wichtigste Botschaft: Mixa stellt seinen Rücktritt nicht mehr infrage, auch nicht bei seinem Gespräch mit dem Papst Anfang Juli in Rom, und verlässt das Bischofspalais. Zudem distanziert er sich von seinen Anklagen, führende Geistliche hätten ihn zum Rücktritt gedrängt. Damit wird jeglicher Verschwörungstheorie der Boden entzogen. Jeglicher? In konservativen Internetforen wird bereits von einem "erzwungenen Geständnis" schwadroniert, oder dass "Fluchtbischof" Mixa eingeknickt sei. Andere sind enttäuscht, weil ihnen Mixas Bitte um Verzeihung nicht konkret genug ist. Tatsächlich geht Mixa in einem offenen Brief nicht auf einzelne Vorwürfe ein. "Ich habe sicher auch viele Fehler gemacht, obwohl ich niemanden in irgendeiner Weise verletzen oder beschädigen wollte", schreibt er.

Seine Zukunft sieht er in der Seelsorge. Der Heilige Vater habe ihm "in seinem sehr liebevollen Brief" mitgeteilt, dass er "immer Bischof bleibe" und "in unterschiedlicher Weise auch geistlich für viele Menschen da sein" könne.

Sein Brief schließt mit den Worten: "Mit ganz herzlichen Versöhnungs- und Segensbitten bin ich Walter Mixa." Schwer vorstellbar, dass damit alles gesagt ist. Daniel Wirsching

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