Erst gab es an der Universität Augsburg einen Leibniz-Preis für Professor Jochen Mannhart - mit sensationellen 2,5 Millionen Euro Preisgeld. Jetzt geht die Max-Planck-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die höchste Auszeichnung für Theoretische Physik, an Professor Dieter Vollhardt.
Erst gab es an der Universität Augsburg einen Leibniz-Preis für Professor Jochen Mannhart - mit sensationellen 2,5 Millionen Euro Preisgeld "für bahnbrechende Entdeckungen auf dem Gebiet funktionaler Grenzflächen in Oxiden". Das war 2007. Jetzt geht die Max-Planck-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die höchste Auszeichnung für Theoretische Physik, an Professor Dieter Vollhardt (58) - wieder ein Augsburger. Innerhalb von zwei Jahren steht das Uni-Zentrum für Elektronische Korrelation und Magnetismus (EKM) erneut im hellsten Scheinwerferlicht.
"Ich nehme die Auszeichnung mit tiefem Respekt vor den früheren Preisträgern entgegen - einem Who's who der herausragendsten theoretischen Physiker des 20. Jahrhunderts", sagt Vollhardt unserer Zeitung. In der Tat: Erste Preisträger waren 1929 Max Planck selbst sowie Albert Einstein. Die Medaille krönt Vollhardts wissenschaftliches Lebenswerk, das eng mit der Universität Augsburg verbunden ist. Er gehörte 1996 zu den Erstberufenen am EKM-Zentrum, einer außerordentlich erfolgreichen Ideenschmiede für neue Materialien.
Sensoren, Speicher, Stromleiter in unvorstellbarer Winzigkeit
Dieter Vollhardts "Dynamische Molekularfeldtheorie" führte in den vergangenen zehn Jahren zu einem neuen, tieferen Verständnis der mikroskopischen Vorgänge zum Beispiel in Metalloxiden. Seine Forschungsergebnisse trugen dazu bei, die komplexen Eigenschaften moderner Materialien zu verstehen - und vorherzusagen. Schalter, Sensoren, Magnetspeicher, Stromleiter in heute noch unvorstellbarer Winzigkeit könnten herauskommen.
Seinem Sonderforschungsbereich wurde die maximale Förderzeit von zehn Jahren bewilligt, um Vollhardts Theorie auszuarbeiten und anzuwenden. Der Staat investierte 5,2 Millionen Euro. Nun setzt Kollege Jochen Mannhart die Spitzenforschung im soeben bewilligten Augsburg-Münchner "Transregio" fort. Dieser neue Forschungsverbund, zunächst mit acht Millionen Euro auf vier Jahre gefördert, strebt neuartige Materialien an, "die das Potenzial haben, elektronische Bauelemente zu revolutionieren", sagt Mannhart. Elektronisch "anspruchsvolle" Materialien sollen es sein, in denen sich die Elektronen gegenseitig "spüren" und durch ihr Zusammenwirken magnetische, elektrische oder supraleitende Eigenschaften bewirken.
Der Theoretiker Dieter Vollhardt wird dazu einen wichtigen Teil beitragen. "Für mich ist die Max-Planck-Medaille Ansporn, in diese Richtung weiter zu forschen und ich habe bereits Vorstellungen, was in den nächsten zehn bis 15 Jahren getan werden muss, um eine umfassende Theorie zur Erklärung und Vorhersage der Eigenschaften korrelierter Materialien aufzustellen", sagt er. Eine weitreichende Perspektive für den Physiker. (Alois Knoller)
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