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18. August 2008 20:15 Uhr

Bully Herbig dreht in Bayern

Wickie und der Walchensee

Auf den ersten Blick ist alles wie immer - hier oben auf 800 Metern Höhe. Doch in der Postkartenidylle am Walchensee treiben starke Männer ihr Unwesen. Von Kerstin Pätzold Von Kerstin Pätzold

Von Kerstin Pätzold

Walchensee/Sachenbach - Auf den ersten Blick ist alles wie immer - hier oben auf 800 Metern Höhe. Postkartenidylle pur im Luftkurort Walchensee inmitten der Bayerischen Voralpen:

Die Sonne hat sich gegen die tief hängenden Regenwolken über dem Herzogstand durchgesetzt. Ihre intensiven Strahlen lassen das Türkis des Walchensees - Herz der oberbayerischen Gemeinde - beeindruckend schimmern. Außer ein paar Entenjungen und einem roten Ruderboot weit draußen herrscht Ruhe. Auch von Touristen, die gerne an den 198 Meter tiefen Gebirgssee kommen, ist um diese Uhrzeit wenig zu sehen.

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Von großem Kino keine Spur. Dabei soll in dieser verschlafenen Ecke Bayerns ab der kommenden Woche deutsche Filmgeschichte geschrieben werden. Immerhin hat sich Schauspieler und Regisseur Michael Herbig, besser bekannt als Bully Herbig, den Walchensee neben dem Bavaria-Filmgelände in Geiselgasteig und der Insel Malta als Kulisse für sein neuestes Filmprojekt ausgesucht:

Die aus Kindertagen unvergessene Zeichentrickserie "Wickie und die starken Männer" soll im Herbst nächsten Jahres mit echten Schauspielern über die Kinoleinwände flimmern. Für einen zweistelligen Millionenbetrag. Doch davon scheint hier offenbar niemand etwas zu wissen. Oder doch?

"Freilich, wir schaun mit dem Fernglasl immer mal wieder hin", verrät Maria Brunn und spitzt mit ihrer roten Brille hinter der Kiosktheke ihres Surfshops an der Hauptstraße in Walchensee hervor. Die Filmkulisse, Wickies nachempfundenes Heimatdorf Flake, wird zurzeit auf der anderen Uferseite aufgebaut. Mit bloßem Auge von hier aus kaum zu erkennen. Nein, der größte Wickie-Fan sei sie zwar nicht, den Film über die Abenteuer des pfiffigen Wikinger-Buben wird sie sich trotzdem anschauen: "Ich will sehen, ob ich etwas wiedererkenne."

Im Wickie-Fieber ist Johannes Ranz: "Meine Kollegen waren neulich mit dem Radl dort und haben erzählt, dass alles ziemlich echt ausschaut." Der 25-jährige Maschinenschlosser bezeichnet sich als Bully-Fan. "Der macht tolle Filme", schwärmt der junge Mann in der blauen Latzhose. Dass ausgerechnet seine Heimat nun auch die Heimat von Wickie, dessen Vater Halvar, Ulme, Faxe, Snorre und den anderen starken Männern werden soll, macht ihn stolz: "Die Landschaft hier ist eben einfach ideal."

Weniger euphorisch gibt sich Peter Ankerl, Pächter des Restaurants "Karwendelblick" in Urfeld. Der 43-Jährige hofft zwar, "dass das Spektakel noch mehr Gäste anlockt. Aber das liegt ja sehr versteckt, irgendwo da hinten", bedauert der Wirt und zeigt von seiner Sonnenterrasse in Richtung einer nur zu erahnenden Uferstelle. Luftlinie zirka fünf Kilometer. "Mit dem Auto kommen S¿ da fei net hin", dämpft Ankerl die Neugier.

Am Ortsausgang von Urfeld dann, direkt neben dem Parkplatz des neu eröffneten Walchenseemuseums, die Bestätigung. Der Waldweg gehört bereits zur Uferzone und ist damit Landschaftsschutzgebiet. Somit für Autos gesperrt. Eine gute Dreiviertelstunde dauert es zu Fuß, bis der erste Hinweis sichtbar wird: "Set" steht in schwarzer Schrift auf einem orangefarbenen Zettel, der unterhalb eines Warnschildes rechts des Weges klebt. Der schwarze Pfeil daneben zeigt geradeaus.

50 Meter weiter sind rot-weiße Bänder gespannt. Dahinter türmt sich jede Menge Holz, dicke lange Stämme und kürzere Stücke, fein säuberlich gestapelt. Nach der letzten Wegbiegung steht man mitten im bayerischen Flake, Wickies Heimatdorf mit zwölf liebevoll gestalteten Holzhütten.

Bauarbeiter in kurzen Hosen und knappen Hemden haben sich an die Detailarbeit gemacht. "Guck mal, Mama, auf das Haus kommen drei Drachenköpfe", schwärmt ein kleiner Bub. "Nur nicht auf die Wiese", mahnt ein Wachmann, der freundlich Auskunft gibt. Seit fünf Wochen seien die Arbeiter schon mit Sägen, Hämmern und Schrauben beschäftigt. "Weil das Wetter nicht so mitgespielt hat, müssen wir jetzt vieles parallel machen. Das Set wird schon eingerichtet und die Regisseure sind da", hört man wenige Meter weiter von einem Verantwortlichen.

Tatsächlich ist die größte Hütte, die eine Gerberei darstellen soll, mit allerhand Fellen und Werkzeugen ausgestattet. An einer anderen sind geflochtene Weidenkörbe drapiert. "Oh da könnt man was brauchen", sagt eine blonde Frau begeistert zu ihrem Mann - und lacht.

Obwohl Regisseur Bully für seinen Perfektionismus bekannt sei, habe man bei Flake nicht in erster Linie auf die historische Korrektheit geachtet, sondern sich eher an der Zeichentrickfilmvorlage orientiert, erklärt Art-Director Christine Caspari. Die 38-Jährige hat das Dorf auf dem Zeichenbrett entworfen. "Das ist einmalig", finden Helga Baumann aus Penzberg und ihre Mutter Annemarie Buchner. Auf den zweiten Blick ist eben doch nicht alles wie immer am Walchensee.

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