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Täter war auch Opfer
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11.09.2007 07:17 Uhr
Redaktion
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Täter war auch Opfer
Von Carolin Kober Bad Wörishofen 29 Firmen oder Privatleute haben im Februar dieses Jahres vergeblich auf ihre bestellte Ware gewartet. Der Grund: Statt die Pakete auszuliefern lagerte ein 20-Jähriger aus Bad Wörishofen diese im Wagen. Jugendrichter Dr. Markus Veit verurteilte ihn deshalb vor dem Amtsgericht Memmingen wegen Unterschlagung, Verletzung des Postgeheimnisses, Urkundenfälschung und Betrug zu 60 Stunden Sozialarbeit und zwei Freizeitarresten. Dabei ließ Dr. Veit noch einmal Gnade walten, da der 20-Jährige alles zugab und noch nicht vorbestraft war, und verurteilte ihn aufgrund einer gewissen naiven Sorglosigkeit noch nach dem Jugendstrafrecht. "Ohne Geständnis und nach Erwachsenenstrafrecht hätte man eine Freiheitsstrafe von acht bis zehn Monaten verhängen können", machte der Jugendrichter deutlich, der aber viel Fingerspitzengefühl in einer ohnehin zweischneidigen Geschichte bewies. Denn der Angeklagte war nicht nur selbst Täter, sondern auch Opfer. Immenses Arbeitspensum als Erklärung Zwischen dem 18. Januar und 15. März 2007 war er bei einem Schnelllieferservice beschäftigt, erhielt aber keinen Cent Lohn für seine Arbeit. "Ich musste jeden Tag um vier Uhr früh anfangen und bin an manchen Tagen erst um halb zehn am Abend heimgekommen", erklärte der Kneippstädter das immense Pensum. Was er nicht mehr schaffte auszuliefern, ließ er einfach im Wagen liegen. Damit dieser Schwindel nicht aufflog, fälschte er die Eingangsbestätigung mit seiner Unterschrift. Mit der Zeit blieben immer mehr Pakete im Wagen liegen - insgesamt mehr als 50. Doch er unterschlug nicht nur die Ware, sondern behielt auch insgesamt 1500 Euro an Nachnahmegebühren für sich. Insgesamt 33 Straftaten hatte Staatsanwältin Sabine Krimmer in ihrer Anklageschrift aufgelistet. Was Dr. Veit als "Sauerei" bezeichnete: "Die Leute werden überfordert, müssen viel fahren, sind überlastet und bekommen am Ende keinen Lohn." Das berücksichtigte er in seinem Urteil. Die Freizeitarreste - zwei Wochenenden in der Arrestanstalt - hielt er für angebracht: "Damit Sie den Geschmack an einer Haftanstalt gleich verlieren."

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11.09.2007 07:17 Uhr
Nora
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Beiträge: 196

Warum wird nicht die Geschäftsleitung dieser Firma für einige Zeit eingespert.Aber was Vernünftiges ist halt im Deutschen Strafrecht nicht vorgesehen.Wenigstens hat Dr.Veit das nötige Fingerspitzengefühl gehabt.
11.09.2007 13:15 Uhr
websaurier
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Beiträge: 4828
Wieder mal...
Wieder mal stand der Falsche vor Gericht! In der Tat gehört hier der Arbeitgeber vor den Kadi und nicht der Geschädigte. Aber das deutsche Rechtssystem steht ja leider vor dem Ende. Siehe auch unter "Gammelfleisch/Kollmer und Konsorten"

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Wer die Relativitätstheorie begriffen hat, dem fällt Einstein vom Herzen...

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