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Leitartikel von Walter Roller: Prügelknaben der Politik
Die Empörung über die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von neun Euro-Staaten durch Standard & Poor’s wirkt wie der Versuch, von den eigenen Versäumnissen abzulenken. |
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Zuletzt geändert von Anonyme, am 19.01.2012 um 06:38 Uhr
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#2 (permalink) | |
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Ach Herr Roller, die Überbringer der schlechten Nachricht, dieses schiefe Bild wird doch immer wieder gerne in Journalisten-Kommentaren genommen. Es ist doch nicht so, dass Frankreich (als Beispiel) seine Schulden in voller Höhe in der letzten Woche aufgebaut hat (was dann für die Pfandbriefe natürlich eine neue Bewertung erforderlich gemacht hätte). In den Jahrzehnten, in denen Frankreich und andere Länder ihre Schuldenberge aufgetürmt hatten, war seitens der Rating-Agenturen genauso Schweigen bzw. AAA-Rating zu vernehmen wie seinerzeit bei den verbrieften Hypothekenpapieren. Und auf einmal - ja, auf Grund welchen Ereignisses? - wird ein leichter Zweifel geäußert, dass die Schulden zurückgezahlt werden können. Welche (neue) Nachricht überbringen denn S&P? Ich denke, wir sind uns einig, dass die Schuldenlast europäischer Länder derzeit die Ursache der Probleme darstellt; aber so, wie es jahrzehnte dauerte, diese Schuldengebirge aufzubauen, so wird es wieder jahrzehnte dauern, sie wieder (ein wenig) abzutragen. Was ist dann die Nachricht, die überbracht werden soll, wenn dann monatlich neue Bewertungen und Ratings einschlagen? Gerade bei S&P kann man beobachten, dass Ratings und Ankündigungen von Neubewertungen immer dann erfolgen, wenn in Europa politische Entscheidungen anstehen oder gerade getroffen wurden. Der Eindruck ist nur schwer von der Hand zu weisen, dass S&P alles negativ bewertet, was sich nicht an den Finanzmethoden der Wall Street orientiert, sprich, solange Europa einen anderen Weg einschlägt, als den amerikanischen, wird S&P immer weiter abwerten. Das ist kein Überbringer irgendwelcher Nachrichten, das ist der Versuch einer dreisten politischen Einflussnahme gegenüber souveränen Staaten. Und das ist von der europäischen Politik immer und immer wieder anzuprangern und zu geißeln und - wenn möglich - zu unterbinden. |
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#3 (permalink) | |
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Also ich bin mit den überbrachten Nachrichten sehr zufrieden. Bei fast jeder, zugegebenermaßen privaten Anlageentscheidung, habe ich mir schon die Ratings mitangeschaut. Deshalb brauchte ich in den letzten 20 Jahren auch keinen Sparkassen- oder Bankberater mehr. Zurück. Es ist keine Überbringung von Nachrichten - es ist vielmehr nur eine Neuformulierung von ökonomischen Tatsachen auf allgemein verständliches Niveau. Letztendlich geht es hierbei um Verbraucherschutz. Wo soll die Einflußnahme auf souveräne Staaten denn sein? Wenn sie souverän sind können sie jederzeit souverämn handeln und das Votum akzeptiern oder nicht akzeptieren/ignorieren. Ob jede Handlungsalternative "schlau" ist - das steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. |
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