"Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann" (Lk 17,20).
Jesus wird von den Pharisäern dem ersten Anschein nach beim Wort genommen, als sie ihn nach dem Kommen des Reiches Gottes fragen. Hat er doch seine Jünger den himmlischen Vater bitten gelehrt: "Dein Reich komme" (Lk 11,2). Die Frage der Pharisäer verrät, dass sie sich vom Gefragten bereits eine Vorstellung gemacht haben: sie verstehen es offenbar als etwas Voraussehbares und zeitlich Datierbares. Sie würden den möglichst genauen Zeitpunkt zu gerne erfahren. Zu einer derartigen Beobachtbarkeit gehört ferner die Lokalisierbarkeit: dass die 'himmlische Invasion" auch an einem bestimmten Ort stattfinden müsse. Sie rechnen wohl kaum damit, dass Jesus ihnen genaue Auskunft über das Wann und Wo gibt. Aber vielleicht lassen sich aus seiner Antwort Rückschlüsse ziehen, so dass man sich besser vorsehen, gezielter Obacht geben kann.
Doch genau diese Erwartung wird von Jesus enttäuscht: Obacht geben geht hier ganz und gar nicht. Denn das kommende Reich Gottes liegt zugleich in unendlicher Ferne und in unendlicher Nähe, anders gesagt: in einem raumzeitlichen Nirgendwo. Es ist ein allgegenwärtiges geistiges Reich, das an jedem Ort und zu jeder Zeit – besser gesagt: in jedem Menschenherzen – aufgehen oder untergehen kann. Auf diese Weise sind alle Menschenleben Liebesdramen, Tag für Tag "des Menschensohns" (Lk 17,22-30). Der jüngste Tag ist stets der heutige.
Quelle: Lutherbibel







