Donnerstag, 18. September 2014

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Jeder zweite Arzt verzichtet aus Kostengründen auf Behandlung
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24.11.2010 10:10 Uhr
Redaktion
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Jeder zweite Arzt verzichtet aus Kostengründen auf Behandlung
Eine Gesundheitsstudie offenbart alarmierende Zahlen: Jeder zweite Arzt verzichte demnach aus Kostengründen auf eine eigentlich notwendige Behandlung. http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Aus-aller-Welt/Artikel,-Arzt-verzichtet-aus-Kostengruenden-_arid,2301864_regid,2_puid,2_pageid,4293.html

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24.11.2010 10:10 Uhr
Morgan le Fay
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Echt??
Eine Gesundheitsstudie offenbart alarmierende Zahlen: Jeder zweite Arzt verzichte demnach aus Kostengründen auf eine eigentlich notwendige Behandlung.

Achwas??!! Was für eine grandiose Erkenntnis! Seit Jahren rede ich mir darüber den Mund fusselig. Wenn das nun endlich offiziell ist, könnte und sollte man diese Leute zur Anzeige bringen und ggf. aus dem Verkehr ziehen.

Ärzte stellen fest, dass sich viele Patienten häufig ohne Grund behandeln ließen. Ein Besuch des Arztes wäre nicht immer nötig.

Auch das ist sicher richtig. Der Beurteilung des Arztes traue ich hier allerdings nicht, denn dieser hat eín Interesse daran, nichts verschreiben zu müssen und hat es leider allzu einfach, jemanden als Hypochonder abzustempeln. Üblicherweise steigt die Zahl der Hypochonder zum Jahresende an, sofern Hypochonder überhaupt noch einen Termin bekommen.

25.11.2010 13:22 Uhr
FranStei
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*seufz* Na, das erklärt einiges :sad: Da kann ich ein schönes Beispiel nennen: Ich bin dauermüde, egal, ob ich viel oder wenig schlafe. Eine Bekannte meinte irgendwann, ich solle doch mal zum Arzt gehen, könnte die Schilddrüse oder sonst was sein. Da fiel mir ein, dass ich vor ca 15 Jahren schonmal Schilddrüsen-Tabletten einnehmen musste. Gut, ich hab also nen Termin beim Hausarzt vereinbart. Nach einem Vorgespräch bekam ich nen Termin zur Blutentnahme. Es wurde ein normales Blutbild und die Schilddrüsen-Werte ermittelt. Ausserdem wurde die Schilddrüste per US untersucht. Beim US war ein Knoten zu sehen: kreisrund und somit unbedenklich lt. Arzt. Das Blutbild war auch unauffällig, Schilddrüsenwerte lt. Arzt im grünen Bereich. "Sie sind gesund", sagte der Arzt. Und ich frage: "ja ... äh...deswegen bin ich aber doch noch immer chronisch müde." Da lehnte er sich zurück, setzte die Brille ab und meinte: Ach, wissen Sie... ich bin auch immer müde." Bla bla bla... Beim Verlassen der Praxis war ich so geistesgegenwärtig, mir eine Kopie der Testergebnisse geben zu lassen. Hab dann auf eigene Faust im Web recherchiert. Dabei kam raus, dass ein wichtiger Schilddrüsenwert nicht mitgetestet worden war. Ich rief also beim Arzt an und bat um die fehlenden Daten. Ja... hmm... da müssen wir erst beim Labor nachfragen, ob die noch was von Ihrem Blut übrig haben. Hatten sie. Ein paar Tage später bekam ich die Daten mit dem Hinweis der Sprechstundenhilfe: Der Arzt hat sich den Wert angeguckt. Trotzdem unauffällig. Lt. den Internet-Usern im Schilddrüsenforum ist das eine falsche Einschätzung. Tja... mein Untersuchungstermin beim Arzt war Ende Juni. Ich bin also scheinbar selber schuld, mit ner "Krankheit" am Quartalsende zum Arzt zu rennen. Da ich einen Horror vor dem Blutabnehmen habe, werde ich so schnell auch keinen Arzt aufsuchen, um ne 2te Meinung einzuholen. Und so schleppe ich mich weiterhin durch den Tag, weil ein sch*** Medizinmann keinen Bock oder kein Geld hatte, mir zu helfen. :angry:
25.11.2010 14:58 Uhr
PuK
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Zitat von FranStei
Da ich einen Horror vor dem Blutabnehmen habe, werde ich so schnell auch keinen Arzt aufsuchen, um ne 2te Meinung einzuholen.
Dann müssen Sie sich aber auch nicht wundern, wenn Ihnen nicht geholfen wird. Das ist nur ein kleiner Piekser und es wird Ihnen ja auch nicht ein Liter Blut abgezapft. Seien Sie doch froh, dass Sie keine Darmspiegelung oder sowas brauchen. Und hoffen Sie, dass Sie niemals ernsthaft krank werden. Manche Leute mussten sogar schon operiert werden! Viele mehrfach in ihrem Leben! :scared: Wenn Sie aus "Horror" vor einer Blutentnahme nicht zum Arzt gehen, kann es ja nicht so schlimm sein.
25.11.2010 15:39 Uhr
lastflight
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@FranStei: An deiner Stelle würde ich mich mit solchen Arztaussagen nicht zufrieden geben. Das mit der chronischen Müdigkeit ist auf keinen Fall auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich weiß aus eigener Erfahrung das Hausärtzte ( nicht alle wohlgemerkt) häufig überfordert sind, wenn die Krankheit über eine normale Erklälung oder einer Schnittwunde hinausgeht ( okay ist etwas übertrieben). Viele Ärzte fragen doch zuerst wo es wehtut und wenn nichts schmerzt und man seine Beschwerden und kann diese nicht genau schildern wird man schon mal als Simulant hingestellt ( kenne ich auch ). Am besten mal den Doc nochmals Ansprechen und um eine Überweisung zu einem Spezialisten geben lassen. In deinem Fall einen eventuell einen Neurologen. Klar wird er sich wahrscheinlich etwas ziehren und nach Ausflüchten suchen. Internetrecherche ist auch nicht schlecht. Das habe ich auch gemacht und meinen Arzt dann mit meinen Ergebnissen konfrontiert. Komischerweise ist dann der ein oder andere Arzt doch noch aktiv geworden. Ich habe selber eine Jahrelange Ärzteodyssee hinter mir, bis zur Diagnose die mitterweile von minestens 3 Ärzten bestädigt worden ist. In dieser Zeit hatte ich auch einige Fehldiagnosen bis hin zum Simulat. Also gib nicht auf, denn das Leben mit dieser ständigen Müdigkeit ist kein Spaß.
25.11.2010 18:23 Uhr
amidufou
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Beiträge: 30
Und warum sparen die Ärzte so? Darum:
Ihre Ausführungen sind leider unvollständig und müssen bitte dringend um einige wichtige Punkte ergänzt werden. Wenn der Arzt den Patienten kaputtspart, ist er meistens nicht selber schuld, sondern dazu gezwungen- bitte tun Sie der Wahrheit Gerechtigkeit und lesen diesen Beitrag bis zum Ende, denn es ist, aufgrund der Desinformation von allen Seiten, leicht, etwas falsch zu verstehen. Die ärztliche Therapiefreiheit in Deutschland ist seit dem Beginn der 90er Jahre ein immer wieder erzähltes surrealistisches Märchen: erlogen von Politikern, Funktions- und Kostenträgern, außer Kraft gesetzt seit damals durch das Grundgesetz-widrige und Elementarrechts-verletzende Sozialgesetzbuch V, schönrednerisch als „Wirtschaftlichkeitsgebot“ verharmlost. Dabei geht es nicht um die Bekämpfung von therapeutischem Wildwuchs, mit der jeder vernünftige Arzt nur voll einverstanden sein kann, sondern schlicht um eine staatlich gewollte immer weitergehende Einschränkung dessen, was der niedergelassene Arzt im Rahmen seiner schulmedizinischen Leitlinientherapie verschreiben darf. Der persönlich, wirtschaftlich und zivil- sowie strafrechtlich haftende deutsche niedergelassene Arzt wird zerrieben zwischen zwei totalitären Blöcken: dem Wirtschaftlichkeitsgebot aus dem Sozialgesetzbuch V, die sog. „WANZ-Medizin“ (wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig), die ihm unter Bedrohung höchster Regresse auferlegt ist, einerseits und andererseits der Pflicht, fachlich und menschlich richtig und nach Leitlinie zu behandeln - das ist in der täglichen Praxisrealität eine Unvereinbarkeit. Simulationsrechnungen haben ergeben, daß die konsequente Befolgung der von den Fachgruppen vorgegebenen Therapieleitlinien direkt in eine hohe Rückforderungssumme für den verschreibenden Arzt aufgrund von Budget- oder Richtgrößenüberschreitung führt. Die Richtgrößen sind viel zu gering, um damit eine leitliniengerechte Therapie zu gewährleisten. Selbst lt. Bundessozialgericht ist eine Therapie nach offizielle Leitlinie a priori keine Entschuldigung für die Überschreitung des individuellen Behandlungsbudgets: Unklar bleibt, was z.B. ein Neurologe mit einem Patienten macht, dessen Jahrestherapiekosten 16.000 - 18.000 Euro umfassen, für den er aber nur ein Behandlungsbudget von großzügig geschätzt 800 Euro im Jahr hat? Darüber will kein Funktionär, kein Politiker auch nur ein Wort sagen. Ob notwendige Therapiekosten letztlich übernommen werden, erfährt der verordnende Arzt oft erst viele Jahre später, und zwar, nachdem ihm bereits ein Regressbescheid mit Zahlungsaufforderung oft in sechsstelliger Höhe zugestellt wurde und er jahrelang unter der Bedrohung dieser astronomischen Forderungen weiter leben und arbeiten musste. Der Regreß ist a priori eine Anklagesituation, erst danach erfolgt die Einzelfallprüfung. Auch wenn man, wie in meinem Fall, so fair wie nur irgend möglich behandelt wurde und letztlich Therapienotwendigkeiten anerkannt wurden, war die psychische Belastung während der Zeit der Ungewißheit fast unerträglich, und das, obwohl das Verfahren sensationell bereits nach fünf Monaten zum günstigen Ende kam. Es gibt bereits mehrere Selbstmorde deutscher Vertragsärzte aus der Situation des Regresses wegen Budgetüberschreitung bei der Verschreibung von Medikamenten oder Hilfsmitteln heraus. Ich kenne Kollegen, die mit einem laufenden Regreß in Pension gehen; die ganze Altersversorgung steht auf dem Spiel, und das, weil sie nichts anderes getan haben als ihre Patienten gewissenhaft nach modernen Leitlinien zu behandeln, aber das ist eben bei uns zu teuer. Es gibt weiterhin, auch hier in Augsburg, Kollegen, die wegen einer angeblichen Budgetüberschreitung für Arzneimittelkosten aus dem Jahr 2003 bis heute keinen Termin für ihr Verhandlung kennen, geschweige denn Aussicht auf rasche Anerkennung ihrer Behandlungsbesonderheiten besonders schwerer Patientenschicksale haben. Es handelt sich bei diesen Fällen eben samt und sonders nicht um gewissenlose Allesverschreiber, sondern um Kollegen, deren einziges "Vergehen" darin besteht, Patienten nach gültiger, aber zu teuerer Leitlinie zu behandeln. Die Einschüchterung der Ärzte, die diese zur billigsten Notstandsmedizin zwingt, besteht somit in dem vernichtenden Drohszenario mit jahrelanger Ungewißheit, was die Anerkennung von speziellen Behandlungsnotwendigkeiten bei schwerkranken Patienten betrifft. In diesem und in keinem anderen Zusammenhang muß das oft sparsamste Verordnungsverhalten niedergelassener Ärzte gesehen werden. Für etwaige Mängel der uns Ärzten staatlicherseits und vom Kostenträger auferlegten Medizin zu Kriegslazarettbedingungen haften wir aber persönlich voll und ganz. Für den Leser ist es interessant, zu erfahren, daß dem bundesdeutschen Gesetzgeber, und zwar auch und gerade dem rotgrünen und schwarzroten, die Preisgestaltungs- und Profit-Freiheit der Pharmaindustrie mehr wert war und ist als die ärztliche Therapiefreiheit nach ethischen und fachlichen Gesichtspunkten; Medikamente kosten bei vollem Mehrwertssteuersatz bei uns ca. fünfmal soviel wie in ostmitteleuropäischen EU-Staaten und im Schnitt noch doppelt soviel wie in Italien, Frankreich oder der gewiß nicht billigen Schweiz. Deutschland ist das einzige wirtschaftlich bedeutende Land der westlichen Hemisphäre, in dem es einen Sparzwang für Ärzte auf dem Rücken der Patienten, aber keine Kontrolle über die Medikamentenpreise gibt; erst jetzt erfolgt hier eine winzige Kostenbremse durch Rösler. Der niedergelassene deutsche Arzt, solchermaßen missbraucht als Kodier-Sklave, Triage-Knecht und Haftungs-Sündenböck, wird zum Dank für diese unmenschliche Tätigkeit auch noch in den Medien gemobbt. Er ist das passende Gegenstück zum Patienten, der in der sogenannten "modernen" und "sozialgerechten" Medizin von Schwarzrotgrün zum Megaprofit-Schöpfungsobjekt der Medizin- und Versicherungsindustrie herabgewürdigt wird. Wir haben viel zu viele sogenannte Gesundheitsexperten, Meinungsbildner, Politiker und Funktionäre, die lügnerisch behaupten, in Deutschland bekomme jeder selbstverständlich die beste Therapie, und wenn nicht, läge das an den Ärzten - solche Lügen sind infam und zerstören vorsätzlich den sozialen Frieden sowie das Vertrauen zwischen Arzt und Patient. Einem angehenden Mediziner, der an eine Berufstätigkeit in Deutschland denkt und dabei nicht zerstört werden will, kann man nur empfehlen, seine Beine unter den Arm zu nehmen und so weit weg ins Ausland zu laufen wie nur irgend möglich, solange sich an diesem Missstand nichts ändert (und das scheint parteiübergreifend kein Politiker zu wollen). Jedem deutschen Patienten kann man nur empfehlen, von allen Seiten maximale Transparenz zu verlangen, vom behandelnden Arzt, aber gerade auch von der Krankenkasse, vom Krankenhaus, von der Pharma- und Gesundheitsindustrie, von den zahlreichen Funktionären, von seinen politischen Vertretern in Land und Bund: bald wird er nämlich darauf kommen, daß der gezielte Ausverkauf von Arzt und Patient an die Krankheitsgewinnler- und Patientenverwerter-Großindustrie rotgrüner wie großkoalitionärer politischer Wille ist und das schon seit vielen Jahren. Der Regressknebel ist einer der zahlreichen politisch inszenierten Zerstörungsmechanismen für die niedergelassene haus- und fachärztliche Medizin in Deutschland und das persönliche, vom Patienten frei zu wählende vertrauensvolle Verhältnis zu seinem Doktor.
25.11.2010 20:27 Uhr
Dottore
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@Amidufou Herzlichen Dank, Herr Kollege! Treffender kann man es nicht ausdrücken. Sie sprechen nicht nur mir, sondern wohl fast allen Kollegen aus der Seele. Auch in der heutigen Abendsprechstunde habe ich wieder der Versuchung widerstanden, "still zu rationieren" und "billig statt wirksam" zu therapieren. Da grenzt es fast an ein Wunder, daß (falls die Angaben aus der Studie wahrheitsgemäß gemacht wurden) 45 % der Ärzte noch nie aus Kostengründen auf eine eigentlich notwendige Behandlung verzichtet haben. Oder merken die es selbst schon gar nicht mehr, daß sie zu Erfüllungsgehilfen der kranken Kassen geworden sind. Und an alle Patienten gerichtet: Lassen Sie sich nichts von Politikern und kranken Kassen vormachen. Lassen Sie keinen Keil zwischen Patient und Arzt treiben. Der Arzt Ihres Vertrauens ist nämlich ihr einziger Vertraute in diesem fast zynisch zu nennenden System!

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 "zu behaupten, diese [Globuli] wären unwirksam - nur weil die "Wissenschaft" das behauptet, ist schon sehr dreist." (Zitat @gittigründlich)

25.11.2010 21:49 Uhr
Morgan le Fay
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@amidufou Nun habe ich mir Ihren Beitrag sogar zweimal komplett durchgelesen und stimme Ihnen insoweit zu, als es für die niedergelassenen Ärzte derzeit kein Zuckerschlecken ist, die aus allen Richtungen herangetragenen Forderungen zu erfüllen, soweit sie überhaupt erfüllbar sind. Aber ich bitte doch zweierlei nicht zu verwechseln: Auf der einen Seite haben wir einen Gesundheitsapparat, der kränker nicht sein könnte. Übrigens bezieht sich das nicht nur auf die desolate finanzielle Situation, sondern auch auf die überkommenen Strukturen im Gesundheitswesen, die nicht mehr funktionieren. Auf der anderen Seite haben wir den Patienten, der Hilfe braucht und Hilfe sucht, sehr viel Geld dafür ausgibt und bisher einen Vertrauensvorschuss leistet, der aber trotzdem beim eigentlichen Leistungserbringer immer häufiger enttäuscht wird. Das betrifft natürlich nicht nur die Ärzte, das betrifft alle Leistungserbringer. Sie sagen nun - und Sie haben aus Ihrer Sicht heraus bestimmt recht - dass das alles nicht so sein müsste, wenn die Krankenkassen nicht so knausrig wären. Der Drohung mit Regressansprüchen kommt auch nur Bedeutung zu, weil eben die Kassen knausern. Im Übrigen haften Sie für Ihre Arbeit genauso wie ich auch oder der Automechaniker, der verantwortlich dafür ist, dass die Radmuttern fest sitzen. Können Sie sich vorstellen, warum die Kassen knausern müssen? Sehen Sie vielleicht eine Verschwörung zulasten praktizierender Ärzte aus lauter Gehässigkeit? Oder sollte es vielleicht doch Sachzwänge geben, an denen auch eine Krankenkasse nicht vorbeikommt? Können Sie sich aber auch vorstellen, dass der Versicherte sich - bei allem Verständnis für die Situation mancher Ärzte - nicht länger abspeisen lassen möchte. Nur zur Erinnerung: er bezahlt das alles!! Wenn innerhalb der Selbstverwaltung der Ärzteschaft die Honorarverteilung ungerecht ist, wenn Ihre Standesvertreter nicht in der Lage sind, beim g-BA und über die KBV Ihre berechtigten Interessen zu vertreten, dann kann einer nichts dafür: der Patient nämlich. Leider wird das Vertrauen täglich tausendfach - und zum Teil perfide - missbraucht. Über meine täglichen Erfahrungen mit Augenärzten könnte ich Romane schreiben. Ich dokumentiere und sammle IGeL-Vereinbarungen, soweit sie mir von Kunden überlassen werden. Wer seine Beine in die Hand nehmen möchte und so weit wie möglich wegrennen möchte, den wird in D niemanden aufhalten wollen. Davor gibt es noch die Möglichkeit, einfach die Kassenzulassung zurückzugeben, um dem ganzen Dilemma zu entkommen. Aber ich kenne aus meiner Gegend hier nicht einen einzigen Arzt, der konsequenterweise diesen Schritt gegangen wäre. Tatsächlich sollten Arzt und Patient an einem Strick ziehen. Aber auf der gleichen Seite des Strickes! Nehmen Sie Ihre Standesvertreter in die Pflicht! Rebellieren Sie beim g-BA und den KVen. Schmeißen Sie die Pharmamischpoke hochkantig aus den Praxen! Aber lassen Sie Ihren Unmut nicht an den Patienten aus, deren "Vertrauter" Sie sein wollen. Wenn es mal soweit gekommen ist, dass "jeder zweite Arzt auf eine eigentlich notwendige Behandlung verzichtet", dann kann man nicht mehr davon sprechen, dass der Arzt der "einzige Vertraute" wäre, den der Patient noch hat. Oder man verkennt in geradezu grotesker Form die derzeitige Situation für den Patienten.
25.11.2010 22:57 Uhr
Dottore
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Zitat von Morgan le Fay
Davor gibt es noch die Möglichkeit, einfach die Kassenzulassung zurückzugeben ... Aber ich kenne aus meiner Gegend hier nicht einen einzigen Arzt, der konsequenterweise diesen Schritt gegangen wäre.
Das wird sich schneller ändern, als Sie sich das vorstellen können, Morgan. Am 26.1.2011 planen mehr als 4000 bayerische Hausärzte ihre Zulassungen zurückzugeben!
Zitat von Morgan le Fay
Wenn es mal soweit gekommen ist, dass "jeder zweite Arzt auf eine eigentlich notwendige Behandlung verzichtet", dann kann man nicht mehr davon sprechen, dass der Arzt der "einzige Vertraute" wäre, den der Patient noch hat.
Wenn man die Studie genauer anschaut, dann erfährt man, daß nur ein geringer Anteil der Ärzte dem Patienten "gelegentlich" und die überwiegende Mehrheit noch seltener, also wohl nur in Einzelfällen, den Patienten nicht optimal therapiert hat. (Genauere Details der Studie auf der MLP Website). Unter den herrschenden Umständen und unter Berücksichtigung der Tatsache, daß laut Kasse der Patient gar kein Anrecht auf optimale Therapie hat (WANZ-Prinzip! Siehe oben bei Amidufou), ein geradezu sensationelles Ergebnis zugunsten der Ärzte.

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 "zu behaupten, diese [Globuli] wären unwirksam - nur weil die "Wissenschaft" das behauptet, ist schon sehr dreist." (Zitat @gittigründlich)

26.11.2010 11:08 Uhr
Morgan le Fay
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Am 26.1.2011 planen mehr als 4000 bayerische Hausärzte ihre Zulassungen zurückzugeben!

Jaja, und bei der Planung bleibt ´s auch. Ich bin da sehr entspannt.

Wenn man die Studie genauer anschaut, dann erfährt man, daß nur ein geringer Anteil der Ärzte dem Patienten "gelegentlich" und die überwiegende Mehrheit noch seltener, also wohl nur in Einzelfällen, den Patienten nicht optimal therapiert hat. (Genauere Details der Studie auf der MLP Website).

Es geht doch auch gar nicht unbedingt um eine "optimale" Therapie (was immer das auch sein soll), es geht doch darum, ob eine Therapie überhaupt stattfand. Wenn jeder zweite Arzt "aus Kostengründen auf eine eigentlich notwendige Behandlung verzichtet", dann hat er nach meiner Lesart gar keine durchgeführt, also auch die zweitbeste nicht. Und das wäre klarer Vertragsbruch. Und hier setzen auch meine persönlichen Erfahrungen mit Augenärzten an. Es gibt nicht "ein bisschen" Brillenrezept.... Entweder gibt es eins oder es gibt keines. Meist gibt keines. Eine "Behandlung" des Patienten wird aber mit der Kasse abgerechnet, obwohl der Arzt für den Patienten, der eine neue Brille benötigt, absolut nichts Verwertbares geleistet hat. Man geht nach 4 Monaten Wartezeit und 14-16 Minuten Behandlungszeit allenfalls mit einem dokumentierten Armutszeugnis aka "Refraktionsprotokoll" oder "Empfohlene Glasstärken" aus dem Sprechzimmer. Haftung? Null!

26.11.2010 16:30 Uhr
daddbr
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Was heisst hier verzichtet?
Er verweigert die Behandlung - so muss das heissen! Das heisst da muss angezeigt werden und die Kasse muss die Kassen-Zulassung entziehen. Als Privatarzt kann er dann behandeln wen er will...
26.11.2010 18:25 Uhr
I.M.S
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Zitat von amidufou
Es gibt bereits mehrere Selbstmorde deutscher Vertragsärzte aus der Situation des Regresses wegen Budgetüberschreitung bei der Verschreibung von Medikamenten oder Hilfsmitteln heraus. Ich kenne Kollegen, die mit einem laufenden Regreß in Pension gehen; die ganze Altersversorgung steht auf dem Spiel, und das, weil sie nichts anderes getan haben als ihre Patienten gewissenhaft nach modernen Leitlinien zu behandeln, aber das ist eben bei uns zu teuer. Es gibt weiterhin, auch hier in Augsburg, Kollegen, die wegen einer angeblichen Budgetüberschreitung für Arzneimittelkosten aus dem Jahr 2003 bis heute keinen Termin für ihr Verhandlung kennen, geschweige denn Aussicht auf rasche Anerkennung ihrer Behandlungsbesonderheiten besonders schwerer Patientenschicksale haben. Einem angehenden Mediziner, der an eine Berufstätigkeit in Deutschland denkt und dabei nicht zerstört werden will, kann man nur empfehlen, seine Beine unter den Arm zu nehmen und so weit weg ins Ausland zu laufen wie nur irgend möglich, solange sich an diesem Missstand nichts ändert (und das scheint parteiübergreifend kein Politiker zu wollen).
Mein Eindruck ? DAs ist egal.
23.08.2009, 17:53 Forum Standard Immer mehr ausländische Ärzte in Deutschland Bielefeld (dpa) - In Deutschland arbeiten nach einem Medienbericht immer mehr Mediziner aus dem Ausland. Grund sei der Ärztemangel, der sich in Zukunft noch verschärfen werde, berichtete das Bielefelder «Westfalen-Blatt» unter Berufung auf die Bundesärztekammer.

Solange es noch Ärzte gibt die nach Deutschland kommen (können). So gut wie fertig ausgebildet. Klingt hart. Trifft aber auf immer mehr Arbeitsbereiche zu. Dabei spielt es bezüglich Arbeitsbedingungen keine Rolle ob Deutsche/r oder Migrant/innen. Arbeiten-möglichst billig. Keine Fragen-keine Antworten.:mellow: Widerspricht zwar meiner Überzeugung wie man mit Menschen umgehen soll. Aber....

26.11.2010 19:43 Uhr
bianca_2002
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Wieso sollte ein Arzt für umsonst arbeiten!? Kein Mensch arbeitet ohne bezahlt zu werden!
26.11.2010 20:02 Uhr
Gast_1909478497
gelöscht
Beiträge: 425

Zitat von Dottore
Das wird sich schneller ändern, als Sie sich das vorstellen können, Morgan. Am 26.1.2011 planen mehr als 4000 bayerische Hausärzte ihre Zulassungen zurückzugeben!
Das war schon 2008 um etwa die gleiche Zeit in der Nürnberger Arena so :sleeping::sleeping: Und wer ist ausgestiegen?
Zitat von bianca_2002
Wieso sollte ein Arzt für umsonst arbeiten!? Kein Mensch arbeitet ohne bezahlt zu werden!
Wie kommen Sie auf diese Frage? Mir ist keiner bekannt der umsonst arbeitet. Ein großer Teil hat ein sehr gutes Einkommen. Ein paar kleine denen es nicht so gut geht gibts auch, wie in jeder Gruppe Selbstständiger.
27.11.2010 21:38 Uhr
daddbr
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Weniger ist mehr!
Auch hier gilt der Spruch. Ich denke wir haben nicht zu wenig Ärzte, sondern zuviel. Denken wir an die Zeit vor 30-40 Jahren. Die Menschen waren durchwegs gesünder, mit dem Arzt zufrieden und wir hatten etwa 1/3 der heute zugelassenen Ärzte und die Ärzte hatten sogar Zeit Hausbesuche zu machen. Heute teilt sich eine zu grosse Meute das Geld. Es dürfen nur noch Leute mit 1,..-Abi Medizin studieren - was sind das für Menschen? Hochintelligent - aber ???? Auszug aus: Verfasser: Alexander Gallin /Titel: Die ärztliche Profession in Deutschland /Leiter: Dr. Brosig "Betrachtet man nun direkt die zahlenmäßige Entwicklung der Ärzteschaft (Abb. 2,3,4,Anhang S.1) so werden weitere Fakten erkenntlich. Abbildung 2 (Anhang S.1) zeigt die Entwicklung der berufstätigen Ärzte in der Bundesrepublik seit 1950. Dabei wird deutlich, dass der Beruf des Arztes immer mehr an Popularität gewann, da sich die zahl der praktizierenden Mediziner von 1950 bis 2002 fast versechsfachte."
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