Dienstag, 21. Mai 2013

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Re - Inkarnation. Traum oder Wirklichkeit?
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26.02.2012 09:45 Uhr
forest
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B5-aktuell

Fauler Zauber: - 26.02.2012
Wie Esoterik Familien zerstört und Existenzen ruiniert

Klick

26.02.2012 10:06 Uhr
leopold
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Zitat von OldMike
Karma

 Nein, das muss es eben nicht, das wird vielleicht in manchen Religionen, wie Hinduismus mit hinein interpretiert, aber, wie gesagt, falls es eine geben sollte, dann halte ich es eher mit Sir John Eccles: das Gehirn ist der Biocomputer der Seele, bzw. des Bewußtseins. Das heißt, wenn der Körper ein Defizit hat, dann ist das vielleicht Pech, aber muss nicht Karma sein.

Was aber eher daraus entstehen sollte, das wäre ein universelles Bewußtsein, welches Verständnis fördert für die Weiterentwicklung auch anderer Menschen, für Engagement und Hilfe, sei es bei der Erhaltung einer lebenswerten Welt oder einfach Hilfe für den Mitmenschen.

 

Religionen und esoterische Glaubenslehren tragen immer sowohl einen psychologischen und als auch einen soziologischen Aspekt in sich.

Für den Einzelnen ist es zwar von großer Bedeutung, welches Gedankengebäude er mit sich führt bzw. herumschleppt. Dem einen spendet sein Glaube Trost und ermöglicht ihm ein erfülltes Leben, dem anderen wird der Glaube zur schweren Bürde, weil sie seine von Natur aus angelegten Bedürfnisse und Wünsche mit Gewalt unterdrückt.  Die christliche Sexualmoral ist ein allgemein bekanntes Beispiel für letzteren Fall.
Die weltweit kursierenden Glaubenslehren mit ihren mehr oder weniger konkreten Vorschriften für das tägliche Leben lassen sich vielleicht mit den Aufbauanleitungen für Möbel von IKEA vergleichen: Da gibt es einfache Anleitungen für ein Polstermöbel, das man zur Not auch selbst zusammenbauen könnte, bis hin zu komplizierten Vorschriften für den Zusammenbau einer Küche. Am Ende stellt man vielleicht fest, dass eine Schraube fehlt oder ein Bohrloch an der falschen Stelle sitzt. Im schlimmsten Fall hat man nach ewigem Schrauben nicht die gewünschte  Küche vor sich, sondern man hat sich ein Wolkenkuckucksheim zusammengebaut.

Gravierender sind die Folgen einer Glaubenslehre im gesellschaftlichen Kontext. Je weniger aufgeklärt eine Gesellschaft ist, desto höher ist beispielsweise der materielle Aufwand, der von den einzelnen Individuen für den "Götzendienst" erbracht werden muss. Man denke an die Anlage von Stonehenge oder die gewaltigen Kirchenbauten des Mittelalters. Stärker aber noch wirkt die vorherrschende Glaubenslehre in Bezug auf den Wertekanon einer Gesellschaft bis hin zu politischen oder auch wirtschaftlichen Prozessen.
Eine Lehre wie die von der Reinkarnation ist für eine westliche Gesellschaft wie unsere in Deutschland natürlich nicht wirklich gefährlich, da die dazugehörigen Ideen weitgehend beim Einzelnen im privaten Bereich verbleiben. Trotzdem sollten die, die mit solchen Lehren liebäugeln, immer bedenken, welche Konsequenzen es für das gesellschaftliche Zusammenleben haben könnte, wenn eine solche Lehre verbindliches Allgemeingut wird.
Dass der Spaß dann schnell zu Ende sein kann, ist für jeden beispielhaft in den islamischen Gottesstaaten zu sehen. Ein Blick zurück in unsere eigene - christlich geprägte - Geschichte bewahrt uns übrigens vor unangebrachter Überheblichkeit.

26.02.2012 11:23 Uhr
alter Löwe
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Zitat von montebaldo
 

 

Ich sehe diese Gefahr beim Leben im Sinne einer Reinkarnation und des Karma (völlig unabhängig von einer Religion) gerade nicht.

 

Wie ist es denn wenn Du als Hund wiedergeboren wirst und Plupps als Floh Sweatdrop

________
Einmal Löwe.....

26.02.2012 12:45 Uhr
Martin
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Zitat von leopold
 

Religionen und esoterische Glaubenslehren tragen immer sowohl einen psychologischen und als auch einen soziologischen Aspekt in sich.


So ist es. Religion und Esoterik ist die Macht der Machtlosen, mehr oder minder ausgeprägte Defizite und Probleme des Diesseits werden mit einer wie auch immer gearteten Heilserwartung im Jenseits zu kompensieren oder zu erklären versucht. Für die Protagonisten stellt sich das positive Gefühl der Überlegenheit und des "Auserwähltseins" ein, also etwas, was ihnen im realen Leben aus den unterschiedlichsten Gründen weitestgehend verwehrt blieb. Gefährlich wird es dann, wenn der Einfluß einer dieser Gruppen im Alltagsleben einer Gesellschaft überhand nimmt, wie Sie richtig analysieren.

Zitat von leopold
 
Dass der Spaß dann schnell zu Ende sein kann, ist für jeden beispielhaft in den islamischen Gottesstaaten zu sehen. Ein Blick zurück in unsere eigene - christlich geprägte - Geschichte bewahrt uns übrigens vor unangebrachter Überheblichkeit.

 
Sie übersehen dabei, dass zu den Zeiten, in denen das Christentum weltweit eine Blutspur hinterließ, die gesamtgesellschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung auch noch auf einem sehr archaischen Level angesiedelt war. Es gab keine moderne Medizin, für die meisten Naturphänomene wurden Geister und Hexen verantwortlich gemacht. Die weltliche Gerichtsbarkeit urteilte willkürlich und grausam und der gesellschaftliche Status des Einzelnen war ausschließlich durch die Geburt definiert. Das ist heute natürlich anders. In allen "islamischen Gotteststaaten" gibt es Satellitenfernsehen, moderne Medizin, Handys, meist auch Twitter und Google. Der Islam versucht diese Entwicklungen zu negieren und den Schritt zurück ins Mittelalter bar jeglicher Vernunft und wissenschaftlicher Erkenntnisse als zielführend zu propagieren. Den Versuch, die Exzesse des Islam in der Gegenwart mit den Verfehlungen des Christentums aus grauer Vorzeit zu entschuldigen, geht deshalb aus meiner Sicht am Problem vorbei. Ich halte diese Form der Argumentation deshalb auch für gefährlich, da sie eine implizite Enschuldigung für jede Form der Unmenschlichkeit im Namen einer Religion bereithält.

Martin

26.02.2012 13:29 Uhr
OldMike
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Freiheit

 

Zitat von Martin
 

So ist es. Religion und Esoterik ist die Macht der Machtlosen, mehr oder minder ausgeprägte Defizite und Probleme des Diesseits werden mit einer wie auch immer gearteten Heilserwartung im Jenseits zu kompensieren oder zu erklären versucht. Für die Protagonisten stellt sich das positive Gefühl der Überlegenheit und des "Auserwähltseins" ein, also etwas, was ihnen im realen Leben aus den unterschiedlichsten Gründen weitestgehend verwehrt blieb. Gefährlich wird es dann, wenn der Einfluß einer dieser Gruppen im Alltagsleben einer Gesellschaft überhand nimmt, wie Sie richtig analysieren.

Das würde ich nicht so stehen lassen - und ich denke auch, dass der Post auf den Sie antworteten auch nicht ganz so gemeint war: Religion hat sehr wohl psychologische und soziale, bzw. sozialisierende Funktion.  Aber man darf hier nicht verallgemeinert argumentieren als Macht der Machtlosen: Religion selber ist meist das Instrument der Mächtigen gewesen - oder selber ein Machtinstrument, wenn man die Lage gerade im nahen Osten ansieht.

Die Esoterik, die sie in den gleichen Topf werfen, hat normalerweise mit Macht wenig zu tun, sondern vor allem mit Erkenntnis. Da wird versucht, auf der einen Seite (noch) unerklärbare Phänomene einzuordnen, wobei das nicht immer ein geschlossenes Weltbild erfordert. Zur Esoterik möchte ich noch anmerken, dass ich da vielem, allein schon diesem Label-Begriff kritisch gegenüberstehe, denn vieles ist Geschäftemacherei und Aberglaube, aber es gibt einiges, was man einfach als schlicht unerklärbar oder wunderbar nehmen kann, solange es nicht auf althergebracht wissenschaftliche Art erfassen kann.

Zweitens zb. sind so Phänomene wie Gott, höheres Wesen, Seele bzw. materiell unabhäningiges Bewusstsein durchaus Dinge, die man zwar wissenschaftlich (noch) nicht beweisen kann, aber man braucht sie deswegen nicht wegzuwerfen, nicht alles, was man nicht erklären kann, ist Humbug. Es wäre kindisch und vermessen, so nach dem Motto, "was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht" einfach zu negieren. Gerade die Quantenphysik hat gezeigt, dass wohl Phänomene gibt, für deren Behauptung man früher als verrückt bezeichnet worden wäre.

Des weiteren: es gab auch viele gute Menschen, mächtige Menschen, Denker, sie sich mit Religion und Sinnsuche beschäftigt haben. Allein psychologisch gesehen ist das eine positive Sache, nimmt sie doch schon eher die Angst vor dem Tod und dem Leben mit seinen ganzen Unbillen. Es ist weniger Macht, es ist ganz einfach Trost und Sinn, was dies stiftet, und das ist gut so.

Aber jetzt noch einmal ganz zurück zum Ursprung des Threads: Anscheinend gibt es unerklärliche Phänomene und Menschen, die solches erlebt haben. Und da wäre es fair und angemessen, diese Erfahrungen und sogar evtl Fakten publik zu machen, auszutauschen und darüber zu diskutieren. Und da ist es unfair und vermessen, jeden, der mehr sieht und denkt als Sie, ich oder ein anderer, von vorneherein als Spinner zu diskriminieren oder alles, was nicht wissenschaftlich beweisbar ist, bzw. vielleicht noch gar nicht mal angemessen untersucht wurde, als Humbug abzutun. Nicht blind alles glauben, aber die Möglichkeiten kritisch zu diskutieren.

Ich finde es gut, wenn Menschen wieder anfangen, frei zu denken - und sich nicht gleich von vorneherein ihren Maulkorb von der herrschenden Wissenschaftskaste, den Medien oder den Religionen verpassen zu lassen.

 

________
Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen. (Helmut Qualtinger)

Zuletzt geändert von OldMike, am 26.02.2012 um 13:38 Uhr
26.02.2012 13:34 Uhr
OldMike
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Glaube und Gewalt

 

Zitat von Martin

Sie übersehen dabei, dass zu den Zeiten, in denen das Christentum weltweit eine Blutspur hinterließ, die gesamtgesellschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung auch noch auf einem sehr archaischen Level angesiedelt war. Es gab keine moderne Medizin, für die meisten Naturphänomene wurden Geister und Hexen verantwortlich gemacht. Die weltliche Gerichtsbarkeit urteilte willkürlich und grausam und der gesellschaftliche Status des Einzelnen war ausschließlich durch die Geburt definiert. Das ist heute natürlich anders. In allen "islamischen Gotteststaaten" gibt es Satellitenfernsehen, moderne Medizin, Handys, meist auch Twitter und Google. Der Islam versucht diese Entwicklungen zu negieren und den Schritt zurück ins Mittelalter bar jeglicher Vernunft und wissenschaftlicher Erkenntnisse als zielführend zu propagieren. Den Versuch, die Exzesse des Islam in der Gegenwart mit den Verfehlungen des Christentums aus grauer Vorzeit zu entschuldigen, geht deshalb aus meiner Sicht am Problem vorbei. Ich halte diese Form der Argumentation deshalb auch für gefährlich, da sie eine implizite Enschuldigung für jede Form der Unmenschlichkeit im Namen einer Religion bereithält.

Das habe Sie schon mal schön erkannt: auch wenn die Technik fortschrittlich ist, kann Glaube dennoch unmenschlich, barbarisch und tödlich sein. Dies ist ein Problem der meisten Buchreligionen, obwohl z.b. die christliche gottseidank durch die Säkularisation gerupft und auf sozialverträgliches Niveau gebracht wurde.

Was aber der Wirtschaftsimperialismus der USA, die Innenpolitik Chinas und das Dritte Reich zeigten: Unmenschlich und grausam kann man durchaus auch ohne religiösen Glauben sein.

 

 

________
Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen. (Helmut Qualtinger)

26.02.2012 14:19 Uhr
Martin
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Zitat von OldMike
 

Die Esoterik, die sie in den gleichen Topf werfen, hat normalerweise mit Macht wenig zu tun, sondern vor allem mit Erkenntnis. Da wird versucht, auf der einen Seite (noch) unerklärbare Phänomene einzuordnen, wobei das nicht immer ein geschlossenes Weltbild erfordert. Zur Esoterik möchte ich noch anmerken, dass ich da vielem, allein schon diesem Label-Begriff kritisch gegenüberstehe, denn vieles ist Geschäftemacherei und Aberglaube, aber es gibt einiges, was man einfach als schlicht unerklärbar oder wunderbar nehmen kann, solange es nicht auf althergebracht wissenschaftliche Art erfassen kann.

Zweitens zb. sind so Phänomene wie Gott, höheres Wesen, Seele bzw. materiell unabhäningiges Bewusstsein durchaus Dinge, die man zwar wissenschaftlich (noch) nicht beweisen kann, aber man braucht sie deswegen nicht wegzuwerfen, nicht alles, was man nicht erklären kann, ist Humbug. Es wäre kindisch und vermessen, so nach dem Motto, "was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht" einfach zu negieren. Gerade die Quantenphysik hat gezeigt, dass wohl Phänomene gibt, für deren Behauptung man früher als verrückt bezeichnet worden wäre.


Meiner Beobachtung nach sind insbesondere Menschen für derlei Gedankengut empfänglich, die sehr diesseitige Probleme zu bewältigen haben. Diese Kompensation erschöpft sich übrigens nicht nur auf Esoterik oder Religion, sondern kennt vielerlei Ausprägungen: Da ist z.B. die geschiedene Frau, die sich plötzlich mit einem Rudel Katzen umgibt, während der ebenfalls geschiedene Mann sein Heil in einem Übermaß an sportlichen Aktivitäten sucht. Zudem ist ein erheblicher qualitativer Unterschied zwischen neuen wissenschaftlichen Erkentnissen und esoterischem oder religiösem Aberglauben, unabhängig davon, wie "man" die Sachverhalte zum jeweiligen Zeitpunkt bewertet. Stets war und ist es so, dass die Wissenschaft für esoterische oder religiöse Annahmen letztendlich sehr profane Erklärungen lieferte, nie aber war es umgekehrt!

 

Zitat von OldMike
 
Des weiteren: es gab auch viele gute Menschen, mächtige Menschen, Denker, sie sich mit Religion und Sinnsuche beschäftigt haben. Allein psychologisch gesehen ist das eine positive Sache, nimmt sie doch schon eher die Angst vor dem Tod und dem Leben mit seinen ganzen Unbillen. Es ist weniger Macht, es ist ganz einfach Trost und Sinn, was dies stiftet, und das ist gut so.

 
Das waren Philosophen, keine Esoteriker, die im Kontext ihrer Zeit oft nicht ohne ein Gottesmodell auskommen konnten. Oft genug auch Wissenschaftler, die ihrer Zeit weit voraus waren und verfolgt wurden. Als sinnstiftendes Element mag Religion,  Esoterik usw. durchaus seinen Platz in der Gesellschaft haben, allerdings müssen sich die Jünger entsprechender Weltanschauungen auch gefallen lassen, dass man ihnen kritisch auf die Finger sieht. Spätestens dann, wenn sie mit ihrer Weltanschauung in der Öffentlichkeit hausieren gehen.

 

Zitat von OldMike

Ich finde es gut, wenn Menschen wieder anfangen, frei zu denken - und sich nicht gleich von vorneherein ihren Maulkorb von der herrschenden Wissenschaftskaste, den Medien oder den Religionen verpassen zu lassen.

Jeder darf für sich an das glauben, woran er will, solange er nicht das Leben von anderen damit zu beeinflussen sucht. Das genau ist nämlich das Gegenteil von Freiheit, die wir der Aufklärung durch die Wisenschaft zu verdanken haben.

Martin

Zuletzt geändert von Martin, am 26.02.2012 um 14:26 Uhr
26.02.2012 14:33 Uhr
Martin
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Zitat von OldMike
 

Was aber der Wirtschaftsimperialismus der USA, die Innenpolitik Chinas und das Dritte Reich zeigten: Unmenschlich und grausam kann man durchaus auch ohne religiösen Glauben sein.


Sorry, aber die Handelsgepflogenheiten der USA mit dem dritten Reich zu vergleichen ist ein Unsinn, den ich zumindest von ihnen nicht erwartet hätte. Im übrigen war die Ideologie des dritten Reiches sehr wohl eine religiöse, die mit Ahnenkult, Blutweihen und germanischen Riten die so gefährliche Verquickung von Staat und (Pseudo-)Religion praktizierte. Man war als "gläubiger" NS-Ideologe den anderen Rassen übergordnet. Man beachte gewisse Parallelen zu heutigen, sehr aggressiv auftretenden "Staatsreligionen"...

Martin

26.02.2012 15:24 Uhr
leopold
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Zitat von Martin

 
Sie übersehen dabei, dass zu den Zeiten, in denen das Christentum weltweit eine Blutspur hinterließ, die gesamtgesellschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung auch noch auf einem sehr archaischen Level angesiedelt war. Es gab keine moderne Medizin, für die meisten Naturphänomene wurden Geister und Hexen verantwortlich gemacht. Die weltliche Gerichtsbarkeit urteilte willkürlich und grausam und der gesellschaftliche Status des Einzelnen war ausschließlich durch die Geburt definiert. Das ist heute natürlich anders. In allen "islamischen Gotteststaaten" gibt es Satellitenfernsehen, moderne Medizin, Handys, meist auch Twitter und Google. Der Islam versucht diese Entwicklungen zu negieren und den Schritt zurück ins Mittelalter bar jeglicher Vernunft und wissenschaftlicher Erkenntnisse als zielführend zu propagieren. Den Versuch, die Exzesse des Islam in der Gegenwart mit den Verfehlungen des Christentums aus grauer Vorzeit zu entschuldigen, geht deshalb aus meiner Sicht am Problem vorbei. Ich halte diese Form der Argumentation deshalb auch für gefährlich, da sie eine implizite Enschuldigung für jede Form der Unmenschlichkeit im Namen einer Religion bereithält.

Martin

 

Wir sollten in diesem Thread nicht auch noch den üblichen Kulturkampf zwischen Christentum und Islam führen, auch wenn es Sie noch so reizt. Nur so viel: Die fundamentalistischen Christen in den USA sind jederzeit bereit, in die archaischen Grundmuster früherer Jahrhunderte zurückzufallen.

26.02.2012 15:40 Uhr
leopold
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Zitat von OldMike
Freiheit

 

Das würde ich nicht so stehen lassen - und ich denke auch, dass der Post auf den Sie antworteten auch nicht ganz so gemeint war: Religion hat sehr wohl psychologische und soziale, bzw. sozialisierende Funktion.  Aber man darf hier nicht verallgemeinert argumentieren als Macht der Machtlosen: Religion selber ist meist das Instrument der Mächtigen gewesen - oder selber ein Machtinstrument, wenn man die Lage gerade im nahen Osten ansieht.

Die Esoterik, die sie in den gleichen Topf werfen, hat normalerweise mit Macht wenig zu tun, sondern vor allem mit Erkenntnis. Da wird versucht, auf der einen Seite (noch) unerklärbare Phänomene einzuordnen, wobei das nicht immer ein geschlossenes Weltbild erfordert. Zur Esoterik möchte ich noch anmerken, dass ich da vielem, allein schon diesem Label-Begriff kritisch gegenüberstehe, denn vieles ist Geschäftemacherei und Aberglaube, aber es gibt einiges, was man einfach als schlicht unerklärbar oder wunderbar nehmen kann, solange es nicht auf althergebracht wissenschaftliche Art erfassen kann.

Zweitens zb. sind so Phänomene wie Gott, höheres Wesen, Seele bzw. materiell unabhäningiges Bewusstsein durchaus Dinge, die man zwar wissenschaftlich (noch) nicht beweisen kann, aber man braucht sie deswegen nicht wegzuwerfen, nicht alles, was man nicht erklären kann, ist Humbug. Es wäre kindisch und vermessen, so nach dem Motto, "was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht" einfach zu negieren. Gerade die Quantenphysik hat gezeigt, dass wohl Phänomene gibt, für deren Behauptung man früher als verrückt bezeichnet worden wäre.

Des weiteren: es gab auch viele gute Menschen, mächtige Menschen, Denker, sie sich mit Religion und Sinnsuche beschäftigt haben. Allein psychologisch gesehen ist das eine positive Sache, nimmt sie doch schon eher die Angst vor dem Tod und dem Leben mit seinen ganzen Unbillen. Es ist weniger Macht, es ist ganz einfach Trost und Sinn, was dies stiftet, und das ist gut so.

Aber jetzt noch einmal ganz zurück zum Ursprung des Threads: Anscheinend gibt es unerklärliche Phänomene und Menschen, die solches erlebt haben. Und da wäre es fair und angemessen, diese Erfahrungen und sogar evtl Fakten publik zu machen, auszutauschen und darüber zu diskutieren. Und da ist es unfair und vermessen, jeden, der mehr sieht und denkt als Sie, ich oder ein anderer, von vorneherein als Spinner zu diskriminieren oder alles, was nicht wissenschaftlich beweisbar ist, bzw. vielleicht noch gar nicht mal angemessen untersucht wurde, als Humbug abzutun. Nicht blind alles glauben, aber die Möglichkeiten kritisch zu diskutieren.

Ich finde es gut, wenn Menschen wieder anfangen, frei zu denken - und sich nicht gleich von vorneherein ihren Maulkorb von der herrschenden Wissenschaftskaste, den Medien oder den Religionen verpassen zu lassen.

 

So sehe ich das auch. Ohne Religionen wäre die Entstehung von allgemeinverbindlichen, das Zusammenleben der Menschen organisierenden Wertesystemen in der Frühzeit der Menschen bis ins Mittelalter hinein kaum durchsetzbar gewesen. Ein allwissender Gott ist nämlich als Aufseher sehr effizient. Leider wurde, wie Sie ja schon gesagt haben, die Macht der Religion über die Menschen schnell von den Mächtigen entdeckt, instrumentalisiert und allzuoft missbraucht.

26.02.2012 20:06 Uhr
montebaldo
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Zitat von leopold
 

Ich glaube nicht, dass Kallewirsch das auch so sieht wie Sie. Der fragt immer, ob ein einziges Leben überhaupt einen Sinn macht. Das meinte ich übrigens damit, dass jeder sich sein Weltbild nach Geschmack zuschnitzt und es dann womöglich noch für allgemeingültig hält.

 

 Und Sie schnitzen sich Ihr Weltbild nicht zusammen?

 

Zitat von leopold
 

Die Reinkarnationslehre beinhaltet übrigens die Problematik, dass benachteiligte Menschen (Behinderung, Armut, etc.) für ihr Los selbst verantwortlich gemacht werden (können) mit dem Hinweis auf Verfehlungen in einem früheren Leben. Warum blenden Sie das völlig aus? Eine Gesellschaft, in der ein solches Denken vorherrscht, kennt wohl kaum einen Sozial- und Rechtsstaat nach unserem Verständnis.

Das System der Reinkarnation beinhaltet diese Problematik in keiner Weise. Was Menschen aus einem System machen, hat dieses nicht in der Hand (es gibt ja keinen Schöpfergott, der irgendetwas regeln könnte), aber nach diesem System wird entsprechendes Handeln eben entsprechende Folgen haben, weshalb es im Sinne der Lehre nicht besonders klug wäre, so zu handeln.

Bevor eine Vervollkommnung der gesamten Menschheit verwirklicht ist, werden immer Fehler gemacht werden. Diese können Sie doch nicht dem System vorhalten, das eine Verbesserung anstrebt.

Nochmal: Es geht hier im Thread um Reinkarnation nicht um Religionen. Auch wenn diese ein Teil mancher Religionen ist, so ist das nicht zwingend erforderlich. Das System der Reinkarnation braucht keine Religion - es braucht nur gutes , selbstloses Handeln. Die gute reine Absicht ist dabei ein wesentliches Kritierium.

 

26.02.2012 20:09 Uhr
montebaldo
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Zitat von alter Löwe
 

 

Wie ist es denn wenn Du als Hund wiedergeboren wirst und Plupps als Floh Sweatdrop

Hund wäre ich nur beim Alten Löwen und da wäre dem Ungeziefer mit entsprechendem Mittel sehr schnell zu Leibe gerückt. Kurze Wiedergeburt für plupps, feines Leben für mich... Zwinkernd

26.02.2012 21:47 Uhr
Martin
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Zitat von leopold
 
Wir sollten in diesem Thread nicht auch noch den üblichen Kulturkampf zwischen Christentum und Islam führen, auch wenn es Sie noch so reizt. Nur so viel: Die fundamentalistischen Christen in den USA sind jederzeit bereit, in die archaischen Grundmuster früherer Jahrhunderte zurückzufallen.


Einer von uns beiden hat den Vergleich Christentum / Islam hier in den Thread eingeführt. Ich war es nicht. Sie müssen in diesem Fall mit Gegenargumenten rechnen. Breites Grinsen

Martin

27.02.2012 20:11 Uhr
leopold
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Zitat von montebaldo

 

 Und Sie schnitzen sich Ihr Weltbild nicht zusammen?

 

Ich denke nicht. Mein Weltbild basiert im Wesentlichen auf dem, was die modernen Natur- und Geisteswissenschaften über uns und die Welt bisher herausgefunden haben, wobei ich leider nicht immer auf dem aktuellen Stand der neuesten Erkenntnisse über Schwarze Löcher oder der Quantentheorie bin. Breites Grinsen

Darüber hinausführende "Erkenntnisse" der Theologie oder der Esoterik behandle ich dagegen mit der mir gebotenen Vorsicht: Natürlich schließe ich - anders, als Sie mir hier schon unterstellt haben -  theoretisch mögliche Ereignisse wie unbefleckte Empfängnis, Wiederauferstehung, Jüngstes Gericht, Seelenwanderung, Zeitensprünge oder Verheißungen wie paradiesische Jungfrauen, Wolke 7 oder  Höllenfeuer Teufel - nicht ex ante aus.
Allerdings halte ich solches schon aus Gründen der Wahrscheinlichkeit für fragwürdig - insbesondere, weil sich diese absolut gebenden Glaubenstheorien zum Teil diametral widersprechen und wissenschaftlicher Überprüfung - bisher jedenfalls - nicht zugänglich sind.
Ich setze meine Hoffnungen bei der Ergründung dieser Phänomene eher in die moderne Hirnforschung: Es ist ja nun mal so, dass wir bei aller versuchter Objektivität des Denkens den Beschränkungen und Möglichkeiten unseres Hirns nicht entfliehen können. Unser Denken ist ein biochemischer Prozess, dessen Regeln wir wohl bisher nur ansatzweise verstanden haben. Unsere "Realität" ist immer nur ein Bild der echten Realität, also im wahrsten Sinne des Wortes eine Einbildung.
Meditation, LSD-Konsum oder Hypnose werden gerne angeführt, wenn es darum geht, hinter dieses Bild zu sehen. Aber wer sagt uns denn, dass das Bild, das wir in solchen Zuständen sehen, mehr mit der Realität zu tun tun hat als im normalen Wachzustand?

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang das Phänomen der Inselbegabungen, auch Savant-Syndrom genannt. Wer jemals gesehen hat, was unser Hirn theoretisch zu leisten imstande ist, wird sich nicht mehr wundern, wenn im LSD-Rausch überraschende Ergebnisse zu Tage treten. Der Mensch im Alltagsbetrieb verfügt über die Fähigkeiten, die er benötigt, um zu überleben und um zu funktionieren. Was im Hintergrund in unserem Hirn abläuft und wozu wir keinen Zugang haben, weil das den Normalbetrieb stören würde, wissen wir kaum. Vielleicht liegt die Ursache für manche nicht erklärbare Wahrnehmung, für manche Begenung mit "Gott" oder manche esoterische Urerfahrung dort versteckt.

27.02.2012 20:27 Uhr
leopold
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Zitat von montebaldo

 Das System der Reinkarnation beinhaltet diese Problematik in keiner Weise. Was Menschen aus einem System machen, hat dieses nicht in der Hand (es gibt ja keinen Schöpfergott, der irgendetwas regeln könnte), aber nach diesem System wird entsprechendes Handeln eben entsprechende Folgen haben, weshalb es im Sinne der Lehre nicht besonders klug wäre, so zu handeln.

 

Wenn Sie unterstellen, die Reinkarnation sei ein Gesetz wie das Gravitationsgesetz oder die Quantenmechanik, dann haben Sie recht. Meines Wissens nach wirken letztere Gesetze auf unserem ganzen Planeten und sogar darüber hinaus, die Reinkarnation dagegen ist in unseren Breitengraden eher unbekannt. Woher kommt das wohl?

Das "System der Reinkarnation", wie Sie es nennen, müsste doch - wenn es allgemeingültig ist - auf unserem Planeten etwa gleichverteilt bekannt oder erfahrbar sein, wenn wir mal unterstellen, dass die dafür notwendige Sensibiltät etwa gleich verteilt ist.
Sei's drum: Ich halte es für politisch naiv, ein "System", dessen Regeln niemand wirklich kennt, unabhängig von dessen tatsächlichen Auswirkungen auf eine Gesellschaft zu betrachten. Zumindest sollten positive und negative Auswirkungen einer Glaubenslehre auf eine Gesellschaft immer gegeneinander abgewogen werden.

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