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Die Räuber in Augsburg
Als ich gestern nach der Premiere nach Hause fuhr, sah ich auf dem Platz vor dem Stadttheater ein Polizeiauto stehen. Da hat jemand der Polizei wohl gesteckt, dass im Theater "die Räuber" unterwegs seien. Naja. Hätten sie nur früher eingegriffen. Es gab Mord und Totschlag, viel Blut, ein abgeschnittenes Ohr und heraus gerissenes Gedärme. |
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#2 (permalink) | |
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Die Räuber, die Räuber....
Traurig, traurig, traurig - es gibt so gewisse Geistesblitze, die man sich als Eselsbrücke zu einem Klassiker merkt. Wahrscheinlich war ich mal in einer Schüler-Vorstellung von "Wilhelm Tell" und erinnere mich als Eselsbrücke an einen Apfel und einen Pfeil. Die nächste und übernächste Generation, welche die Augsburger "Räuber" gesehen hat, wird sich wohl mit Eselsbrücken so herausreden, daß das doch die Story war mit dem Sohn, der von seinem toten Vater das Ohr als Brotzeit mit dem Taschenmesser, wie ein Stück Leberkäse, verspeist hat. Traurig, traurig, traurig !!! |
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#3 (permalink) | |
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Dann wundert es mich nicht, dass jetzt ein Premierenbesucher mit Herzanfall auf der Intensivstation liegt. |
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#4 (permalink) | |
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Bevor ich mich zum Stück die Räuber äußere ! Mein Vorschlag für das neue Theatergebäude neben dem Großen Haus: Ziegenstall ! Meine Begründung: Da der Interims-Container eh schon eine unsägliche Verschwendung an Steuergeldern ist, kann man Ihn ja auch gleich dazu nutzen den ganzen Bockmist wie "Die Räuber" oder "Die Fledermaus" darin aufzuführen. Und im Großen Haus könnten dann endlich wieder gute Produktionen aufgeführt werden in denen zum einen sich Intendanz und Regisseure nicht an makabren Provokationen aufgeilen und zum anderen auch die Schauspieler wieder gute Leistungen bringen dürfen ! Nun überleitend: Was ist eigentlich los am Theater ??? Was läuft da ? Wie kommt es zu diesen qualitativen Quantensprüngen zur vorherigen Spielzeit in denen ein Highlight das andere jagte, und zu dieser Spielzeit in dem die Stücke unter aller sau inszeniert werden ( miserabelste Regie ) und auch die Schauspieler mit angezogener Handbremse spielen, als wären es Laien. Wieso ? Warum diese Provokationen ? Die Intendantin bekennt sich ja dazu, ihr sei es nicht unbedingt wichtig ist, dass die Stücke allen gefallen, sondern es ist ihr wichtiger, dass man darüber spricht. Da dies mit Qualität scheinbar nicht erreicht wird greift man nun zu Provokation um Aufmerksamkeit zu bekommen ??????? Das erinnert mich an "Dschungelcamp" wo die schmierigsten C-Promis sich prostituieren um aus dem Versenkung wieder ins Rampenlicht zu kommen, auch wenn es noch so peinlich und niveulos ist. Hauptsache man ist im Gespräch. Nun zur Premiere der Räuber: Ich hab gedacht ich sehe nicht recht. Mal abgesehen von der grässlichen Regie mit dem Ohr auffressen, der Hinrichtung des Pfaffen u.s.w. Eine unbegreiflich schlechte Leistung der Schauspieler. Ich verstehe nicht wie sogar altbeährte Schauspieler so absacken können. Peiker hat sich sicher noch am meisten Mühe gegeben, aber das ist so ne "Kette und schwächstes Glied " Sache, er hat sich einfach anstecken lassen, war aber noch der Beste. Von Lucy Wirth war ich in Tartuffe so begeistert und hier so enttäuscht. Die kann wirklich was, das ist ne sehr gute Schauspielerin, aber entweder hat die Regie sie dazu gezwungen so abzueiern oder hier passen einfach Rolle und Schauspielertyp nicht zusammen. (?) Die Hauptdarsteller: Rechenbach irgendwie abwesend, unkonzentriert, runtergeleiert, genuschelt, man hat kaum ein Wort verstanden. Vielleicht doch überfordert mit einer anspruchsvollen Hauptrolle mit viel Text ? Für mich die größte Enttäuschung war Bernau, den ich normalerweise sehr gerne spielen sehen. Vermutlich hatte er nicht gemerkt dass er nicht mehr den zappeligen Anton im "kleinen Vampir" spielt sondern "die Räuber" dran waren.( Denn ich habe nur einen Anton gesehen und keinen Franz) Es sei ihm verziehen - aus meiner Sicht bisher das erste mal, dass er sich ne schlechte Leistung gegönnt hat. Er hat schon dutzende Stücke überragend gespielt. Irgendwie auch nicht verwundertlich, denn das Bühnenbild war eigentlich genau das gleiche wie im Weihnachtsmärchen "kleine Vampir" nur eben in der Faschingszeit auf "Räuber" umdekoriert. I Ideenlos, unkreativ, enttäuschend ! Zu den Nebenrollen, den anderen Räubern: Tut mir leid, aber ich glaub die können einfach auch nicht besser spieln (bis auf Stange von dem man weiss dass ers ordentlich kann) Schlechte Körpersprache, auch nur genuschet und zu leise. Man hat wenig verstanden. Ich hab einen älteren Herrn in der Pause sagen hören "Die jungen Schauspielermüssen erst mal richtig sprechen lernen" Damit trifft er den Punkt. Toomas Täht tut mir ein bisschen leid, der gut spielen kann, aber er kann auch nichts dafür dass er sowohl in Fledermaus als auch in den Räubern sowas abliefern muss. Hat er nicht verdient. Schon in der Pause hat man viele Leute nur negativ und enttäuscht reden hören. Ich fands auch furchtbar, hab mir oft gedacht "wann ist es endlich vorbei !" ( Das Bild mit den Waldbäumen: Es sind 53 Stück wenn ich richtig gezählt habe, das war ne sinnvollere Sache als zuzusehen) Am Ende bleibt das warum ?!!!??? Warum dieser Qualitätsverlust und warum diese ständigen Provokationen ? Irgendwas ist da doch faul hinter den Kulissen ! Ich finde ein gutes Theaterstück wichtiger, bei dem die Leute gut gelaunt und begeistert von der Qualität das Haus verlassen wichtiger, als ne Provokationsnummer, nur um ins Gespräch zu kommen. Bei der Premiere waren schon viele Stühle leer, und wenn die Qualität anhaltend so schlecht ist werden es sicher nicht mehr ! Mir scheint, dass einige kein Interesse haben am Publikum, sondern dass die Selbsverwirklichung im Vordergrund steht. Ein Theater das eigentlich nur Miese Zahlen macht und Millionen an Subventionen an Steuergeldern einstreicht um überhaupt existieren zu können kann es sich eigentlich nicht leisten so miserable Stück am Fließband zu liefern. .... warum nur tun sie es ??? (wiesudennblus) |
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Zuletzt geändert von Dimpfelmoserer, am 15.02.2012 um 09:50 Uhr
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#5 (permalink) | |
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Aber Herr Dimpflmoserer: bei der online-Umfrage der AA kann man lesen dass 50 % der Befragten die Räuber sehr gut gefallen haben, 27 % voten mit " geht so" und nur 25 % hat es gar nicht gefallen. Liegt vielleicht daran, dass es in diesem Falle, im Gegensatz zu Preisrätseln, den Mitarbeitern und deren Angehörigen nicht untersagt ist, teilzunehmen..... Aber noch mal zur Sache: kann es sein, dass nun, wo die Subventionen aus München fließen, der Abonnent nicht mehr gar so wichtig ist? Ich bin bekennender Reinhard Mey Fan (in Maßen) und erinnere mich an eines seiner früheren Lieder aus den 70ern, das zwar nicht "Die Räuber" aber modernes Theater beschreibt. Irgendwie passt's trotzdem: "Zwei Hühner auf dem Weg nach vorgestern" - und es endet mit dem Vers: |
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#6 (permalink) | |
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auch wenn mir 50%+27%+25% (=102% ?) seltsam vorkommen ist die Rechnung doch ganz einfach: Der Intendantin hats gefallen, dem Regisseur hats gefallen, der Zeitungsredakteur fands mittelmäsig und mir hats nicht gefallen. |
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#7 (permalink) | |
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Mir aber auch net. Dann könnten evtl. bei den 50% noch Bühnenbild und Kostüme dabei sein? |
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#8 (permalink) | |
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Die Räuber.
Habe heute die Räuber mal selber angeschaut. Und ich muss mich fragen, in welchem Stück hier manche andere Kritiker wohl waren........ Also die Texte waren allesamt gut verständlich, das Stück ging wunderbar in einem Rutsch durch, auch ein paar Knaller waren drin, die für Spannung und teilweise Erheiterung sorgten. Originell waren zb. der Zombie-Auftritt der beiden Räuber, das Aufessen des Ohres..... Insgesamt ein kurzweiliger, interessanter und vor allem fesselnder Abend. Eines der besten Stücke die ich bis jetzt im Stadttheater gesehen habe. Da war der Kirschgarten Kinderkram dagegen, den grottenschlechten Scherbenhaufen, ähm, zerbrochnen Krug kann man gottseidank total darüber vergessen. Schlecht war an diesem Abend nur das Publikum, das mit Applaus geizte. |
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Zuletzt geändert von OldMike, am 26.02.2012 um 00:17 Uhr
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#9 (permalink) | |
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Das Ohr ist brückenmäßig schon von van Gogh besetzt, die Räuber mit Sturm und Drang, das Eselsohr irgendwie literarisch unsensibel, und forest mit Banause. |
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#10 (permalink) | |
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Nachtrag: Meine Tochter (16 1/2) kam soeben von der Schulaufführung. Die ganze Atmosphäre unter den Schülern sei zwischen Häme (eher die Jungs) und Ekel und Abneigung (eher die Mädels) angesiedelt gewesen. |
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Zuletzt geändert von Analphabet, am 02.03.2012 um 15:05 Uhr
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Alle Zeitangaben in MEZ. Es ist jetzt 6:40 PM Uhr.