Mittwoch, 21. Februar 2018

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Jane Bourne auf Terroristenhatz

DVD/Bluray-Tipp: Unlocked (von Michael Apted)

Ja, Michael Apted kann´s noch. Mit 76 Lenzen ist er ohnehin im besten Agenten-Thriller-Alter. John le Carré schreibt ja selbst im neunten Lebensjahrzehnt noch fesselnde Spionagegeschichten. Was die beiden verbindet, ist die Fähigkeit zu scharf akzentuierten Charakteren und zu einem eher subtilen, weil unterschwelligem Spannungsbogen. Apted musste dazu nie weit ausholen, kam meist sehr schnell auf den Punkt und lies sich dabei auch nicht von eher durchschnittlichen Drehbüchern beirren. Es ist kein Zufall, dass sein Bondfilm „Die Welt ist nicht genug“ (1999) als einziger Film der eher leichten Brosnan-Ära erkennbar Tiefgang und interessante Charakterprofile bietet, ohne dabei an Tempo und Unterhaltungswert einzubüßen. Das gilt auch für seinen ersten großen Genre-Wurf „Gorki Park“ (1983), bei dem er Martin Cruz-Smiths Romanvorlage geschickt auf ihre Stärken reduzierte.

In seinem neuesten Film sind seine Fähigkeiten gefragter denn je. Der Terrorismus-Thriller„Unlocked“ verfügt über ein sehr formelhaftes Drehbuch, das zudem an einer argen Personalfülle leidet, was zwangsläufig zu Oberflächlichkeiten führt. Hier braucht es einen erfahrenen Schauspiel-Dirigenten, der seinem Cast die wenigen Möglichkeiten zur Akzentuierung nicht verbaut. Wohl dem, der dazu auf Urgesteine wie John Malkovich und Michael Douglas zurückgreifen kann, die als CIA-Alphamännchen aus recht wenig Screentime eine Menge herausholen. Das schafft inzwischen auch Orlando Bloom, der sich längst von seinem Teenieschwarm-Image frei gespielt hat. Als zwielichtiger Ex-Elitesoldat muss er allerdings für einen der schlechteren Skript-Einfälle herhalten.  

Die Hauptlast der etwas gehetzten und nicht vollends schlüssigen Erzählung hat ohnehin die Protagonistin zu tragen, ein Glück, dass dafür Noomi Rapace (Millenium-Trilogie) verpflichtet wurde. Die Schwedin verfügt über eine gleichermaßen interessante wie bedrohliche Aura, kann simultan knallhart wie verletzlich wirken und ist damit jemand dem man immer mit einer gewissen Faszination zusieht. Als gefallene CIA-Profilerin gerät sie auf dem Londoner Abstellgleis unversehens in ein Anschlagsszenario mit Biowaffen und weiß bald nicht mehr, wem sie eigentlich noch trauen kann.

Apted inszeniert dieses klassische Agenten Katz-und-Maus-Spiel gewohnt souverän, profitiert dabei aber nicht nur von seinem spielfreudigen Ensemble - allen voran der charismatischen Rapace -, sondern v.a. auch von einer Reihe cleverer Twists. Wird es doch einmal ein wenig zu vorhersehbar, drückt er flugs aufs Tempo- und Action-Pedal. Eine nicht ganz so deutliche Jane Bourne-Attitüde und ein realistischerer Motivations-Hintergrund auf Seiten der Schurken hätten allerdings nicht geschadet. Immerhin gibt es eine Reihe prominent platzierter London-Shots zu bewundern, die recht geschickt den Hauptdrehort Prag kaschieren.

Fazit:

Formelhafter, aber sehr souverän inszenierter Spionagethriller von Altmeister Michael Apted. Noomi Rapace glänzt in der Hauptrolle als weiblicher Jason Bourne und wird dabei tatkräftig von Michael Douglas und John Malcovich unterstützt. Das hinsichtlich Plausibilität und Realismus nicht immer sattelfeste Skript wird durch eine gehörige Portion T(empo)N(oomi)T(wists) im Sattel gehalten.

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Das Kino ist längst nicht mehr der einzige Ort um neue Filme zu genießen, aber immer noch der beste. Unmittelbarer, intensiver und exklusiver ist nach wie vor kein Filmerlebniss. Fundierte und hoffentlich dennoch unterhaltsame Reviews zu aktuellen Kinofilmen abseits der Legionen schnell reingetippter Eindrücke sind das Ziel. Und wenn es nur für die Motivation reicht mal wieder die Couch gegen den Kinosessel einzutauschen, dann hat es sich schon gelohnt. Bei Lust und Laune, oder auch besonderen Anlässen, wird auch mal der ein oder andere Klassiker auseinander genommen, das ein oder andere popkulturelle Phänomen seziert sowie sich den neuesten Entwicklungen in Tinseltown und Konsorten gewidmet.

von marcus Lachmund
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