Dienstag, 20. Februar 2018

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Merry Christmas, Mel!

Im Kino: "Daddy´s Home 2" (von Sean Anders)

Manchmal ist es einfach schön, einen alten Bekannten wieder zu sehen, zumal wenn der sich jahrelang rar gemacht hat. Das gilt insbesondere auch für lieb gewonnene Darsteller, vor allem wenn man sich in ihrer Gegenwart immer bestens unterhalten hat. Mel Gibson ist ein solch guter alter Kumpel, mit dem man zahlreiche launige Film-Abende verbracht hat. Klar, er hat sich durch allerlei Verfehlungen selbst ins Abseits geschossen, aber er gehört eben irgendwie zur Familie, da muss auch mal wieder gut sein.

Er hätte sich dazu natürlich nicht unbedingt die tiefer gelegte Kalauerkomödie „Daddy´s Home 2“ aussuchen müssen, werden einige jetzt sicher sagen. Seite an Seite mit dem Peinlichkeits-Amateur Will Ferrell? Echt jetzt? Immerhin darf er Mark Wahlbergs Erzeuger geben, was dann schon wieder deutlich besser ins Bild passt. Abgesehen davon, in einem solchen Ambiente kann man glänzen und genau das gelingt dem bösen Mel vortrefflich. In der Rolle des „Bad Dad“ ist er perfekt besetzt und nimmt dazu genüsslich sein Rüpel-Image aufs Korn. Die dünne Handlung dient dabei lediglich als Kulisse.

Im ersten Teil mussten sich die ungleichen Patchwork-Daddys Dusty (Wahlberg) und Brad (Ferrell) erst mühsam an ihr Co-Dad-Dasein mit Sara (Linda Cardellini) und den Kindern gewöhnen. Für das Sequel wird diese konfliktträchtige Konstellation einfach gedoppelt. Denn ausgerechnet über die Weihnachtsfeiertage kommen die Väter der beiden zu Besuch. Und natürlich sind die Äpfel nicht weit vom Stamm gefallen, was in diesem Fall bedeutet: Dustys Vater Kurt (Mel Gibson) ist ein wenig sensibles Alpha-Tier mit breitester Chauvie-Brust, während Brads Erzeuger Don (John Lithgow) als nah am Wasser gebauter Softie mit Körperkontakt-Manie daher kommt. Als Kurt kurzerhand ein abgelegenes Winterdomizil für die gesamte Sippe bucht, steigt das Eskalationspotential rapide an.

Naturgemäß sitzt bei Lustspielen dieser Art längst nicht jeder Punch, aber Gibson dominiert alle seiner Szenen mit seinem wölfischen Charisma, das den übrigen Cast rüde auf die Ersatzbank schubst. Es macht einfach ungemein Spaß ihm dabei zuzusehen, wie er den Waffennarren, Frauenhelden und überzeugt autoritären Erzieher in Personalunion gibt und dabei ganz offensichtlich auf profunde private Erfahrungen zurückgreifen kann. Wie zu besten Lethal Weapon-Zeiten, rollt er die Augen, fletscht die Zähne und ist die meiste Zeit auf Krawall gebürstet.John Lithgow - der ja gern den fiesen Psychopathen mimt - funktioniert dabei bestens als Antipode, was natürlich zu Lasten der eigentlichen Protagonisten Wahlberg und Ferrell geht. Das Skript lässt sie auch weitestgehend im Stich und gönnt ihnen lediglich eine kaum variierte Neuauflage ihrer Kabbeleien aus Teil eins. Ferrells ganz eigener, gern mal absurder Humor kommt kaum zur Geltung und Wahlbergs Virilität wirkt recht hölzern im direkten Vergleich mit dem deutlich schillernderen Gibson.  

Am Ende löst sich alles allzu gefällig in Wohlgefallen auf, ein für amerikanische RomComs geradezu obligatorisches Manöver, das aber dennoch irgendwie immer funktioniert. Ja, ganz richtig gelesen, RomCom. Natürlich nicht im Sinne der lange Zeit von den Julia Roberts, Meg Ryans und Sandra Bullocks geprägten Form. Die ist erwiesenermaßen tot. Nein, hier geht es um Männerfreundschaften und Vater-Sohn-Beziehungen, quasi als direktes Pendant zum zeitgleich gestarteten und verblüffend ähnlich angelegten „Bad Mums 2“. Die Mischung aus Emotion und Derbheit, unterfüttert mit ein wenig Slapstick ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber in Ermangelung komödiantischer Alternativen kann man ruhig auch da mal getrost vorbei schauen.

Zumal an Weihnachten. Einst hatten wir da „Tatsächlich Liebe“, „Während du schliefst“, oder „Harry und Sally“. Diese Wehmuts-Klassiker zielten auf Herz und Hirn. „Daddy´s Home 2“ ist dazu keine echte Alternative, zugegeben, aber er gibt sich wenigstens Mühe, diese Lücke irgendwie auszufüllen, sei es noch so oberflächlich. Dafür gibt es auf jeden Fall ein paar Sympathiepünktchen, vor allem aber für den immer noch stahlharten Vollprofi Mel Gibson. Weihnachten ist ja schließlich auch das Fest der lange nicht mehr Gesehenen. Und der Versöhnung. Passt doch.  

(6/10 Punkten)

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Über diesen Blog

Das Kino ist längst nicht mehr der einzige Ort um neue Filme zu genießen, aber immer noch der beste. Unmittelbarer, intensiver und exklusiver ist nach wie vor kein Filmerlebniss. Fundierte und hoffentlich dennoch unterhaltsame Reviews zu aktuellen Kinofilmen abseits der Legionen schnell reingetippter Eindrücke sind das Ziel. Und wenn es nur für die Motivation reicht mal wieder die Couch gegen den Kinosessel einzutauschen, dann hat es sich schon gelohnt. Bei Lust und Laune, oder auch besonderen Anlässen, wird auch mal der ein oder andere Klassiker auseinander genommen, das ein oder andere popkulturelle Phänomen seziert sowie sich den neuesten Entwicklungen in Tinseltown und Konsorten gewidmet.

von marcus Lachmund
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