Dienstag, 17. Oktober 2017

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Andreas Schwarz


leidenschaftlicher Journalist

Der Urlaub der Ernüchterungen, oder warum ich keine Wanderschuhe brauche (Teil 2)

Weil ich ja nicht über die nötige Ausrüstung verfügte, meine Familie aber unbedingt wandern wollte, blieben der Hund und ich also doch zurück in der Allgäuer Ferienwohnung mit Westerwald-Flair. Auch gut. Dann hab ich eben für ein paar Stunden meine Ruhe. Ich zog in Betracht, die ortsansässige Brauerei zu besichtigen, verwarf diesen Plan aber wieder, weil meine Familienangehörigen mit dem Auto zum Startpunkt ihrer Wanderung gefahren sind und ich folglich hätte laufen müssen. Außerdem wäre ich anschließend vermutlich sehr, sehr müde gewesen. Denn das frisch gebraute Bier muss man ja auch probieren, wenn ich richtig informiert bin. Das in der Ferienwohnung inbegriffene WLAN machte es jedenfalls möglich, dass nur ein bisschen Langeweile aufkam.

Am späten Nachmittag waren die Wanderer auch wieder da und ich freute mich auf einen gemütlichen Ausklang des Tages im Kreise meiner Lieben. Doch weit gefehlt. Denn unsere lieben Nachbarn, die zuhause nur drei Häuser von uns entfernt wohnen und die wir folglich nahezu täglich zu Gesicht bekommen, machten ebenfalls in der Region Urlaub. Zur selben Zeit an fast demselben Ort. Selbstverständlich war es daher sozusagen Pflicht, dass wir sie besuchen. Offenbar reicht es nicht, dass wir die Nachbarn sowieso ständig an der Backe haben, nein, wenn sie schon da sind, wollen wir uns auch treffen. So jedenfalls sah es der gesamte weibliche Teil meiner Familie, und der ist (mit Hund) immerhin zu viert. Ich war also überstimmt.

Es gibt nicht viel zu erzählen. Bei Nachbars war es, wie es immer ist. Die Kinder spielen miteinander, die Frauen trinken Hugo, und Sven und ich sorgen dafür, dass das Fleisch auf den Grill kommt. Wenngleich ich ein wenig neidisch auf meine Nachbarn war. Die hatten nämlich eine Ferienwohnung auf einem Bauernhof. Mit Babykatzen und neugeborenen Kälbern. Inklusive der „frischen Luft“, die es eben nur auf einem Bauernhof gibt. Auch das Panorama war atemberaubend. Auf den Berg führte eine Seilbahn, die aber für Touristen nicht zugänglich war. Mitten im Berg, also zwischen Tal und Gipfel, qualmte irgendwas. „Ein Räucherhäuschen“ vermutete eine der Hugo-Trinkerinnen. „Oder ein Backhaus“, spekulierte die andere. „Oder eine rauchende Bergziege“, versuchte ich mich einzubringen, erntete aber nur Kopfschütteln. Was es wirklich war, werde ich wohl nie erfahren, denn ich habe ja keine Wanderschuhe, um da hochzuklettern und nachzuschauen.

(M)ein Highlight war der Besuch einer Sennerei, die es im Allgäu zuhauf gibt. Wenn sie ja eines besonders gut können, die Allgäuer, dann ist das das Käsemachen. Bergkäse (jung und alt), Camembert (obwohl ich den eher in Frankreich vermutet hätte), Weichkäse, Hartkäse, Kräuterkäse, am Stück oder in Scheiben, als Aufstrich oder Fest – es ist das Eldorado für jeden Käse-Fan. Schon alleine wenn man den Laden betritt: Der Duft! So hätte es wahrscheinlich gerochen, wenn ich mir die Wanderschuhe gekauft hätte und sie nach einer 30 Kilometer langen Wanderung bei 28 Grad ausgezogen hätte. Und man darf alles probieren. Nachdem ich also im Laden die Käse-Völlerei beendet hatte, war ich stolzer Besitzer eines ganzen Käserades (Bergkäse, alt), mehrerer Weichkäse-Dreiecke (mit und ohne Kräutern), diversen Schnittkäse-Variationen und einer Flasche frischer Milch.

Von all den Eindrücken geprägt und nach einer Woche des Allgäus auch überdrüssig, ging es dann ans Packen. Es ist erstaunlich, wie man es schafft, mit mehr Gepäck abzureisen als man bei der Ankunft dabeihatte. Dass das aber auch nie jemand kalkulieren kann. Natürlich brauchen die Dinge, die im Outlet angeschafft wurden, auch ihren Platz in unserem Mittelklassewagen. Alles Stopfen und Schieben half nichts. Womöglich wäre der Hund in seiner Box unter der Last des Proviants, den die Kaufsüchtigen in ihrer grenzenlosen Gier zusammengerafft haben, zusammengebrochen. Die Lösung war, dass ein Koffer (der mit der Schmutzwäsche) mit Hermes nach Hause geschickt werden musste.

Jetzt sind wir also alle wieder zuhause angekommen. Ich bin bereits wieder urlaubsreif. Nächstes Jahr fahren wir wieder ans Meer. Da braucht man wenigstens keine Wanderschuhe. Ich denke allerdings darüber nach, einen neuen, größeren Wagen anzuschaffen. Man kann nie vorsichtig genug sein. Nachher haben die da ein Outlet…?

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