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Reise in den Weltraum

Blog zum Thema Raumfahrt von Gunter Oley

Aufblasbares Weltraummodul soll in fünf Jahren zum Mond fliegen

Hochfliegende Pläne wollen die Raumfahrtunternehmen Bigelow Aerospace und United Launch Alliance bis 2022 umsetzen. Dann soll ein aufblasbares Weltraummodul B330 in einem Orbit um den Mond platziert werden, auf den Weg dahin bringen sie Vulcan-Raketen. Sowohl Trägerrakete als auch Raumstationsmodul sind noch in Entwicklung.

Bereits in fünf Jahren soll eine Raumstation in einem niedrigen Orbit um den Mond kreisen, zunächst ist sie als Depot für Missionen zum Mond und darüber hinaus konzipiert. Das aufblasbare Weltraummodul B330 soll zunächst in einem niedrigen Erdorbit betriebsbereit gemacht werden, eine ACES-Raketenstufe bringt es dann zum Mond. Insgesamt sind dafür drei Starts der künftigen ULA-Rakete Vulcan nötig. Die amerikanischen Raumfahrtunternehmen Bigelow Aerospace und United Launch Alliance (ULA) haben am Dienstag über den Abschluss der Vereinbarung informiert, auf deren Basis sie das Projekt gemeinsam realisieren wollen.

Bislang sind weder eine Trägerrakete Vulcan, ihre Oberstufe ACES oder ein Raumstationsmodul B330 ins All gestartet. Dennoch haben Bigelow Aerospace und ULA das ehrgeizige Ziel formuliert, im Jahr 2022 mit diesen Systemen ein Monddepot in Betrieb zu nehmen. Das Modul B330 soll zusammengefaltet von einer Vulcan-Rakete in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht werden. Dort wird es auf seine tatsächliche Größe aufgeblasen und von Bigelow Aerospace für den regulären Einsatz ausgestattet. Es kann dann als eigenständige Raumstation betrieben werden, das im Inneren nutzbare Volumen entspricht etwa 30 Prozent des Innenraums der ISS. Bis Anfang der 2020er Jahre sollen zwei dieser Module startbereit sein.

Den Transport in eine niedrige Erdumlaufbahn übernimmt eine Trägerrakete Vulcan. Diese wird derzeit von der ULA entwickelt und soll bis Mitte des nächsten Jahrzehnts schrittweise die Raketenfamilien Delta-4 und Atlas-5 ablösen. Der erste Start einer Vulcan findet voraussichtlich im Jahr 2019 statt. Ebenfalls eine Neuentwicklung ist die Oberstufe Advanced Cryogenic Evolved Stage (ACES), die den Transport von B330 zum Erdtrabanten übernimmt. Eine dieser Stufen wird zunächst ebenfalls in einer Erdumlaufbahn geparkt und dort von insgesamt zwei Vulcan-ACES-Raketen mit jeweils 35 Tonnen flüssiger Treibstoffe beliefert. Ist die ACES aufgetankt, koppelt sie an B330 an und bringt das Raumstationsmodul zum Mond.

Mit dem Modul Beam führt Bigelow Aerospace derzeit auf der Raumstation ISS einen Langzeittest für seine Konstruktion aufblasbarer Raumstationsmodule durch. Ursprünglich sollte die Testphase bis zum Frühjahr 2018 dauern, doch inzwischen möchte die Nasa das Modul dauerhaft nutzen und damit zusätzlichen Stauraum auf der ISS gewinnen. Bislang wird Beam nicht für den Alltagsbetrieb genutzt, nur alle paar Wochen öffnet die ISS-Crew die Verbindungsluke und überprüft den Zustand des Moduls. Dort sind Messgeräte installiert, die unter anderem die Belastung durch kosmische Strahlung erfassen und die Veränderung des Raumklimas infolge des stetigen Wechsels zwischen Sonnenwärme und kosmischer Kälte im Erdschatten.

Bei der Entwicklung der Vulcan nutzt die ULA, ein 2006 entstandenes Gemeinschaftsunternehmen von Boeing und Lockheed Martin, zahlreiche Komponenten, die sich bei den Raketen der Typen Delta-4 und Atlas-5 bewährt haben. Die Familie der Delta-Raketen stammt von Boeing, die Atlas-Raketen wurden bei Lockheed Martin entwickelt. Wie ihre beiden Vorgänger soll die Vulcan in verschiedenen Konfigurationen starten, durch die Zahl der Zusatzbooster und Nutzlastverkleidungen unterschiedlicher Größe kann sie an die jeweilige Nutzlast angepasst werden, so dass der Kunde nur die Transportkapazität bezahlen muss, die er tatsächlich braucht.

(17. Oktober 2017, Dienstag)

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Über diese Kolumne

Der Weltraum, unendliche Weiten - sie faszinieren mich seit meiner Jugend. In ferne Galaxien sind wir Menschen bislang allerdings nur im Film gereist. Einige Hundert Menschen haben es bis in eine Erdumlaufbahn, mehr als ein Dutzend sogar bis zum Mond geschafft. Damit erkunden wir derzeit gerade mal unseren "Vorgarten", doch das ist mindestens genauso spannend. Von der Raumfahrt (und ein bisschen aus der Astronomie) erzählt dieses Blog. Hoch über unseren Köpfen ist immer etwas los.

von Gunter Oley
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