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Reise in den Weltraum

Blog zum Thema Raumfahrt von Gunter Oley

Voyager 1 zündet Manövertriebwerke nach 37 Jahren Pause

Nach mehr als 40 Jahren Flugzeit verlieren die Steuertriebwerke von Voyager 1 langsam an Leistung. Doch die Forschungssonde hat noch einen zweiten Satz Manövertriebwerke an Bord - der 37 Jahre außer Betrieb war. Nun hat die Nasa diese Motoren erfolgreich reaktiviert.

Als erste und bisher einzige von Menschen konstruierte Raumsonde hat Voyager 1 unser Sonnensystem verlassen und erforscht den interstellaren Raum. Sie ist inzwischen mehr als 20 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, es dauert aktuell 19 Stunden und 35 Minuten, bis eines ihrer Funksignale unseren Planeten erreicht - und das mit Lichtgeschwindigkeit. Manövertriebwerke sorgen mit kurzen, nur wenige Millisekunden dauernden Zündungen dafür, dass die Sendeantenne in Richtung Erde zeigt. Seit etwa drei Jahren verlieren diese Triebwerke jedoch an Leistung, es braucht mehr dieser sogenannten Puffs, um die Sonde wieder auszurichten, berichtet das Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena, Kalifornien. Dort wurden die vor 40 Jahren gestarteten Zwillingssonden Voyager 1 und Voyager 2 gebaut, bis heute wird ihre Mission vom JPL geleitet. Warum bei Voyager 1 die Triebwerke schwächeln, wissen die Ingenieure noch nicht, bei Voyager 2 ist ein solcher Leistungsverlust bislang nicht zu beobachten.

Unabhängig von der Ursachensuche befassten sie sich mit Möglichkeiten, die Missionsdauer der Raumsonde zu verlängern, und wurden bei einem zweiten Satz Manövertriebwerke fündig. Dabei handelt es sich um vier Motoren des Typs MR-103, die in der Anfangsphase der Mission zwischen 1977 und 1980 gemeinsam für mehrere Sekunden oder auch Minuten gestartet wurden. Ihre Aufgabe bestand darin, Voyager 1 für die Passage von Jupiter und Saturn und ihrer Monde zielgenau auszurichten, sodass die Raumsonde möglichst viele wissenschaftliche Daten der beiden Planeten und ihrer Satelliten sammeln konnte. Später wurden Antriebe dieses Typs, der von Aerojet Rocketdyne entwickelt wurde, unter anderem in den erfolgreichen Raumsonden Cassini und Dawn eingesetzt.

Unklar war, ob die Motoren überhaupt in der Lage sind, mit nur zehn Millisekunden langen Betriebsphasen die Raumsonde wie gewünscht im Raum auszurichten. Noch größer war die Unsicherheit, ob sie überhaupt anspringen - denn seit dem 8. November 1980 waren sie nicht mehr genutzt worden. Am vergangenen Dienstag wagten die Ingenieure des JPL den Versuch, die MR-103-Triebwerke zu zünden. Nach fast 20 Stunden Wartezeit erreichten am Mittwoch die Statussignale von Voyager 1 eine Antenne in Goldstone, Kalifornien. Diese gehört zum Deep Space Network, mit dem die Nasa ihre interplanetaren und im Fall von Voyager 1 auch ihre erste interstellare Raumsonde steuert. Das Resultat: Nach mehr als 37 Jahren Ruhezeit haben die Antriebe wie geplant funktioniert!

Nach dem erfolgreichen Test sollen die Manövertriebwerke nun die Ausrichtung der Raumsonde zur Erde übernehmen, bis ihr Treibstoff zur Neige geht. Danach sollen wieder die eigentlich dafür gedachten Steuertriebwerke so lange wie möglich die Steuerung übernehmen. Insgesamt rechnet die Nasa damit, dass sie auf diese Weise die Missionsdauer von Voyager 1 um zwei bis drei Jahre verlängern und damit weitere wertvolle wissenschaftliche Daten aus dem interstellaren Raum erhalten kann. Ursprünglich war eine Missionsdauer von vier Jahren veranschlagt, diese hat Voyager inzwischen mehr als verzehnfacht - und das Ende bleibt offen.

(02. Dezember 2017, Samstag)

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Über diese Kolumne

Der Weltraum, unendliche Weiten - sie faszinieren mich seit meiner Jugend. In ferne Galaxien sind wir Menschen bislang allerdings nur im Film gereist. Einige Hundert Menschen haben es bis in eine Erdumlaufbahn, mehr als ein Dutzend sogar bis zum Mond geschafft. Damit erkunden wir derzeit gerade mal unseren "Vorgarten", doch das ist mindestens genauso spannend. Von der Raumfahrt (und ein bisschen aus der Astronomie) erzählt dieses Blog. Hoch über unseren Köpfen ist immer etwas los.

von Gunter Oley
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