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Kann eine komplette Fußball-Mannschaft innerhalb von einer Woche seine geistige Einstellung zum Spiel komplett ändern? Diese Frage trieb wohl nicht nur die eingefleischtesten FCA-Fans in dieser Woche um.
Die Antwort lautet: sie kann.
Präsentierten sich die Augsburger Bundesliga-Profis in Freiburg in den meisten Phasen des Spiels noch als eine zwar gut organisierte, aber mutlose und ängstliche Elf ohne Selbstbewußtsein, zeigte die FCA-Elf in der SGL-Arena gegen Kaiserslautern ihr anderes Gesicht. Aggressiv, mit viel Pressing und mit breiter Brust setzten der FCA die Roten Teufel oft schon in der eigenen Hälfte unter Druck. Wieder einmal machte es richtig Spaß, dem FCA zu zusehen. Die 30 000 Zuschauer brauchten ihr Kommen wirklich nicht zu bereuen.
Kompliment auch an Trainer Jos Luhukay. Er hatte diesmal genau die richtige Taktik gegen den Gegner auf Augenhöhe gewählt. Die Frage, warum er seine Spieler nicht auch gegen Freiburg, auch ein Kellerkind wie der FCA und auch wie Kaiserslautern, von der Leine und mutig nach vorne spielen ließ, ist durchaus erlaubt. Aber auch irgendwie müßig. Freiburg ist vorbei und ein Auswärtsspiel gegen einen Gegner mit ähnlicher Kragenweite gibt es in dieser Saison nicht mehr. Der FCA muss noch in Hoffenheim, in Leverkusen, in Hannover, in Bremen, in München, in Wolfsburg und in Gladbach antreten. Dort kann der FCA sicher beim einen oder anderen Spiel punkten, aber wohl nicht im Hurra-Stil.
Zurück zum Samstag. Kaiserslautern machte Fehler - solange der FCA das Tempo hochhielt und der FCA machte Fehler, wenn die eigene Konzentration nachließ. So ging es rauf und runter. 90 Minuten Dramatik und beste Unterhaltung. Leider nicht mit dem richtigen Ergebnis für den FCA. Das Unentschieden war am Ende aber schon irgendwie gerecht, und wer solche Chancen vergibt, darf sich nicht beschweren.
Es war zum Haare ausraufen, was Tobias Werner und auch Sascha Mölders für Chancen vergaben. Und da war nicht nur Pech dabei, sondern auch eine gehörige Portion Unvermögen. Ein Fußball-Profi, der Bundesliga spielen will, muss solche Chancen nützen. Aber andererseits, wer macht keine Fehler?
Trotzdem, gerade ein Stürmer wird an seinen Toren gemessen. Und da muss man sagen: Geld schießt doch Tore. Im Endeffekt ist es egal, wie ein Mario Gomez durch das Spiel stolpert, wenn er trifft und Bayern gewinnt, hat er alles richtig gemacht.
Man darf gespannt sein, wie Jos Luhukay die Personalie Sascha Mölders behandelt. Zumal mit Stephan Hain eine durchaus überlegenswerte Alternative bereit steht. Allerdings war Hain lange verletzt und in der defensiven Ausrichtung des Ein-Stürmer-Systems hat Mölders gegenüber Hain sicherlich Vorteile.
Für Tobias Werner gibt es auf der linken Außenbahn derzeit keine Alternative, so lange Axel Bellinghausen noch nicht spielbereit ist. Werner macht seine Sache ja an sich ganz gut und wenn er jetzt auch noch seine Chancen nützen würde, würde er sicherlich nicht beim FCA spielen.
Bei den Namen Axel Bellinghausen kommt mir auch die neueste FCA-Verpflichtung in den Sinn: Matthias Ostrzolek (21) vom VfL Bochum. Jetzt ist der U21-Nationalspieler aus dem Ruhrgebiet nicht gerade der Transfer, den sich die FCA-Fans auch nach den letzten Äußerungen der FCA-Verantwortlichen erwartet hätten. Denn das Anforderungsprofil lautet ja: ein offensivstarker Außenbahnspieler.
Aber anscheinend schlägt ja Trainer Luhukay mit dem gelernten Außenverteidiger Ostrzolek zwei Fliegen mit einer Klappe. Er kann Werner auf der linken Außenbahn noch mehr Beine machen und er dient auch gleichzeitig als Alternative für Marcel de Jong.
Die langfristige Verpflichtung könnte auch daraufhin deuten, dass die Gefahr besteht, dass Axel Bellinghausen in der kommenden Saison nicht mehr beim FCA spielen wird. Sein Vertrag läuft aus, Gespräche hat es seiner Aussage nach noch nicht gegeben. Ostrzolek auch als Bellinghausen-Nachfolger? Es würde Sinn machen.
Der Ostrzolek- Transfer zeigt aber auch, wie schwierig das Unterfangen des FCA ist. Die Spieler, die der FCA will, müssen auch bereit sein, notfalls mit in die 2. Liga zu gehen. Und die Spieler, die dem FCA sofort weiter helfen würden, wollen gerade dies nicht. Und diese Spieler kosten auch wirklich viel Geld. Aber noch ist das Transferfenster ja nicht geschlossen. Erst nach dem 31. Januar kann man ein Fazit ziehen.
Aber zurück zum Samstag. Die 90 Minuten gegen Kaiserslautern haben auch gezeigt, dass eine offensive Ausrichtung nicht am System liegt. Wer meint, nur mit einem 4-4-2 kann man sich Chancen erarbeiten, wurde am Samstag eines besseren belehrt. Es kommt einfach darauf an, wie die Spieler ihre Rolle im System interpretieren, aber auch interpretieren dürfen.
Was aber augenfällig war, der FCA hat Riesenprobleme in der Abwehr bei Standardsituationen. Da brennt es im FCA-Strafraum oft lichterloh. Beide Treffer fielen deshalb nicht überraschend nach Freistößen. Es waren nicht die ersten Gegentore nach einem ruhenden Ball. Die Zuordnung war klar, aber weder Jan-Ingwer Callsen-Bracker noch Sascha Mölders waren an diesem Tag auf der Höhe. Wobei dem 1:1 ein klares Foul an Callsen-Bracker vorausging. Aber da war doch noch etwas kurz vor Schluss im FCA-Strafraum ...
Robert Götz
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