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Es waren rührende Momente nach dem Spiel gegen den Hamburger SV. Wie die Mannschaft des FC Augsburg sich mit einem Plakat bei den Fans bedankte. Wie jene Fans einzelne Spieler und den Trainer nach vorne riefen, um sie in Applaus einzuhüllen. Wie die Kinder der Spieler mit auf dem Rasen tollten.Es waren jene Gänsehautmomente für die die Augsburger in dieser Saison schon so oft gesorgt hatten. Es waren Momente, die glauben lassen wollten, dass der FC Augsburg noch ist, was er nicht mehr ist: eine große Familie.
Walther Seinsch war es, der seine ambitionierten sportlichen Ziele mit der Maxime eines ehrlichen, anständigen Miteinanders verband.
Walther Seinsch, der Vaters des Augsburger Fußballwunders, hat mit seiner Maxime gebrochen. Er hat für einen Trainerwechsel gesorgt, wie ihn die Bundesliga selten erlebt hat.
Als er auf der Pressekonferenz den Abschied von Jos Luhukay bekannt gab, würdigte er seinen (ehemaligen) Erfolgscoach keines Blickes. Er mochte die Wertschätzung für Jos Luhukay noch so betonen, es waren hohle Phrasen.
Seinsch und Luhukay kamen nicht mehr gut miteinander aus.Seinsch passte nicht, dass er von Luhukay für seine "Straßenköter"-Bemerkung gegenüber Michael Thurk dezent kritisiert wurde. Mit Manfred Paula installierte er einen Manager ohne dass die Personalie mit Luhukay abgestimmt worden wäre. Paula sichtete Spieler ohne sich mit Luhukay abzustimmen. Seinsch hätte Paula zurückpfeifen können, ihn zur Zusammenarbeit mit dem Trainer auffordern können. Er tat es nicht.
Es war just jener Zeitraum Ende März, den Luhukay als Ausganngspunkt für seine Überlegungen, den Verein zu verlassen, angibt. Seinsch und Paula machten Luhukay deutlich, dass man nicht mit ihm plant.
Ausgerechnet Seinsch, der gerne als wandelndes Gewissen auftritt, trat seine Maxime mit Füßen. Wer aber ein guter Patriarch sein will, handelt besonnen, nimmt sich selbst nicht so wichtig, lässt sich beraten - und auch einmal umstimmen. Seinsch nicht.
Der FCA hat sich in seiner ersten Erstligasaison viele Sympathien erspielt. Durch die Art wie Fußball gespielt wurde. Weil Luhukay eine Jobgarantie von Seinsch bekam. Der FC Augsburg war der etwas andere Club.
Seinsch hat dem FCA seine Unschuld genommen. Der FC Augsburg wird in der kommenden Saison einer von 18 Bundesligisten sein. Das ist immer noch eine Leistung. Aber der FCA hätte mehr sein können: eine große Familie
- Tilmann Mehl -
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