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Viele dachten, dass der Schlüssel zum Sieg gegen den FSV Mainz 05 darin liegt, Torjäger Mohamed Zidan auszuschalten. Eventuell sogar durch Manndeckung von Hajime Hosogai.
Doch FCA-Trainer Jos Luhukay wählte nach der Analyse der Mainzer eine ganz andere Variante. Er ließ Hosogai aggressiv und offensiv gegen Edin Soto verteidigen.
Der Kolumbianer ist nämlich im 4-4-2-System von Mainz im defensiven Mittelfeld der Eröffnungsspieler. Doch durch das Pressing wurde Soto fast vollkommen aus dem Spiel genommen. Folge: die Mainzer Stürmer Allagui und Zidan wurden zwangsweise kaum am Fuß angespielt, sondern fast nur mit hohen und weiten Bällen. Doch die fanden selten ihr Ziel, da Gibril Sankoh und Sebastian Langkamp ihre Kopfballstärke eindrucksvoll unter Beweis stellten. Da die beiden Augsburger Innenverteidiger aber auch im Zweikampf am Boden derzeit kaum Fehler machen, blieben Allagui und Zidan fast wirkungslos. Sollte der FCA absteigen, werden Sankoh und vor allem Langkamp trotz laufender Verträge auf der Wunschliste einiger Bundesligisten weit oben stehen.
Nur einmal verlor die FCA-Innenverteidigung die Übersicht, nämlich beim 0:1. Doch da war der Ausgangspunkt Paul Verhaegh, der mit Choupo-Moting in der ersten Hälfte sehr viel Mühe hatte. Verhaegh verlor zweimal vor dem Gegentor das direkte Duell mit Choupo-Moting, der spielte dann in der Konfusion Doppelpass mit Zidan. Simon Jentzsch konnte zuerst noch parieren, doch Allagui staubte ab.
Noch ein Wort zu Simon Jentzsch. Der FCA-Torhüter entwickelt sich fast wie ein guter Wein. Je älter desto besser. Gegen Mainz war er wieder einmal stark auf der Linie. Das kennt man ja von Jentzsch. Doch diesmal beherrschte er auch seinen Strafraum, gerade in der zweiten Hälfte, mehr als souverän. Einzig bei seiner persönlichen Spieleröffnung ist er meines Erachtens zu oft auf Sicherheit bedacht. Er scheut es manchmal den schnellen Ball zu werfen oder den schnellen Pass zu spielen.
Was augenfällig war, Luhukay ließ gegen Mainz auch seine offensive Abteilung stark pressen. Besonders Torsten Oehrl legte ein großes Laufpensum an den Tag. Fast zwölf Kilometer war er unterwegs. Dabei wurde auch FSV-Torhüter Christian Wetklo immer wieder unter Druck gesetzt. Das verunsicherte Wetklo anscheinend so sehr, dass er des Öfteren die Bälle Richtung Tribüne streute. Auch kam er nicht so oft zu seinen weiten Abwürfen, so dass das Mainzer Konterspiel kaum statt fand.
So griff beim FCA ein Rädchen ins andere. Hajime Hosogai erledigt seit Wochen seinen Job im defensiven Mittelfeld mit Auszeichnung. Dabei ist der Japaner sich für keinen Weg zu schade und ist dabei aber keineswegs ein Grobmotoriker. Ganz im Gegenteil. Er begeht kaum Fouls und er verliert auch im Ballbesitz nicht die Übersicht. In dieser Form wird Leverkusen ihn wohl nach dieser Saison zurückbeordern.
Der Japaner hält so Daniel Baier den Rücken frei, für eine kreative Spielweise, die dem FCA mehr als gut tut. Der Edeltechniker hat fast bei jeder Spieleröffnung seinen Fuß im Spiel. Wie auch beim 1:1-Ausgleich als er Matthias Ostrzolek im richtigen Moment anspielt und der junge Außenverteidiger mit seiner Flanke Oehrl findet, der gekonnt zu Koo ablegt.
Baier ist derzeit der Dreh- und Angelpunkt im FCA-Spiel und seine Vertragsverlängerung ist ein gutes Zeichen. Denn Baier entwickelt sich zu einem Führungsspieler, weil er jetzt neben seiner Technik auch Zweikämpfstärke und Laufbereitschaft zeigt.
Zurück zu Ostrzolek. Der ist eine Bereicherung für das FCA-Spiel. Jung und unbekümmert interpretiert er seine Rolle als Linksverteidiger wesentlich offensiver als Marcel de Jong. Der verletzte Kanadier ist in der Defensive sicher stärker als Ostrzolek, doch nach vorne ist der Neu-Augsburger wertvoller.
Dies merkt man dem FCA-Spiel auch an. Zusammen mit Axel Bellinghausen bespielen sie die linke Außenbahn mit viel Elan. Immer wieder kommen sie hinter die gegnerischen Abwehrlinien und bleiben somit unberechenbar für die gegnerischen Verteidiger. Somit schaffen sie auch Freiräume für die zentralen offensiven Akteure.
Ähnlich läuft das Spiel derzeit auf der anderen Seite. Paul Verhaegh, auch wenn er gegen Mainz eine zeitlang Probleme hatte, blüht im Zusammenspiel mit Koo auf. Er traut sich endlich auch nach vorne, weil er sicher sein kann, dass Koo die Bälle auch halten kann.
Der Südkoreaner ist nicht nur wegen seinem Tor zum 1:1 ein ganz wichtiger Bestandteil im FCA-Spiel geworden. Er spielt Fußball und ist dabei einfach robuster und bissiger als Marcel Ndjeng. Ich denke, dass es im Falle des Klassenerhalts auch einfacher wäre, ihn in Augsburg zu behalten, da der VfL Wolfsburg immer noch mehr Spieler hat als Kleiderhaken in der Kabine.
Die Außenzangen des FCA kneifen in der Rückrunde also ordentlich zu. Dazu tragen auch Oehrl und auch Stephan Hain im Zentrum bei. Sie spielen Fußball, können einen Ball auch mal halten und wieder ablegen. Dass Hain auch mal ein schlechteres Spiel dabei hat, ist verständlich, muss er sich doch erst einmal an die Bundesligaluft gewöhnen. Dies kann er aber nur, wenn er spielt. Und hätte er gegen Mainz in der zweiten Hälfte den Ball quer gelegt, hätte er alles richtig gemacht. Diese Übersicht muss Hain sich schnell aneignen.
Dass alles funktioniert aber nur, weil die FCA-Spieler mit jedem Erfolgserlebnis auch selbstbewußter werden. Da klappen Spielzüge, die vor wenigen Monaten noch undenkbar waren. Der FCA wird sicher bald wieder ein Spiel verlieren, doch ich bin mir sicher, dass es keine Niederlagenserie mehr geben wird.
Noch ein Wort zu Axel Bellinghausen. Sein Freistöße waren am Samstag endlich einmal so gefährlich wie es nötig ist. Standardsituationen werden im modernen Fußball immer wichtiger. Und endlich profitierte der FCA auch einmal davon beim Siegtor durch Langkamp. Warum die FCA-Verantwortlichen Bellinghausen so lang zappeln lassen, ist nicht so einfach zu verstehen. Vielleicht wollten sie abwarten, wie er seine lange Verletzung verkraftet. Jetzt sollte man aber zu einer Einigung kommen. Es gibt sicherlich bessere Fußballer als Bellinghausen, aber Bellinghausen verkörpert die Tugenden, die den Fans oft wichtiger sind als eine unfallfreie Ballführung, nämlich Einsatz, Leidenschaft und Identifikation mit dem Verein und der Region.
Der FCA ist auf einem guten Weg. Ob er zum Klassenerhalt führt ist noch offen. Doch immer mehr zeigt jetzt in der Schlussphase der Saison aber auch Trainer Jos Luhukay seine Bundesligareife. Zuletzt fand er für jeden Gegner das richtige Konzept. Selbst die große individuelle Klasse der Dortmunder hielt er mit seiner taktischen Variante im Zaum. Luhukay ist einer der Hauptverantwortlichen des Augsburger Höhenfluges. Daraus macht der zurückhaltende Holländer kein großes Aufheben. Hoffentlich weiß dass auch die neue FCA-Führung entsprechend zu würdigen.
Robert Götz
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