Drei Spiele - zwei Punkte. Normalerweise müsste man sagen, der FC Augsburg hat einen Fehlstart hingelegt. Könnte man so sehen. Aber wenn man die Entwicklung der Spielweise des Aufsteigers näher betrachtet, sind die Fortschritte unübersehbar.
In Freiburg, man muss es so deutlich sagen, ließ der FCA fast jegliche Bundesligatauglichkeit vermissen. Der SC Freiburg war an diesem Tag als Mannschaft überlegen, aber auch jeder einzelne Breisgauer war seinem Gegenspieler in allen Belangen weit voraus. Der Matchplan von Trainer Jos Luhukay ging damals nicht auf.
Gegen Kaiserlautern sah dies schon viel besser aus. Der FCA spielte mit Herz, Leidenschaft und natürlich 30 000 Zuschauern im Rücken. In der SGL-Arena dominierte noch der Kampf, der Willen, der Einsatz das FCA-Spiel. Damit erreichte man ein 2:2. Und hätte Sascha Mölders und Tobias Werner ... aber das ist kalter Kaffee.
Was in Hoffenheim auffiel, der FCA befand sich auch spielerisch auf Augenhöhe mit dem Gegner. natürlich ist die TSG im Februar 2012 nicht mehr mit der TSG von Spätsommer 2011 zu vergleichen. Das einstige Vorzeigeprojekt des deutschen Fußballs ist derzeit ein einziger Trümmerhaufen, aber Spieler wie Marvin Compper, Ryan Babel, Sejad Salihovic oder Andreas Beck stehen eigentlich doch noch für individuelle Klasse und Spielkultur.
Doch da holt der FCA Schritt für Schritt auf. Trainer Jos Luhukay hat jetzt endlich personelle Alternativen um sein schon als zu defensiv verschrienes 4-2-3-1-System auch mit offensiven Leben und spielerischen Elementen zu füllen.
Los geht es schon in der Defensivzentrale. Was da Sebastian Langkamp zeigt, hat gehobenes Bundesliga-Niveau. Seine Daten sprechen für sich:
Er ist im Spiel Mann gegen Mann eine Klasse für sich. Er hat fast 70 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen. Seine Bilanz in der Luft ist noch besser. Fast 80 Prozent aller Kopfballduelle hat er für sich entschieden.
Aber was für die spielerische Entwicklung des FCA von enormer Bedeutung ist, über 87 Prozent seiner Pässe brachte er an den eigenen Mann.
Die Entwicklung im modernen Fußball geht immer mehr dahin, dass der entscheidende Impuls im Spielaufbau von immer weiten hinten kommt. Ein Paradebeispiel war Langkamps Vorstoß beim 1:0. Hält die Entwicklung bei Langkamp weiter so an, dann wird er bald in den Blickpunkt der Scouts der wirklich großen Vereine rücken, wenn er das nicht schon ist.
Ein Spieler mit Riesen-Potenzial auf dieser Position ist für mich auch Gibril Sankoh. Was der Niederländer zum Beispiel beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach zeigte, war hohes Niveau. Doch fast im Gegenzug kann er auch auf Bezirksliga-Maßstäbe absacken. Ein Sankoh in Hochform und ein Langkamp in seiner jetzigen Verfassung, wäre meiner Meinung nach Innenverteidiger-Duo von gutem Bundesliga-Niveau. Derzeit vertraut Luhukay da aber lieber auf die solidere Variante Jan-Ingwer Callsen-Bracker.
Für die Sicherheit in der Verteidigung beraubt sich Luhukay aber auch einer Alternative im defensiven Mittelfeld. Auf der so genannten Doppelsechs. Die gilt eigentlich als eine klar defensive Aufstellung, mit zwei Mittelfeldspielern, die sich mehr nach hinten orientieren als nach vorne. So hat Jos Luhukay seine Mannschaft in dieser Saison besonders auswärts oft agieren lassen. Aus taktischen Überlegungen, aber auch aus Personalnot.
Doch da tut sich jetzt etwas. Der Schlüssel zum Erfolg ist die sich entspannende Personalsituation. So kehrte Marcel Ndjeng auf die rechte Außenbahn zurück, was Daniel Baier wieder für andere Aufgaben verfügbar macht. Auch der südkoreanische Neuzugang Koo wird dem FCA auf den Außenbahnen zu mehr Durchschlagskraft verhelfen. Davon bin ich überzeugt. Eine Schlüsselrolle könnte für mich aber Baier spielen. Er ist der Spieler im FC-Mittelfeld, der am variabelsten einsetzbar ist. Gegen Hoffenheim spielte er im Laufe der Partie auf drei (!) Positionen. Zuerst auf der Doppel-Sechs neben Hosogai mit defensiver Ausrichtung, dann nach dem Rückstand als Spielmacher. Aber nicht als Zehner sondern als kreativer Achter. Und als dann noch Koo eingewechselt wurde, wich Baier auf die linke Außenbahn auf.
Seine größte Tat vollbrachte Baier aber in der 72. Minute, als den Eckball direkt auf den Kopf von Sebastian Langkamp zirkelte, der zum 2:2 einköpfte. Endlich hatte der FCA nach einer Standarsituation mal wieder Erfolg.
Es war nicht verwunderlich, dass diese beiden Akteure an diesem Nachmittag im Blickpunkt standen.
Robert Götz
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