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Im Fußball wird oft und gerne von Endspielen, ja sogar Schicksalspielen, geredet. Das Schicksal entscheidet sich nur äußerst selten auf einer rund 100 Meter langen Rasenfläche.
Endspiele werden dort hingegen schon ausgetragen. Wenn auch nicht in der Häufigkeit, wie es Spieler, Trainer und Medien glauben machen wollen.
Das Endspiel zeichnet prinzipiell ja aus, dass es das entscheidende Spiel ist, bei dem der Sieger eines Wettbewerbs oder Wettkampfes ermittelt wird - oder eben der Verlierer. Im Ligabetrieb hat das "Endspiel" per se also relativ selten etwas verloren. Nur in seltenen Fällen entscheidet eine einzige Partie über Abstieg oder Meisterschaft (weshalb gerne darauf verwiesen wird, dass "eine Reihe von Endspiele anstehen" - was bei genauer Betrachtung natürlich Unsinn ist).
Und jetzt, um den ganzen Vorspann ad absurdum zu führen, behaupte ich: Der FCA hat am Samstag ein Endspiel. Allerdings eines, bei dem er nur verlieren kann. Sollten die Augsburger das Spiel gegen Hertha BSC gewinnen, ist der Klassenerhalt natürlich noch nicht geschafft. Bei einer Niederlage aber - da bin ich mir sicher - steigt der FC Augsburg ab.
Natürlich würden die Verantwortlichen auch in diesem Falle sagen, dass noch nichts entschieden sei, schließlich seien ja noch elf Partien zu bestreiten.
Der Spielplan spricht mittlerweile aber gegen Augsburg. Sich immer wieder einzureden, in der Vorrunde ja auch gegen Gladbach gewonnen zu haben und gegen die Bayern gut mitgespielt zu haben, verklärt die Situation. Der FC Augsburg spielt noch gegen acht der ersten neun Mannschaften der Bundesliga. Er wird dort nicht viele Punkte holen.
So wie sich die Freiburger zuletzt präsentiert haben, holen sie garantiert noch einige Punkte. Sollten die Herthaner in Augsburg gewinnen, wären sie auch schon fünf Punkte vor dem FCA. Die Qualität der Kölner, Nürnberger und Mainzer ist höher als beim FC Augsburg. Sie wird sich durchsetzen.
Mit einem Sieg könnte man hingegen die Abstiegsplätze verlassen. Das Restprogramm wird dadurch nicht einfacher, aber man hätte eine ernsthafte Chance auf den Klassenerhalt.
Mit einer Leistung wie der in Leverkusen, wird es damit allerdings nichts. Es wurde schon oft über die schlicht fehlende Qualität der Spieler geschrieben. Dabei ist das nur zum Teil richtig. Denn für den FCA in die Waagschale geworfen wurde dann immer die Leidenschaft und der Einsatz der Akteure. Gerade so, als würden sich Kampf und spielerische Qualität ausschließen.
Die Einsatzbereitschaft ist eine wichtige Komponente der Qualität. Bei den Augsburgern wird eben verstärkt darauf geachtet, da es nicht so viele spielerische Elemente gibt, die auffällig wären.
Ich glaube, dass auch gegen Leverkusen die körperliche Einsatzbereitschaft gepasst hat. Der Körper ist das eine. Allerdings kann und muss auch der Kopf mitkämpfen. Jeder Spieler des FC Augsburg kann Pässe auf zehn Meter spielen. Jeder Augsburger kann seinen Gegenspieler bei einer Ecke bewachen. Aber auch hier gilt es zu kämpfen. Sich auf jede Situation einzustellen. Und wenn ich nicht der beste Kicker bin, muss ich mich eben bei jedem Ball über fünf Meter konzentrieren, die Kugel scharf und flach in den Fuß zu spielen. Dann muss ich mich immer wieder selbst dazu ermahnen, den Ball schnell wieder vom Fuß zu bekommen. Auch das ist Kampf. Es reicht nicht, den Gegenspieler mit Kugel über die Bande zu grätschen. Das ist auch wichtig, macht im Stadion und Fernsehen viel her - wenn ich beim anschließenden Einwurf aber verkehrt zu meinem Mann stehe, war die Aktion für die Katz. Das aber nur so als kleinen Exkurs, wie man Kampf und Leidenschaft vielleicht auch verstehen könnte.
- Tilmann Mehl -
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