Freitag, 24. März 2017

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Amseln im Garten. Vom Nisten, Brüten bis zum Füttern. Beobachtung einer Amselfamilie

Seit einigen Jahren nistet in unserem Garten ein Amselpaar. Wenn zum Zeitpunkt der Balz regnerisches Wetter herrscht, wählt das Amselmännchen immer den selben Nistplatz auf dem Pfeiler der Terrassenüberdachung. Obwohl es durch unsere Anwesenheit manchmal recht lebhaft zugeht, verlieren sie dabei gänzlich ihre Scheu. Zugegeben es ist der trockenste Platz im Garten. Bei kühlem regnerischem Wetter ist schon manches Gelege bzw. Brut, der Kälte oder Nässe, oder auch den Elstern, Greifvögel und Katzen zum Opfer gefallen. Interessant ist dabei das Verhalten der Vögel. Nachdem das Männchen den Nistplatz bestimmt hat, wird das Weibchen mit ständigen Gesang zu diesem Platz gelockt. Ist sie mit der Auswahl einverstanden, beginnt sie sofort mit dem Bau des Nestes, dass innerhalb eines Tages fertig ist. Jetzt beginnt die Eiablage, die sich bei 4-5 Eiern über eine Woche hinzieht. Die Brutzeit dauert etwa 3 Wochen. Die Fürsorge des Männchens für das Weibchen und das Gelege in diesem Zeitraum ist erstaunlich. Es übernimmt sozusagen die Wache. Dachfirst und höchster Baum bieten dabei den besten Überblick über den Garten. Bei Gefahr gibt er schrille Pfeiftöne von sich, während er sonst ein Lied nach dem anderen trällert. Wenn bei kühlem Wetter das Weibchen längere Zeit das Brüten, zur Futtersuche, nicht unterbrechen kann, wird es vom Männchen liebevoll gefüttert. Am Ende der Brutzeit kommt das Männchen häufiger zum Gelege und prüft ob sich schon etwas rührt. Beim Anflug gibt es immer die selben Pfeiftöne von sich, so als wollte es die junge Brut, die sich ja noch in den Eiern befinden, auf die anstehende Fütterung vorbereiten. Jetzt ist es soweit! Das erste Junge reckt sein Köpfchen aus dem Ei. Das Schlüpfen der Jungen erfolgt im selben Zeitraum wie bei der Eiablage. Jeden Tag reckt sich beim Füttern ein neues Köpfchen über den Nestrand. Nun beginnt für das Amselpaar die Hauptarbeit. 4-5 hungrige Hälse recken sich mit weit offenen Schnäbeln über den Nestrand und haben immer Hunger. Innerhalb 3-4 Wochen wird die Brut flügge. Da gilt es viele Hälse zu stopfen. Der Garten bietet reichlich Insekten und Würmer, sodass es nicht schwerfällt für Nachschub zu sorgen. Erstaunlich ist die Sauberkeit der Brut. Nach dem Füttern wartet das Amselpaar so lange bis die Jungen kopfüber ihr Hinterteil anheben und weißen Kot von  sich geben, der von den Alten gefressen wird. Es handelt sich wohl um sehr eiweißhaltigen Kot, der auch den Alten als Nahrung dient. Das Nest bleibt so absolut sauber. Nun beginnt das große Abenteuer! Die ersten 2 Jungen fühlen sich flügge. Sie werden unruhig, hüpfen auf den Nestrand, ziehen ständig ihre Schwungfedern durch den Schnabel und fangen an zu flattern. Dieser Prozess dauert einige Tage. Nun sind auch die anderen soweit. Lediglich der letzte bei der Eiablage fühlt sich noch nicht flügge. Es ist der so genannte Nesthocker. Die Alten haben die Fütterung reduziert, nur der Nesthocker wird weiter gefüttert. Dann ist es aber soweit! Innerhalb kurzer Zeit wagen Einer nach dem Anderen den Sprung in eine unbekannte Vogelwelt. Sie werden sofort vom Männchen in Obhut genommen, während sich das Weibchen um den Nesthocker kümmert. Weil es nun alleine ist, die anderen haben sich gegenseitig Mut gemacht, dauert die Mutprobe, der Flug aus dem Nest manchmal 1-2 Tage. Nachdem alle das Nest verlassen haben, beginnt das Leben in freier Natur. Das aber ist garnicht so einfach, es lauern viele Gefahren. Vorallem vor den Katzen müssen sich die jungen in Acht nehmen. Sie versuchen deshalb sofort sich auf höheren Ästen der Bäume zu schützen. Sie werden natürlich weitergefüttert. Nach einigen Tagen werden sie immer mutiger und verstecken sich unter den Büschen um ab und zu auf die Rasenfläche zu hüpfen. Ein besonderer Leckerbissen für die Amseln ist ein Apfel, der halbiert im Rasen ausgelegt wird. Jetzt kann man interessantes beobachten. Das Amselmännchen übernimmt die Kinderschule. Es zeigt den Jungen warum sie einen Schnabel haben und wie man damit Futter aufnimmt. Er lässt sie in Reihe und Glied aufstellen, pickt in den Apfel und füttert sie. Dabei sagt er wohl den Jungen "so wird es gemacht". Es war für uns sehr interessant über einen längeren Zeitraum die Kinderstube einer Amselfamilie studieren zu können.

Heinz Barisch

Lesen sie auch, www: Schldkröten im Garten. Augsburger Allgemeine

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