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Nachtgedanken

Strom & Propheten

Adam & Eva

„Ich lebe auf des Messers Schneide, “   grimassierte Eva, als sei ihr Gesicht beim Bleigiessen entstanden.   „Die Hölle ist hier…,“ lachte sie dann bitter und sah ihn hoffnungslos an.
Oft fühlte sich Adam von ihr   belauert. Eva kauerte in ihrem Sessel wie ein schutzbedürftiges Tier. Aber er war sicher, dass dieses „Tier“ um sich biß, wenn er Eva zu nahe kam.
Dabei konnte man nicht einmal behaupten, dass er mit seinen Komplimenten sparsam umging. Und manchmal dachte er auch: Ein paar Gläser Alkohol und Komplimente sind immer eine erfolgsversprechene Mischung. Das hatte zwar nichts   mit Zärtlichkeit zu tuen, aber auch nichts mehr mit Widerstand.
Aber irgendwann machten Eva seine Komplimente nur noch sprachlos. Denn war das nicht seine Art ihr zu sagen:
Ich bin der Mann und ich erwarte, daß du mir gefällst!
Aber, dachte Adam, Eva boykottierte schon lange unseren Alltag. Ständig griff sie die Gegenwart an, um sich für unsere Vergangenheit zu rächen.
Dabei sehnte sich Adam auch nach einer anderen Zukunft.

Aber trotzdem wollte er nicht, dass sie schwieg.
Eva gähnte und sog an ihrer Zigarette. Dabei kniff   sie   ihr Auge, als müsste sie Adam wie ein Bild scharf einstellen, damit sich ihr Blick nicht ins Nebensächliche verlor.
„Ich liebe es, wenn die Männer aus ihrem Leben erzählen, “ lächelte sie dann gelangweilt. Aber das, was sie sagte, blieb irgendwo in der Schwebe, während sie ihn taxierte, als ginge es um eine Kontaktanzeige.
„Alles Gottgegeben, was?“ stichelte sie dann abfällig. Aber Adam lachte nur unentschlossen:

„Respektiere die Götter, als ob es sie gäbe.“ Seine Stimme aber klang so müde wie er sich fühlte. Eva stellte ihr Glas ab und drückte die Zigarette aus.
„Soweit hast Du es gebracht, dass ich mich selber hasse,“ flüsterte sie lauernd und lächelt böse: „Wenn ich in den Spiegel sehe, entdecke ich nur noch den Hass in meinem Gesicht. Du hast meine Seele geplündert. Und selbst meine eigene Familie lehne ich ab, weil ich sie inzwischen mit deinen Augen sehe. Aber in den Augen deiner Eltern sollte ich mich wie eine Schwarze fühlen, die sich danach sehnte weiss zu werden. Denn deine Familie wusste für mich immer, was richtig und falsch war. Das musste ein schönes Gefühl sein,“ lachte Eva gehässig. „Aber ich wusste für mich, was richtig falsch war. Deshalb lebte ich   nur von Augenblick zu Augenblick. Und dieser Augenblick lässt sich genauso wenig festhalten wie Quecksilber.“
Eva schlug die Beine übereinander und legte mit einer kurzen Handbewegung das Knie frei. Die Rundungen unter ihrer Bluse aber blieben Adam nie verborgen.

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