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Als Prof. Kant „Viagra“ noch nicht kannte

Wenn ich Herrn Prof. Kant sah, war er eigentlich immer elegant gekleidet. Und doch sah er ungepflegt aus. Seine teuren Jacketts waren verknittert und auf seinem Kragen verteilten sich die Schuppen.
Gelegentlich musste man sich fragen, ob er wirklich seine Kleidung wechselte. Wenn ich ihn besuchte, klemmte Herr Prof. Kant hinter seinem Schreibtisch und betrachtete mich mit sachlicher Neugier:
„Das sind meine Exerzitien…,“ lächelte er dann unschlüssig, während er einen dicken Folianten zur Seite legte und mit seinem Sigelring spielte.
Prof. Kant sprach immer sehr artikuliert und gebrauchte nur Worte, die hinlänglich definiert waren. Und manchmal konnte man meinen, man sehe ihm geradezu beim Denken zu.
Gelegentlich allerdings glaubte ich in seinen Augen eine lauernde Verzweiflung zu entdecken.
Dabei war es mühsam mit ihm ins Gespräch zu kommen. Denn er war davon überzeugt, dass die Welt von einem falschen Zungenschlag beherrscht würde. Er jedoch sei ein Mann, der darauf achte, dass sich seine Emotionen und sein Intellekt nicht behinderten:
„Meine Gefühle halte ich aus dem Alltag heraus!“ - Das war sein Grundsatz. Meine Einwände jedoch konnte er nie akzeptieren. Aber das änderte sich vermutlich nach dem letzten Hausbesuch:
„Es ist mir unangenehm Sie zu rufen, “ sagte Prof. Kant zögernd und bot mir einen Platz an. „Aber heute muss ich mit ihnen reden… Kaffee?“ Ich schüttelte den Kopf. „Wie sie wissen, lebe ich allein…, “ sagte Prof. Kant und betrachtete seine Fingernägel. „ Ich bin nicht abhängig vom Beifall der Menschen…“
„Das spüren die Menschen, “ antwortete ich sachlich.
„Ja…, “ sagte Prof. Kant und sah mich hilflos an, „…wenn ich mich aber in der Liebe so anstelle, wie ich spreche…,“ lächelte er unbestimmt.
„Ich verstehe schon…, “ sagte ich und öffnete meinen Arztkoffer. Ich weiß, wann ein Gespräch zu Ende ist ohne dass es beginnt.
Und während sich Prof. Kant umständlich hinter seinem Schreibtisch hervorschraubte, füllte ich sein Rezept aus.
Seitdem freut sich dieser komplizierte Mensch über seine „animalischen Gefühle“ wie er es nennt.
Mich aber hat Prof. Kant seitdem nicht mehr nach dem:
„Warum?“ „Wieso?“ „Weshalb?“ -
gefragt. Ich finde das logisch. Da kann mir selbst Herr Kant nicht widersprechen! Ich meine den Immanuel…

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