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Die Augsburger CSU ist in einem bedauernswerten Zustand: Zerstritten, von Hass erfüllt, durch und durch intrigant. Mehr noch: Sie zeigt das hässliche Bild einer Partei im Vorwahlkampf. Denn letztlich geht es doch bei all den Querelen und Anfeindungen um nichts anderes als um die Verteilung von Posten. Um Listenplätze. Um Einfluss. Um Eitelkeiten. So etwas zerreißt jede Partei, wenn sie niemand hat, der der sie eint, der eine Vision hat, Kreativität, politisches Gespür. Die Augsburger CSU - und das ist das eigentliche Debakel - ist im Moment komplett kreativitätsfrei und weit davon entfernt, für diese Stadt und die Region so etwas wie einen Zukunftsplan zu verkörpern. Die Augsburger CSU ist ein Sauhaufen und ein bedauernswertes Gebilde gleichermaßen. Darüber könnte man schmunzeln, aber eigentlich ist es zum Heulen, weil ein solcher Zustand bremst. Er hemmt die Stadtregierung, damit uns Bürger, sogar die Opposition. Somit werden die privaten Fehden der Christsozialen zu einem echten Problem für uns alle. Wem das egal ist, kann an dieser Stelle aufhören zu lesen.
Wenn man sich allerdings nicht damit abfindet, jeden Tag neue Peinlichkeiten in der Zeitung lesen zu müssen, kommt man nicht umhin, die Schuldigen zu benennen. Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat ist Bernd Kränzle. Ein politisches Urgestein, aber weit entfernt von den Menschen. Kränzle ist einer, der auf Gesprächsanfragen nicht mal reagiert. Es ist in dieser Stadt einfacher, mit dem Ordnungsreferenten oder gar dem Oberbürgermeister zu diskutieren als mit dem Organisator der Stadtrats-CSU. Wer aber die Probleme und die Fragen der Bürger ignoriert, muss sich nicht wundern, wenn er selber irgendwann keine Beachtung mehr findet. Offensichtlich ist das jetzt soweit.
Dann natürlich Tobias Schley, für viele mittlerweile der Prototyp des machthungrigen, skrupellosen Lokalpolitikers, dem Personalien stets wichtiger sind als Sachthemen. Solche Leute laufen in Zeiten wie diesen, in denen es darum geht, Posten und Positionen zu verteilen, zu Höchstform auf. Sie taktieren, wetzen die Messer, werden unanständig. Ich mag solche Provokateure nicht, weil an ihnen allzu deutlich wird, wofür viele Politiker stehen: für sich. Dass ein solches Spiel noch immer Anhänger und gar Unterstützer hat, ist mir nur schwer vermittelbar.
Aber ein Sauhaufen besteht bekanntlich nicht nur aus zwei Personen, denn dann wäre es ein Saupaar. Kann es also nicht so sein, dass letztlich allen Verantwortlichen in der Augsburger CSU mal eine kalte Dusche gut tun würde? So richtig kalt, so, dass all die verbalen Schwerter ordentlich klein zusammen schrumpeln? Wenn ein Computer nicht mehr funktioniert, drückt man die Reset-Taste. Bei den Christsozialen empfehle ich eine Formatierung: „Wollen Sie wirklich einen echten Neuanfang in der Partei?“ Klick auf „Ja“. „Wollen Sie die alten Strukturen speichern?“ Klick auf „Nein“. „Sind Sie sich sicher, dass ein neues Betriebssystem installiert werden soll?“ Klick auf „Ja“. „Dieser Prozess dauert etwa 20 Jahre. Starten Sie das System danach neu.“
Peter Hummel
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