Freitag, 15. Dezember 2017

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Die Kolumne über das Nachtleben

Angeranzt, aber sehenswert - die Kradhalle

Ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen. Wenn ich mit dem Auto von der Sommestraße in die ehemalige Reese-Kaserne einbiege, krallen sich meine Hände immer noch fest ans Lenkrad und ich verringere die Geschwindigkeit drastisch. In dem Moment erwarte ich nach wie vor kratergroße Asphaltlöcher, die es hier viele, viele Jahre zu umfahren galt. Doch diese Straßenverhältnisse sind Vergangenheit.

Jahrelang bin ich mit meinem Roller durch die Kaserne zur Schule in die Innenstadt gefahren. Die Amerikaner zogen nach und nach ab und hinterließen erst einmal leere Gebäude und eine mitgenommene Straße. Das Bild hat sich verändert, viele neue Häuser und Wohnungen wurden dort in den ergangenen Jahren gebaut und bezogen. Doch ein paar Erinnerungsorte sind noch da. Etwa die Kradhalle, die ich am Freitagabend auf ein Konzert von Karman besuche.

Karman ist ein Verein, der sich seit 2008 die Förderung der Kultur, insbesondere der musikalischen Vielfalt in Augsburg, auf die Fahnen geschrieben hat. Sie organisieren regelmäßig Konzerte: Mal treten die Bands in der Kradhalle auf, mal in der Ballonfabrik, mal im Grandhotel. Und am 13. Mai veranstalten sie erneut ihr Karman-Festival im Annahof.


Die Kradhalle ist schon ein wenig angeranzt, alles ist etwas in die Jahre gekommen, was ich gerne mag. Für die Garderobe stehen schlichte Ständer bereit, Getränke gibt es aus ein paar Kühlschränken heraus, die hinter einem einfachen Tisch aufgestellt sind. Die Atmosphäre ist so authentisch wie die Musik, die hier gespielt wird. Handgemacht ist der Sound der polnischen Band „Bubliczki“, die Klezmer, Folk und Balkan Brass vereinen. Schlecht gelaunt sollen sie nach der langen Fahrt aus Polen in Augsburg angekommen sein. Davon ist auf der Bühne nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil.

Die Musiker reißen mit ihrem wilden Spiel von Violine, Trompete, Posaune, Saxofon, Klarinette, Akkordeon, Kontrabass und Perkussion das Publikum mit. Tanzbare Musik ist das und tanzfreudig zeigen sich die Augsburger, die teils mit den Armen rudern, teils mit energiegeladenen Schrittkombinationen durch die Halle fegen. Sogar zum Mitsingen und Mitklatschen lassen sie sich bewegen. Nein, es ist nicht das Augsburger Ratschpublikum, was seinen Weg in die Kradhalle nach Kriegshaber gefunden hat.


Auf dem Nachhauseweg fahre ich noch ganz erfüllt von der Musik durch die picobello sanierte und beleuchtete Straße, die jetzt zur Sommestraße zurückführt, und werde erst wieder in der Hessenbachstraße auf den Boden der Tatsachen gebracht. Da sind sie wieder: die kratergroßen Asphaltlöcher, für die es eigentlich einen Geländewagen braucht.

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Ausgehen in Augsburg: In dieser Stadt ist viel geboten. Miriam Zissler schreibt über Bars, Klubs, Cafés, Restaurants und mehr.

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