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Ich blätter durch das Programm des Brechtfestivals. Von vorne, nach hinten und noch einmal zurück. Und kann sie nicht finden: Wo sind die Klubs, die Bars, die schrägen und außergewöhnlichen Locations, die ein Festival in meinen Augen zu einem Festival machen? Nach wiederholtem Suchen stelle ich fest: Es gibt sie nicht. Nicht einmal bei der Langen Brecht-Nacht. Es ist noch keine Enttäuschung, es ist Verwunderung, die sich im Vorfeld bei mir breitmacht.
Und so stapfe ich am Freitag los, viel zu kalt, viel zu dünn angezogen und wünsche dieses Festival wieder in den Sommer, wo die Augsburger durch die Straßen flanieren, die Jugendlichen sich auf den Rathausplatz setzen und laue Abende genießen. Von Genuss kann auf Brechts Plärrer nicht die Rede sein. Allein vor einer Mülltonne, in der die Flammen lodern, kommt in mir keine Festivalstimmung auf. Noch bevor Schauspieler beginnen Texte vor einer Handvoll hart Gesottener vorzutragen, flüchte ich ins Stadtbad. Dort ist es das erste Mal seit Tagen wieder richtig warm, ja fast heiß wird es mir, als ich auf der Empore auf das spiegelnde Wasser blicke, die Besucher beobachte, die teilweise ihre Mützen anlassen, mit den blauen Plastikbeuteln, die die Schuhe bedecken, rascheln. Den Baal verstehe ich nicht – akustisch. Das Wasser plätschert, die Stimmen hallen – und doch ist es für mich der Höhepunkt des Abends. Eine spannende Inszenierung, in einer ungewöhnlichen Umgebung, nicht brav, nicht bieder, so wie B.B. weder das eine noch das andere war.
Nach dem Stadtbad geht es für mich wieder ins Rathaus, Dreh- und Angelpunkt dieses Festivals, das sich um Politik rankt. Warum PeterLicht ausgerechnet dort auftreten muss, bleibt mir dennoch ein Rätsel. Vielleicht weil es günstiger für die Stadt ist, schließlich muss der Obere Fletz nicht extra angemietet werden. Für die Band des Sängers reichte das Geld offensichtlich auch nicht. Und so müht sich der arme PeterLicht vor einem feierfreudigen Publikum, das mitgerissen werden will und nicht in Besinnlichkeit versinken. Das klappt nicht: Alle ratschen.
Entnervt verlasse ich nach der Hälfte wieder das Rathaus, im Unteren Fletz wird getanzt, kaum jemand bleibt stehen, jeder ist wohl wieder auf dem Weg. Aber wohin eigentlich? Denn schließlich gibt es keine Bars, Klubs oder sonstigen Veranstaltungen, die den Abend ausklingen lassen. Ein Jazzkonzert findet noch im Henry’s Coffee statt, der Lokalität, die ich das ganze Jahr nicht aufsuche. Das hat viele Gründe, nicht zuletzt der langsame Service hat mir dieses Café in prominenter Lage vor Jahren schon vergällt. Und wieder frage ich mich: Warum hier? Die Frage wird nicht beantwortet. Aber eine andere. „Wie ist denn der Jazz“, frage ich eine Bedienung, als ich hineingehe. „Nichts Außergewöhnliches“, antwortet sie und hat recht. Brav und bieder werde ich den Großteil der Langen Brechtnacht in Erinnerung behalten. Und dabei war B.B. doch gar nicht so.
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