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Nein, eine Überraschung war es nicht. Mit einer Reaktion hatte ich gerechnet, einem Anruf, mit dem das Drei Mohren seinen Unmut über meine Kolumne „Anstandsgarnele im Soßensee“ kundtun würde. Bei meinem Testessen vor drei Wochen hatte es mir nicht geschmeckt, satt war ich auch nicht geworden.
Reaktionen gehören zum täglichen Geschäft, da wird am Telefon gesäuselt, gezetert und da fällt auch schon einmal der verbale Watschnbaum.
Eine Überraschung war es dann aber doch. „Und?“, fragten mich die Kollegen zwei Tage lang, Achselzucken meinerseits. Und dann der Anruf: Das Drei Mohren wollte nicht zetern, es wollte sich bedanken. Damit hatte ich nach jahrelangen Erfahrungen – erst maulen, dann reden, wenn überhaupt – so gar nicht gerechnet. Das Drei Mohren ging noch einen Schritt weiter: Die Hotelleitung änderte gleich ihre Karte und lud mich zu einem erneuten Testessen ein.
Die Einladung ins Maximilian’s nahm ich gerne an, war gespannt, was seit meinem letzten Besuch passiert war. Eine Menge, wie sich herausstellte. War ich damals inkognito da, stand ich diesmal einem riesigen Empfangskomitee gegenüber: Hoteldirektorin Kirsten Schneider-Kohnke, Serviceleiter Ralf Cekan, Operations Manager Michael Schlüter und PR-Managerin Carola Heym nahmen mit mir am Tisch Platz und fällten nicht etwa dort den Watschnbaum, sondern sprachen offen und ehrlich von den Erfahrungen der ersten sechs Wochen.
Den Mund hatten sie sich in vielen Fällen fusselig geredet, mit Gästen, die unzufrieden waren, aber auch Lob eingesteckt. So mussten sie erklären, warum es keine Wienerle in der Bar gibt, auf der anderen Seite zeigten sich viele Gäste begeistert über die neuen Kaffeemaschinen und -bohnen. Rundum zufrieden war das Team vom Drei Mohren dennoch nicht: So werteten sie Feed-Back-Karten aus, analysierten die Kassen-Abrechnungen der Bar und des Restaurants und stellten fest, dass das der Weisheit noch nicht letzter Schluss ist.
Das könnte jetzt schon das Ende der Geschichte sein, ist es aber nicht. „Unsere Speisekarte soll sich weiterentwickeln. Das Konzept lebt“, sagten sie und änderten die Karte. Von den 36 Hauptgerichten wurde eine Vielzahl gestrichen, dafür saisonale Gerichte, wie jetzt Spargel, und Klassiker des Bistros, wie gebeizter Lachs, Rinderfilet oder Wiener Schnitzel mit aufgenommen. Mittags gibt es nun eine Salatbar. Der Augsburger wünscht sich richtige Gerichte, erfahre ich, keine Kleinigkeiten, keine leichten Nudelgeschichten, sondern Handfestes. Das kann ich gut verstehen, so ticke ich ja auch.
Die Tapas sind dagegen ein Renner und bleiben auf der Karte. 8000 haben sie in Restaurant und Bar seit der Eröffnung verkauft. Und jedes Tapas-Gericht könne auch als Hauptspeise bestellt werden – das hatte ich bei meinem ersten Besuch nicht gewusst und verzweifelt nach einer Alternative zum nicht angebotenen großen Schnitzel gesucht.
Für alle anderen Suchenden steht der Vermerk nun auf der Speisekarte. Ein Schnitzel erhielt ich als Dank für die aufrüttelnde Kolumne und ziehe meinen Hut: So viel Ehrlichkeit und Veränderungswillen sind keine Selbstverständlichkeit.
Auf der neuen Speisekarte werde ich nun immer etwas finden, denn für mich steht fest: Schnitzel gut, alles gut – zumindest vorerst. Irgendwann komme ich wieder, dann aber inkognito.
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