Sonntag, 20. August 2017

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Die Kolumne über das Nachtleben

Ein Klassentreffen in der Rockfabrik

Eigentlich war es noch viel zu früh, als ich mit meinen Freundinnen gemeinsam die Rockfabrik betrat: 21.30 Uhr – wahrlich keine Discozeit. Aber wir hatten es nicht mehr ausgehalten. DJ NT legte nach über zehn Jahren Abstinenz in der Rocke wieder auf und wir wollten nichts verpassen. Aufgeregt sei sie immer gewesen, erinnerte sich eine Freundin, als wir den Eingang passierten und am Pizzastand vorbei zur Tanzfläche gingen. Auf der Strecke habe sie sich an den Donnerstagabenden, wo früher immer DJ Jürgen NT Endres auflegte, gedacht, wer wohl alles da sein würde?


Im Jahr 2015 ist es nicht viel anders als 1995. Eigentlich war sogar alles wie immer. Wir setzten uns in das Rondell in der Mitte des Biergartens, fielen wie die Heuschrecken über die herumstehenden Pappteller voller Chips, Flips und Salzstangen her und aßen saure Apfelringe, bis uns schlecht war. Dazu gab es Radler (1,50 Euro in der Happy Hour!), herumschweifende Blicke und jede Menge alte Geschichten. Denn das ein oder andere hat sich eben doch verändert.


Etwa, dass es früher – also bevor an ein Handy geschweige denn Smartphone überhaupt gedacht werden konnte – in der Rockfabrik eine Telefonzelle gab. Je nachdem, wie der Abend verlief, rief meine Freundin ihre Eltern von dort aus um 12 oder um 2 Uhr nachts an und sie holten sie ab (aus Wehringen!). Eine Telefonzelle braucht es heute dagegen nicht mehr.


Heute gibt es das Selfie direkt von der Tanzfläche, wie wir beobachteten: Junge Besucher, die sich teilweise auf der Tanzfläche selber tanzend oder in der Gruppe fotografierten. Das waren die Stammgäste von heute, die so alt sind wie wir damals, und eben auch die Musik gerne hören. Dann waren da noch die „Alten“, die sich zu späterer Stunde mehr und mehr auf und an der Tanzfläche tummelten.


Über zwei Stunden tanzte ich am Stück. Jedes Lied, das NT auflegte, wurde von den älteren Besuchern mit strahlenden Augen und Dauergrinsen im Gesicht gefeiert: Korn, Beastie Boys, The Prodigy, The Chemical Brothers, Nirvana, Sepultura, The Smashing Pumpkins und Body Count gehörten genauso dazu wie etwa Die Fantastischen Vier. Auf der Tanzfläche, die mit ihrer Größe und Form einer kleinen Eislauffläche zu den größeren Exemplaren in Augsburg zählt, gab es zeitweise keinen Platz mehr.


Bei den kurzen Tanzpausen beobachteten wir die anderen Tänzer. Die Haare der Männer waren kürzer geworden, kaum einer trug mehr lang (was womöglich nicht nur an der wechselnden Mode lag). Alles andere war wie gehabt: Jeder wie er will, ob Kleidung oder Tanzstil – in der Rockfabrik gab und gibt es dafür keinen Kodex. Nur eine Person vermissten wir: den „Pflücker“, wie wir vor 15 Jahren einen Unbekannten nannten, der Woche für Woche in der Rocke tanzte, als ob er eine Pflanze mit beiden Händen aus der Erde reißt und über seinen Kopf hinweg in die Luft schleudert. Vielleicht kommt er ja das nächste Mal. DJ NT will jetzt wieder öfter in der Rockfabrik auflegen. Dann werden all die früheren Rocke-Gänger wieder am Start sein, bei dem Klassentreffen der besonderen Art.

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Ausgehen in Augsburg: In dieser Stadt ist viel geboten. Miriam Zissler schreibt über Bars, Klubs, Cafés, Restaurants und mehr.

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