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Das Madlen gibt es nicht mehr“, prangt in schwarzen Lettern auf der Homepage der ehemaligen Tapas-Bar in der Dominikanergasse. Das hört sich nicht nur theatralisch an, sondern auch traurig. Und das ist es: Vor allem, weil ich es nie dahin geschafft habe. Irgendwie haben sich unsere Wege nie gekreuzt und jetzt ist es zu spät. Das bleibt nicht unkommentiert. „Du warst nie im Madlen?“, fragen verschiedene Personen mit spitzer Stimme und weit aufgerissenen Augen. „Nö, aber dafür war ich schon einmal in der Brezn“, kontere ich stets, was mein Versäumnis nicht wettmacht, aber das Gespräch zumindest gezwungenermaßen in eine andere Richtung lenkt. Dennoch nehme ich sofort meine Beine in die Hand, als ich erfahre, dass Karim, der ehemalige Betreiber des Madlen, etwas Neues hat.
Nur was es ist, dafür habe ich selbst nach einer dreitägigen Bedenkzeit noch keine Schublade gefunden. Hinein geht es am Freitag kurz vor Mitternacht durch das Lavazza-Café in der Annastraße. Die Treppe führt hinauf, der Bass wummert, lautes Stimmengewirr, Jacken hängen provisorisch auf zwei Kleiderstangen im Flur. Die eine Tür führt in einen Schminkraum, der keiner mehr ist, durch die andere Tür geht es in ein größeres Zimmer, das mit rotem Licht geflutet und mit ausladenden Couchen – neudeutsch Lounge-Möbeln – voll gestellt ist.
Ich falle auf das erstbeste Polster, lehne mich zurück und betrachte die Szenerie. Wo bin ich hier? In Augsburgs neuestem Underground-Wohnzimmer, bei einer Privat-Party oder einfach in einem sehr intimen Klub, wo sich vornehmlich Madlen-Stammkunden und Freunde Karims treffen?
Ich tippe auf letzteres, bin mir aber nicht sicher. Vieles spricht auch für das Wohnzimmer: die Stehlampe kenne ich von zuhause bzw. aus einem großen schwedischen Einrichtungshaus, an den Wänden hängen Acryl-Bilder, im Hintergrund läuft Musik, die ein DJ auflegt. Und Karim springt von A nach B, will alle Wünsche seiner Gäste erfüllen. „Er hat ein richtiges Gastgeber-Gen“, sagt ein Besucher neben mir.
Meine Frage wird nicht beantwortet, irgendwie verläuft der Abend skurril. Zwei junge Männer tragen Masken, die man von der Occupy-Wall-Street-Bewegung kennt. Sie machen es, weil Fasching ist, ein Hund streunt durch das Zimmer, ein Besucher feiert Geburtstag, ein anderer zieht seine Schuhe und Socken aus und legt seine Füße auf einen Sessel. Das sollte er lieber in seinem eigenen Wohnzimmer tun.
Ich muss lachen. Vielleicht bin ich doch in einem Improvisationstheater gelandet. Jeden Freitag will Karim nun in diesem Raum über dem Lavazza für seine Gäste öffnen. Als Bar, als Party, als Klub, als was auch immer. Eigentlich egal. Karim hat seine Freude damit. Das ist doch schon mal etwas.
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