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Es ist immer das Gleiche: Während andere die Vorbereitungen für eine rauschende Ballnacht generalstabsmäßig planen, bricht bei mir das große Chaos aus. Der Opernball ist da keine Ausnahme. Zeit hätte ich genügend gehabt, aber zuerst sind es wichtige Telefonate, dann der Liveticker des FCA–Spiels und schließlich eine ausufernde Aufräumaktion, die mich von meinen Vorbereitungen abhalten.
Das Ergebnis: Es ist spät, als ich überhaupt einmal anfange, viel zu spät, und irgendwie ist bei mir zwar jetzt alles aufgeräumt, oder sagen wir besser verräumt. Das Unterkleid für mein Ballkleid – unauffindbar. Mit dem Kopf steckte ich zwischen den Klamottenstapeln tief im Inneren meines Schrankes, ziehe dreimal jedes einzelne Teil heraus, bis ich schließlich dazu übergehe, mit beiden Armen voran alles hinauszuwerfen. Schließlich finde ich es in der dafür vorgesehenen Schublade, dass es tatsächlich dort liegt, hatte ich mir wohl nicht vorstellen können. Ohrringe finde ich in der Eile dagegen gar nicht mehr. In welchem Kästchen sie auf ihren Einsatz warten, kann ich vor dem Ball nicht mehr erörtern. Es ist zu spät, die Kollegen warten.
Vollkommen fertig komme ich am Theater an, freue mich auf das Programm, dass ich erst einmal im Sitzen genießen kann. Alles passt: Eine Auswahl an mitreißenden Gesangs- und Tanzeinlagen stimmt auf einen Abend, der im Zeichen der 60er Jahre stattfindet, ein, meine Augen wollen sich an der wunderschönen Dekoration gar nicht sattsehen.
Aber genug gerastet. Meine Kollegen haben mich mit einem dicken Grinsen im Gesicht dazu auserkoren, mich in eine Tanzkarte einzutragen. Erstmals haben Frauen und Männer die Gelegenheit mit einem Tanzprofi eine Runde über das Parkett zu drehen. Widerstand ist zwecklos. Mit Leidensmiene mache ich mich also auf den Weg an die Champagnerbar. Dort warten Pagen auf die interessierten Ballgäste und es sind nicht wenige, vornehmlich Frauen, die sich um sie scharen. Die meisten Termine sind bereits vergriffen, ich kann noch zwischen 22.40 Uhr und 2.30 Uhr nachts wählen, oder es gleich mit der Quadrille probieren. Letzteres ist ausgeschlossen, ich wähle den ersten Termin und will nun alles schnell hinter mich bringen. Aber meine Angst ist unbegründet: Johann Huber, ein passionierter Tänzer von der Tanzschule Trautz & Salmen, nimmt mich zur verabredeten Zeit am Dirigentenpult in Empfang.
Der erste Tanz ist undefinierbar, viele Tanzpaare flüchten von der Tanzfläche, nur Johann Huber und ich umrunden mit einer willkürlichen Schrittfolge den Tanzbereich, während meine Kollegen am Rand stehen und grinsen. „Was soll ich machen? Was ist das überhaupt für ein Tanz?“, unterbreche ich meinen Redeschwall abrupt. „Das ist egal. Reden Sie einfach weiter“, fordert mich mein Tanzpartner auf und schiebt mich einfach weiter. Ein Wiener Walzer macht alles wieder gut. Während meine Kollegen nun ihr Glück versuchen, auf der Tanzfläche stehen und minutenlang diskutierten, mit welchem Fuß sie anfangen und in welche Richtung es dann gehen soll, schwebe ich samt Herrn Huber schon über das Parkett. Sehr schön wars. Und ich bin ihm auch gar nicht so oft auf die Füße getreten.
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