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Podolski ist, so polnisch das klingt, schon lange ein deutscher Name. Dass unser Lukas in Polen und nicht in Gelsenkirchen geboren wurde, ist eher überraschend. Sein Geburtsort ist Gliwice und hieß früher Gleiwitz, weshalb es nicht verwundert, dass seine Großeltern väterlicherseits, also die mit dem polnischen Namen, deutsche Staatsbürger waren. Mit dem Enkel als deutschem Nationalspieler schließt sich der Kreis. Klose ist ein Name, wie er deutscher nicht sein könnte. Aber auch unser Miroslav ist in Polen geboren. Denn Klose ist auch ein polnischer Name, so wie Podolski ein deutscher Name ist. In Oberschlesien sind trotz einer unglücklichen Geschichte deutsche und polnische Wurzeln eng umschlungen. Verwirrend? Mag sein. Europa war eben schon multikulturell, als es das Wort noch gar nicht gab. Heute haben wir Mesut Özil. Der ist in Gelsenkirchen geboren. Das Multikulturelle bleibt nicht, was es war. Früher ging der Witz, dass Schalke-Spieler, wenn sie in Polen antraten, bei Verwandten übernachten können. Heute können viele Gelsenkirchener (und Augsburger und Kemptener) bei türkischen Verwandten übernachten. Dass ein Deutscher Mario Gomez heißen kann, ist ein alter Hut. Gehen wir also gleich zu den beiden Boatengs als waschechte Berliner. Das ist neuer. Aber auch Afrikanisches hat sich nach und nach bei uns eingefunden. Dass der eine Boateng (Jerome) für sein Heimatland Deutschland spielt und der andere (Kevin-Prince) für sein Heimatland Ghana, tut niemandem weh (außer vielleicht Ballack). Dass beide Regenbogen-Berliner nach der WM in England spielen, ist Fußball. Cacau (gebürtig in Brasilien, Karrierestart bei Türk Gücü München), Sami Khedira (gebürtiger Stuttgarter mit tunesischem Vater), Piotr Trochowski (nochmals Polen, diesmal Pommern): Sie alle zeigen, dass Fußball ein traumhaftes Beispiel dafür sein kann, wie die Vielfalt kultureller Hintergründe zusammenwachsen kann. Aber Träume zerrinnen. Denken wir an unseren schönen, zurzeit traurigen Nachbarn Frankreich. Dort ist ein multikulturelles Fußballteam zerbrochen und steht nun als Symbol einer zerrissenen Gesellschaft da. Und bei uns ist alles in Butter? Ohne ständiges Bemühen ist gar nichts in Butter. Das gilt für die Özils und Boatengs ebenso wie für die Lahms und Schweinsteigers. So schön es ist, in Sieg und Niederlage eine so harmonisch vielfältige Mannschaft zu haben: Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist sie noch nicht. Da bleibt viel zu tun, bei den Akyüns und den Müllers.
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