Sonntag, 26. Juni 2016

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Kritik "Collapse" - Michael C. Ruppert skizziert einen dramatischen Untergang

Die industrielle Zivilisation bricht zusammen. Diese These stellt der US-Journalist Michael Ruppert in der Dokumentation „ Collapse“ auf. Ruppert stützt seine Argumentation auf die Tatsache, dass des Menschen wichtigste Resource Öl langsam vor dem Ende steht. Er spricht davon, dass der Peak des Fördervolumens schon längst überschritten ist und die Mächte der Welt diese Tatsache vor den Menschen geheim halten, um nicht das ganz große Chaos auszulösen.

Ruppert gliedert die Dokumentation in einzelne Kapitel auf und skizziert haarklein, dass jegliche Alternative keinen durchdachter Lösungsansatz für das Dilemma „Öl“ momentan bereitstellt. Er fordert einen generellen Paradigmenwechsel - weg von dem Wahnsinn, dass die Wirtschaft unendlich wachsen wird, hin zum Realismus, dass der Mensch nachhaltig mit seinen Ressourcen auf lokaler Ebene wirtschaften muss. Ruppert, der sein Leben lang ein enges Verhältnis zur US-Regierung pflegte, ist schockiert von der grenzenlosen Korruption, die seit Jahrzehnten auf dem politischen Sektor gebilligt wird, nur um den großen Konzernen ihre Gewinnmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit zu ermöglichen.

Der Enthüllungsjournalist, der einst für die DEA im Drogenkampf in South Central unterwegs war, prangert das korrupte Bankenwesen an. Er hat die Finanzkrise im Jahr 2008 vorhergesehen und erklärt, dass kein Geniestreich sondern lediglich gesunder Menschenverstand dazu nötig war. Er schürt Panik; keine Frage...

Michael C. Ruppert geht davon aus, dass wir uns auf einen Kollaps zubewegen, der sich bereits in den 70er Jahren abgezeichnet hat. Er ist sich sicher, dass der Einlagensicherungsfonds der USA vor der Insolvenz und auch die US-Notenbank vor der Pleite steht. Er setzt alles in Zusammenhang mit dem Ölpreis, der sich während der Krise entspannt hat, seit der Aufschwung jedoch greift, wieder extrem angezogen ist.

„Es muss ein Paradigmenwechsel in den Köpfen der Menschen stattfinden“, sagt Ruppert. Er spricht von einer Übergangsphase der Menschen, die im besten Fall 20 Jahre, aber auch locker 150 Jahre dauern kann. Er vergleich es stets mit dem Untergang der Titanic und einem Menschen, der Rettungsboote bauen kann. „Man wird auf der Titanic drei Arten von Menschen treffen: 1. diejenigen, die den unausweichlichen Untergang ernst nehmen, aber keine Handlungsalternativen kennen, 2. diejenigen, die es kapiert haben und so schnell wie möglich Rettungsboote bauen und 3. diejenigen, die sagen, dass die Titanic verdammt nochmal unsinkbar ist und sich erstmal einen Drink an der Bar bestellen.“

Ruppert versucht in „Collapse“ Gehör zu finden, für seine Befürchtung, dass es mit dem Individuum „Mensch“ bald zu Ende sein könnte. Er versucht, Handlungsalternativen anzubieten, versucht die Menschen dazu zu bewegen, dass sie jetzt und nicht morgen damit anfangen, sich für den Beginn des Untergangs wappnen. Er sagt, es sei zu spät, erst mittendrin anzufangen. Geld wird nichts mehr wert sein, Gold wird das einzige Zahlungsmittel werden. Auf dem Land wird es möglich sein zu überleben. Bewohner von Las Vegas oder Phoenix werden ein Problem bekommen.

Er vergleicht auch alles mit den fünf Emotionalstadien der Psychologie: 1. Leugnen, 2. Zorn, 3. Verhanden, 4. Depression, 5. Zustimmung.

Ruppert glaubt, dass sich die Menschheit in ihrem Kollektiv erst beim Übergang zur zweiten Stufe befindet, ein Großteil jedoch noch auf der ersten Stufe verharrt. Er geht davon aus, dass wir erst eine glückliche Zukunft haben werden, wenn wir die fünfte Stufe, die der Zustimmung, erreicht haben.

Fazit:

„Collapse“ ist eine schauderhafte Dokumentation über die Auswirkungen der Industrialisierung. Michael C. Ruppert ist ein US-Journalist, der sich seit Jahrzehnten mit den Krebsgeschwüren der Welt beschäftigt. Er versucht, die Menschen aus ihrer Trance zu wecken. Sicherlich polarisiert er sehr und dreht schon auf Grund seiner journalistischen Herkunft die Fakten etwas auf. Er spitzt die Geschichte zu, wie es doch so schön heißt. Ob tatsächlich der Untergang unmittelbar bevorsteht, ist fraglich.

Dennoch ist es legitim, über das Thema „Nachhaltigkeit“ in dieser Form zu sprechen, und sowohl die politische als wirtschaftliche Klasse anzuprangern. Denn auch wenn alles nur halb so schlimm ist, wie es Ruppert skizziert, dann befinden wir uns doch momentan in einer sehr brenzligen Lage. Die Welt, wie sie heute funktioniert, kann auf Dauer so nicht bestehen. Es MUSS ein Paradigmenwechsel auf breiter Front vonstatten gehen, ansonsten wird ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr überleben können.

Ruppert formuliert das sehr trefflich: „Die größte Arroganz des Menschen, wofür er jetzt den Preis bezahlt, war zu glauben, sich in Gott verwandeln und irgendwie die Gesetzte des Universums kippen und aufheben zu können.“ Für ihn haben alle Parteien ausgedient, es geht nicht mehr um Ideologien, es geht nur noch darum, wie die Menschheit überlebt. Das sind radikale Ansätze, doch sieht man einmal genau hin, welche Themen die Menschen aktuell bewegen, und welche Schwerpunkte gesetzt werden, dann stimmt einen das doch sehr nachdenklich. Ich werde mir jedenfalls zur Sicherheit einigen Natur-Samen zum Vorrat in den Keller legen. Punkte: 8 von 10

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von Sebastian_Hrabak
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