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Serienmörder sind in der Regel Personen, für die normalerweise ein Mensch mit gesundem Verstand wenig übrig haben dürfte - schon gar keine positiven Gefühle. Doch man stelle sich nur vor, es gäbe einen Serienmörder, der gleichzeitig noch Blutspezialist bei der Polizei von Miami ist. Durch seinen Beruf überführt er viele Täter von Gewaltverbrechen; eine sehr positive Eigenschaft. Durch seinen "Nebenjob" als Serienkiller zieht er gleichzeitig eine Menge Abschaum schneller aus dem Verkehr, als es die Justiz je könnte; eigentlich auch keine so schlechte Eigenschaft. Denn Dexter Morgan (Michael C. Hall) aus der gleichnamigen Showtime-Serie "Dexter" hat von seinem Vater Harry Morgan (James Remar), einem verdienten Ex-Cop, einen Code auferlegt bekommen, der ihn zum einen seine Sucht nach dem Töten ausleben lässt, zum anderen aber vom elektrischen Stuhl fern hält und gleichzeitig der allgemeinen Menschheit noch etwas "Gutes" gibt; na wenn das mal keine positive Eigenschaft ist. Oder etwa doch nicht? Diese Frage stellt sich der Zuschauer unentwegt, wenn er die momentan 49 existierenden Folgen von "Dexter", die in vier Staffeln aufgeteilt sind, anschaut. Er stellt sich immer wieder die eine Frage: Darf ich einen Serienkiller cool finden? Genau dieser Zwiespalt, der einem durch die Serie auferlegt wird, macht wohl die Genialität von "Dexter" aus. Michael C. Hall spielt einen Menschen, der in seinem Wesen völlig kühl ist, der nicht versteht, warum Menschen Gefühle haben. Er ist kalt, er fühlt sich nur am Leben, wenn er ein anderes Leben auslöscht. Und trotzdem versucht er ständig, mit den Menschen in Kontakt zu treten, sich nicht leer zu fühlen, eine Familie aufzubauen mit Rita Bennett (Julie Benz), das Verhältnis zu seiner Stiefschwester Debra Morgan (Jennifer Carpenter) zu kitten oder auch nur unter Kollegen einen netten Abend zu verbringen. Doch je mehr er versucht, am natürlichen Leben teilzunehmen, umso mehr Probleme bekommt er mit seinem dunkeln Geheimnis. Komplikationen treten auf. Die Schlinge zieht sich immer weiter zu. Doch Dexter wächst dem Zuschauer immer mehr ans Herz, man wünscht sich insgeheim, dass er nicht gefasst wird, obwohl er unzählige Menschen auf bestialische Weise ins Jenseits befördert hat, ohne auch nur die geringste Scham zu empfinden. Es ist schier paradox, aber irgendwann mutiert Dexter Morgan zum Held. Er ist nicht der Böse, er wird zu einer Art Robin Hood, auch wenn der Zuschauer - anders als seine Freunde und Kollegen in der Serie - das Gesamtbildnis Dexter Morgan von der ersten Staffel an porträtiert bekommt. "Dexter" ist eine Serie, die sowohl in den USA als auch in Deutschland (welch ein Wunder) einschlug wie eine Urgewalt. Bereits seit dem überaus schockierenden Ende der vierten Staffel warten die Fans von "Dexter" sehnsüchtig auf den Start der nächsten Episoden im September 2010. Für alle, die noch nichts von "Dexter" mitbekommen haben oder sich schon immer mal dachten, dass sie mit der Serie starten möchten, bleibt also noch genügend Zeit, die 49 Episoden nachzuholen, bis das nächste Abenteuer mit dem so grandios spielenden Michael C. Hall beginnt. Denn eines ist gewiss: Sollte man zufällig die erste Folge angefangen haben, ist man so angeekelt fasziniert, dass einen die Sucht treibt, noch eine Folge und noch eine Folge und noch eine Folge anzuschauen, bis die 49 Episoden abgespult sind und man sich - wie tausende andere Fans - dabei ertappt, auf die nächsten Folgen zu warten. Denn "Dexter" ist einfach schon allein wegen der inneren Kontroverse, die die Serie auslöst, eine der besten Fernsehunterhaltungen, die je geschaffen wurden. Punkte: 10 von 10
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