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Es fühlt sich an, als hätten sich Freunde zu einem netten Abend getroffen und würden belanglos über 99 Minuten Spielzeit miteinander wahlweise chillen oder verrückt Party machen. Doch das ist es nicht, denn „Soul Kitchen“ ist erneut ein grandios inszenierter Film aus der Feder des Multi-Talents Fatih Akin, der mit seinem Drama „Gegen die Wand“ im Jahr 2004 internationale Anerkennung errang. Mit „Soul Kitchen“, der am Mittwoch, 25. August, als DVD und Blu Ray erscheint, betätigte sich der Regisseur mal wieder auf dem Feld der süssen Komödie. Viel Herz und natürlich noch mehr Seele hat der Hamburger seinem siebten Spielfilm gegönnt, so dass am Ende ein Potpourri allerfeinster Unterhaltungskunst entstanden ist. Der Takt, den der Regisseur auflegt, ist genial. Der Zuschauer vergisst irgendwann die Welt um sich herum und taucht ein in ein Spektakel aus Musik und Schauspielkunst. Besonders Adam Bousdoukos, der die Hauptrolle Zinos Kazantsakis spielt, legt eine hervorragende Vorstellung hin. Der Co-Autor von „Soul Kitchen“, an dessen Leben der gesamte Film angelehnt ist (Bouskoukos hatte einst selbst ein Lokal in Hamburg und ist leidenschaftlicher Musiker), legt so viel Herzblut in die Rolle, als wenn es tatsächlich sein Leben wäre. Der Schauspieler, der bereits als Costa in Fatih Akins ersten Spielfilm „Kurz oder Schmerzlos“ zu sehen war, darf zurecht als Muse des Films bezeichnet werden. Doch auch Birol Ünel - Hauptdarsteller in „Gegen die Wand“ - als exzentrischer und überaus aufbrausender Gourmet-Koch Shayn Weiss spielt seinen Part in der Hommage Akins an seine Heimatstadt Hamburg überzeugend. Die Überraschung in „Soul Kitchen“ ist die unbekannte Schauspielerin Anna Bederke. Als Zinos‘ Kellnerin Lucia Faust spielt sie sich mit ihrer natürlichen Art und Schönheit in die Herzen der Zuschauer. Bei ihr wirkt die Belanglosigkeit besonders stark und man wünscht sich, mit ihr einige lange Hamburger Nächte durch die Bars und Clubs zu ziehen - auch ihre Trinkfestigkeit schon etwas Angst macht. Fast schon zum Standard-Repertoire eines Fatih-Akin-Films gehört der deutsche Superstar Moritz Bleibtreu. Der Tausendsassa spielt mit der Rolle des Illias Kazantsakis den nichtsnutzigen Bruder von Zinos, der sich mit seiner Spielsucht zwar stets in die größten Schwierigkeiten bringt, dem man aber trotz seiner Fehler nicht böse sein kann. Der liebe Ganove ist ebenfalls eine Rolle, die Bleibtreu scheinbar momentan gern zu spielen weiß. Auch bei ihm sieht es so aus, als hätte er besonders viel Soul in das Projekt gelegt. Einen alten Bekannten trifft Moritz Bleibtreu in Lucas Gregorowicz. Schon im Kultfilm „Lammbock“ von Christian Zübert und in „Solino“ (beide 2001) standen die Beiden gemeinsam vor der Kamera. Nun holte ihn Fatih Akin erneut für ihn auf die Leinwand. Als Kellner Lutz darf der Theaterschauspieler im „Soul Kitchen“ seine Kinofähigkeiten zeigen. Auch präsentiert er seine reale Band „Bad Boy Boogiez“ in Akins Film und verwandelt damit Zinos Restaurant zum Hexenkessel. Eine wunderschöne Figur macht Zinos Freundin Nadine Krüger, gespielt von Pheline Roggan. Zwar etwas unterkühlt spielt sie die Rolle der Unnahbaren, doch trotz allem schafft es Akin, dem Ex-Model eine freundliche bis sympathische Note zu verleihen. Allerdings gelingt es dem Regisseur, selbst die kleinen Nebenrollen so feinfühlig zu gestalten, dass keine Person im gesamten Film von den Leistungen der tragenden Rollen abfällt. Beziehungsweise versteht es der Meister der Erzählkunst diese möglichen Schwächen hervorragend zu kaschieren. Fazit: Mit „Soul Kitchen“ ist Fatih Akin ein Film gelungen, der viel Leichtigkeit in sich trägt. Der Stil des Hamburger Regisseurs ist wie gewohnt hervorragend. Die Erzählweise gefällt, der Plot birgt viele nette und kuriose Überraschungen und unterhält den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute. Besonders in die unbekannte Schauspielerin Anna Bederke verliebt sich der Zuschauer sofort. Ihre wunderbaren Augen lassen einen ins Träumen geraten. Wenn der Film schon „Soul Kitchen“ heißt, setzt er sich selbstverständlich unter Zugzwang. Denn man denke nur, dass ein Film über Soul einen schlechten Soundtrack aufweist. Dies ist zum Glück nicht der Fall: Fatih Akin und auch Adam Bousdoukos - wahrscheinlich auch einige andere des Casts - haben so viel Sachverstand und Gefühl, dass die Musik im Restaurant Soul Kitchen stets gefällt. Der neueste Film des Regieass Fatih Akin ist also wieder ein Volltreffer. Schon mit „Gegen die Wand“ oder auch seinem Dokumentarfilm „Crossing the Bridge“ zeigte der Hamburger seine Klasse. Mit „Soul Kitchen“ bestätigt er, dass er nicht nur im melodramatischen Genre zuhause ist. Seine Filme über die eigene Geschichte der Ausländer in Deutschland tragen natürlich mehr Schwere in sich. Wenn man jedoch bei all dem Spaß, den die Schauspieler in „Soul Kitchen“ zweifellos zeigen, etwas aufmerksam zuhört und zuschaut, zeigt einem Fatih Akin in seinem Film wieder Moral. Denn manchmal zählen Familie, Loyalität und Seele mehr, als man mit Geld auf dieser Welt kaufen kann. Punkte: 9 von 10
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