Übersicht
|
Meistgelesen
|
Bestbewertet
|
Meistkommentiert
Es ist Krieg! In Bagdad ringt die US-Army seit dem Einmarsch mit der Koalition der Willigen im Jahr 2003 täglich ums blanke Überleben. Die Terroristen versuchen mit unzähligen Selbstmord-Attentaten, die US-Truppen zu zermürben. Auch Schützen aus dem Hinterhalt sind keine Seltenheit. Aus diesem Grund beschäftigt die US-Armee Einheiten, die auf Kampfmittelräumung spezialisiert sind. Und genau diesen Jungs widmete die Regisseurin Kathryn Bigelow in ihrem Film „The Hurt Locker - Tödliches Kommando“ ihre Aufmerksamkeit. Das Ende vom Lied: der Oscar für die beste Regie und die Auszeichnung als Bester Film des Jahres 2009. Ehre, wem Ehre gebührt. Denn „The Hurt Locker“ ist kein Kriegsdrama, das der Welt die Erhabenheit der Vereinigten Staaten suggerieren soll. Bigelow wählt keinen pathetischen Ansatz. Sie konzentriert sich in ihrer Geschichte auf einen sehr kargen Erzähl-Stil, der sich auf die menschliche Sicht der Dinge spezialisiert. In zwei Stunden Spielzeit gibt die 58-Jährige Einblick in das Leben von drei Army-Soldaten, deren Arbeit es ist, im Irak Bomben zu entschärfen. Der Film beginnt mit der Sequenz einer Video-Aufnahme eines Roboters, der zu einer Bombe navigiert wird, um diese zu inspizieren. Wackelig bewegt er sich mit seiner Kamera über den steinigen Wüstenboden, vorbei an einer leeren Pepsi-Dose, bis er schließlich zum Fundort gelangt. Im Hintergrund sind Stimmen von Soldaten zu hören, die versuchen die Bevölkerung aus der Gefahrenzone zu vertreiben. Die Kamera switcht hin und her, es wirkt alles sehr angespannt, sehr aufgeregt. Man kann die Hitze spüren, unter denen die Soldaten zusätzlich zu ihrem sehr gefährlichen Job leiden müssen. Das Ende: der Tod des leitenden Offiziers. Sofort ist der Zuschauer mitten im Film, fasziniert und gefesselt. Er wird Teil des Ganzen, ihm wird von Bigelow in fantastischer Art und Weise das Leben von Soldaten im Irak vermittelt, die stets mit dem Tod konfrontiert sind. Das Leben ist für die Bombenexperten jeden Tag ein neues Glücksspiel. Sie versuchen jeden Tag, die Gefahren zu minimieren und wieder ein Spiel gegen die Bomben zu gewinnen, im Hinterkopf droht allerdings stets die Gewissheit, dass irgendwann das Glück aufgebraucht sein könnte und sie in tausend Fetzen zerlegt werden könnten. Stets müssen sie mit dieser Anspannung fertig werden. Wer ist der Freund, wer ist der Feind? Wen müssen sie erschießen, wer ist nur ein normaler Passant, ein Gaffer. Jede Sekunde zählt im Kampf ums Überleben. Und dann sind da noch die Bomben. Bigelow konzentriert sich stets aufs Wesentliche. Sie skizziert die einzelnen Missionen, ohne groß die Hintergründe zu erörtern. Sie verrät über die drei Hauptpersonen gerade so viel, dass sie greifbar werden. Eine gewisse Nähe zu den Hauptpersonen entsteht, eine Verbundenheit jedoch nicht. Viel wichtiger ist für sie aber, die drei Charaktere zu beobachten, wie sie mit der selben Situation allesamt unterschiedlich umgehen: Specialist Owen Eldrige (Brian Geraghty) hat große Probleme mit dem Thema Tod umzugehen, das für ihn allgegenwärtig ist. Er sucht sich Unterstützung bei einem Therapeuten, der ihm jedoch sein Schwarzmalen auch nicht abnehmen kann. Sergeant JT Sanborn (Anthony Mackie) versucht hingegen sein Leben durch übertriebe Sicherheit zu verlängern. Er muss jedoch erkennen, dass auch ein Leben nach den Sicherheitsvorschriften nicht garantiert, vom frühzeitigen Tod verschont zu werden. Der dritte Man im Bunde ist Sergeant First Class William James (Jeremy Renner), der nach dem Tod von Staff Sergeant Matt Thompson (Guy Pearce) als Ersatz zum Team kommt. Er ist der Adrenalin-Junkie, der seinen Job stets am äußersten Limit erledigt und damit sein Team oft zur Weißglut bringt. Er umgeht alle Vorschriften und legt sich mit jeder Bombe Auge in Auge an. Er braucht das Risiko. Doch er weiss selbst nicht, warum er - trotz Frau und Kind - jeden Tag das hohe Risiko, das sein Job sowieso schon mit sich bringt, durch seine eigenen Aktionen noch erhöht. Über 800 mal hat er den Kampf gegen die Bombe schon gewonnen. Kathryn Bigelow ist mit ihrer Sicht der Dinge ein interessanter Hinzugewinn zum Kriegsfilm-Genre geglückt. War man oft nur Zuschauer eines Kriegs-Dramas nimmt einen Bigelow über weite Strecken mit der Handkamera auf eine aufregende Wackel-Reise quer durch die Straßen von Bagdad und das Wüsten-Umland - immer mit an Bord die schaulustigen einheimischen Zuschauer. Oder sind es doch die Attentäter? Die einzige Hoffnung, die dem Zuschauer mit auf den Weg gegeben wird: Es sind nur noch 38 Tage zu überleben, bis die Ablösung vor der Tür steht und es nach Hause in die Vereinigten Staaten von Amerika geht. Doch nicht für alle Soldaten ist das Spiel so einfach, denn gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit dem Zitat des Journalisten Chris Hedges konfrontiert:
„Der Rausch des Kampfes wird oft zu einer mächtigen und tödlichen Sucht. Denn Krieg ist eine Droge.“
Am Ende des Films ist dieses Zitat nur allzu verständlich, denn dann sind es wieder 365 Tage. Punkte: 9 von 10
Beitrag
kommentieren
| bewerten: