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Der Spickelreporter liest derzeit gerne „Mamas Taxi“. Das ist ein Familien-Blog. Und dort ist plötzlich die Freundin aufgetaucht, die von ihrem Ehemann betrogen wurde. Eine dramatische Geschichte von High-Heels, Tränen und zwei Flaschen Wein. Eigentlich ist so ein Fall heutzutage ja alltäglich. Auch im Spickel kennt er das eine oder andere Beziehungsunglück. Da ist der smarte Geschäftsmann, der nach mehreren Kindern mit seiner Gattin plötzlich die Nähe einer Jüngeren suchte. Oder die freundlich-fröhliche Dame, die immer in Sorge ist, dass ihr Gatte sie nach so vielen Ehejahren doch noch verlässt, weil sie doch etwas anstrengend sein kann. Oder der Workaholic, dem gelegentlich die Frauen fortlaufen. Und nun fliegt er durch ganz Deutschland, um seine Kinder zu sehen, obwohl er doch so wenig Zeit hat. Oder die alleinerziehende Mutter, die in unglaublicher Disziplin ihr Leben und das Leben ihrer beiden Kinder organisiert. Und Patchwork-Familien – wo man hinsieht. Manchmal meint der Spickelreporter, auf den Klingelschildern in seinem Stadtteil stehen heute öfter zwei Namen als einer. Warum das so ist? Genau weiß er das natürlich nicht. Er glaubt aber, das hat mit den Überreizungen unserer Gesellschaft zu tun. Jeder hat so viele andere Interessen, dass am Ende jede Gemeinsamkeit auf der Strecke bleibt. Er glaubt, die Wissenschaftler nennen das Segmentierung. Aber es gibt sicher noch Tausende andere Gründe in unserer Speed-Dating-Gesellschaft. Was das ist? Er hat das mal im Fernsehen gesehen. Auf der einen Seite die Buben, auf der anderen die Mädchen. In der Mitte kleine Tische. Und nach zehn Minuten rutschen die Buben einen Stuhl weiter, um das nächsten Mädel kennenzulernen. Für ihn war das so eine Art Reise nach Jerusalem ohne fehlenden Stuhl. Aber wie auch immer. Als der Spickelreporter gestern im Augsburger Theater war, hat er gesehen, dass es früher auch nicht einfacher war. „Die Zauberflöte“ stand auf dem Programm. Mozarts Singspiel. Und da müssen der Prinz Tamino und sein lustiger Kumpel Papageno auch harte Prüfungen bestehen, bis sie endlich in die Arme ihrer geliebten Mädchen fallen. Auch wenn es wohl nicht ganz so anstrengend war wie Speed-Dating. Auf jeden Fall hat es ihm gefallen. Mozarts Musik und das wunderbar aufgeladene, Zauberkasten-gleiche Bühnenbild hatten es ihm angetan. Er kann das Stück jedem empfehlen. Auch betrogenen Ehefrauen. Denn in der „Zauberflöte“ sind Männer eindeutig edler als die Königin der Nacht und ihre Dienerinnen.
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