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Am 10. Mai 1941 flog Hitler‘s Stellvertreter Rudolf Heß unter Geheimhaltung nach Schottland, wo er verhaftet wurde. Der Vorfall löste heftige Debatten aus. In Deutschland mutmaßte man, Heß habe unter dem Einfluß von Astrologen gestanden, die ihn zu dem Flug veranlaßt haben könnten.
In der Folge kam es zur sogenannten „Aktion Heß“, einer Verhaftungswelle unter Astrologen. Die Gestapo brachte etliche ins KZ, wo sie ermordet wurden. Bei allen bekannten Astrologen gab es Durchsuchungen, um eventuelle Kontakte mit Rudolf Heß und weiteren Parteigrößen zu ermitteln. Auch die Bücherschränke wurden aufgerissen und die astrologische Literatur abtransportiert. Ein Gerichtsurteil begründete 1955 die Wiedergutmachung einer geraubten Büchersammlung folgendermaßen: „Die Rückerstattungsakten enthalten zahlreiche Bekundungen, die besagen, dass die nach dem Abflug von Heß gegen die Astrologen von höchsten Stellen eingeleitete Aktion eine weltanschaulich-politische war!“
Historische Archivdokumente belegen, dass der NS-Sicherheitsdienst seit 1936 systematisch Adressenlisten von Astrologen, aber auch von Theosophen, Anthroposophen usw. anlegte. Es wurden Hunderte von Namen erfaßt, ungeachtet ob sie aktive Parteimitglieder oder politisch unliebsam waren. Offenbar war man im Dritten Reich der Auffassung, dass diese propagandistisch wirken könnten. Das geht u.a. aus einem Rundschreiben an alle Gauleiter vom Mai 1941 hervor.
Betr.: „Aberglaube, Wunderglaube und Astrologie als Mittel staatsfeindlicher Propaganda“
Darin wird die „bewußte Verbreitung von Wundergeschichten, Prophezeiungen, astrologischen Zukunftsberechnungen usw.“ beklagt. Es blühe „der Handel mit Heiligenbildern, Medaillen und Amuletten zum Schutz gegen Fliegerbomben“ und „nach der Predigt eines Pfarrers vom Weltuntergang“ hätten sich „zahlreiche Frauen Kerzen und Streichhölzer gekauft, die sie vom Pfarrer weihen ließen (...) Ferner nutzen Wahrsager, Hellseher, Sterndeuter und Kartenleger immer gerade jetzt die natürliche Spannung aus, mit der die Volksgenossen die weitere politische und militärische Entwicklung erwarten.“
Die Gauleiter wurden aufgefordert „dafür zu sorgen, dass sich besonders auf dem Lande, kein Parteigenosse an der Weiterverbreitung politischer Weissagungen, konfessionellen Wunder- und Aberglaubens sowie okkulter Wundermittel beteiligt. (...) Erwiesene Urheber und systematische Verbreiter solcher politischen Weissagungen und Gerüchte sind den zuständigen Stellen staatlicher Organe zur weiteren Verfolgung bekanntzugeben.“
Die Astrologenverfolgung und ihre geheimdienstliche Beobachtung durch die Gestapo setzte sich bis zum Ende der Nazi-Herrschaft fort. (Alchima 2.2.2013)
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