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Mit der Buchdruckerkunst änderte sich auch die gesellschaftliche Rezeption der Astrologie. War sie vorher nur gehobenen Schichten, die sich die aufwendigen, ledergebundenen Prachtbände leisten konnten zugänglich, so entstanden nun massenhaft vervielfältigte, billige Holzschnitte, die weite Verbreitung fanden. Astrologische Inhalte wurden zu Medienereignissen in Form von Flugblättern.
1493 erschien in Frankreich der astrologische Almanach „Le Calendrier et Compost des bergers“, der sich wie der Titel besagt, an die Landwirtschaft richtete. Er war so erfolgreich, dass bald danach auch in Deutschland und England astrologische Almanache erschienen.
Sie enthielten Tabellen, welche die günstigen Tage für Aussaat, Ernte, das Holzfällen oder Decken des Viehs angaben. Doch auch für viele menschliche Alltagsverrichtungen wie Haareschneiden, Baden oder die Liebe gab der Almanach seine Empfehlungen. Durch massenhafte Verbreitung dieser Schriften erlangte der „günstige Zeitpunkt“ überragende Bedeutung. Dahinter stand der Wunsch, das Leben nach den natürlichen Zyklen auszurichten.
Mit der Zeit verkam dies aber zu exzessiver Bevormundung. Wenn für jede Handlung erst der Almanach befragt werden muß, wird das Prinzip des natürlichen Lebens pervertiert und der Mensch der Spontaneität beraubt. Er selbst wird entscheidungsunfähig und läßt sich diktieren, was an jedem einzelnen Tag zu tun und zu lassen ist.
Doch wie jede Übertreibung, so ging auch diese Praxis wieder zurück. Vom einstigen Almanach blieben nur die Aussaat- und Bauernkalender übrig, die sich in ihrer traditionellen Form allerdings bis ins 20. Jhd. hielten. Heute sind die Mondkalender verbreitet, die den Mondstand in den Tierkreiszeichen für jeden Tag angeben. (Alchima 19.4.2012)
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