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Wissen(schaft) existiert nicht für sich allein. Jegliches Wissen ist immer eingebettet in kollektiv geteilte Meinungen darüber, was Wahrheit und Wirklichkeit ausmacht. Manches Wissen wird lange Zeit unterdrückt, vor allem wenn es Institutionen zuwiderläuft, die den öffentlichen Diskurs kontrollieren wollen.
Nikolaus Kopernikus (1473 - 1543) gilt als Entdecker der Bewegung der Erde um die Sonne. Zuvor ging man davon aus, dass sich die Planeten und auch die Sonne um die Erde drehen. Das geozentrische Weltbild war fest im christlichen Selbstverständnis verankert. Die Erde und damit der Mensch, standen im Mittelpunkt des Alls und waren somit Sinn und Ziel göttlicher Schöpfung. Dieses Dogma wurde scharf verteidigt. So wurde 1632 Galileo Galilei vor die Inquisition zitiert, weil er für die neue Lehre des Kopernikus eingetreten war. Zweihundert Jahre später pries Goethe Kopernikus‘ Berechnungen als „die größte, erhabenste, folgenreichste Entdeckung, die je der Mensch gemacht hat, wichtiger als die gesamte Bibel“. Der kirchliche Kanon mußte schließlich angepaßt werden, denn das kopernikanische, also heliozentrische, Weltbild setzte sich erfolgreich gegen alle Widerstände durch.
Einer der Wegbereiter war Johannes Kepler, der die kopernikanischen Ideen in seiner mathematisch-astronomischen Forschung konsequent weiterführte. Gleichzeitig wies Kepler, der auch Astrologe war, darauf hin, dass die Heliozentrik für die Astrologie ohne Auswirkung ist. Er schrieb 1610 in seinem Werk Tertius interveniens, dass es die Astrologen „nichts angehet“, ob der Himmel sich um die Erde oder die Erde um die Sonne dreht. Für die Deutung sind lediglich der Aufgang der Planeten am östlichen Horizont, ihre Kulmination und ihr Untergang im Westen relevant, sowie die Aspekte, die sie zueinander bilden.
Die Veränderung des geozentrischen ins heliozentrische Weltbild widerlegte also keineswegs die Grundannahmen der Astrologie. Ein Horoskop ist kein Abbild des Sonnensystems, sondern betrachtet die Planeten einschließlich Mond und Sonne, nach wie vor vom Standpunkt des Menschen auf der Erde aus. (Alchima 13.2.2012)
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