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„In dieser Zeit war mein Spitzname „Hühnerschreck, “ lachte Eura wie über einen Witz. „Ich war spindeldürr und hatte keine roten Bäckchen. Es war schließlich die Nachkriegszeit.
Wo andere Mädchen ihre Brust haben, da sind bei dir die Knochen, sagte dann meine Mutter. Sie war immer sehr taktvoll. Du kennst sie ja.
Ich hatte ständig Probleme mit meiner verrutschten Unterwäsche. Und mein größtes Problem waren die Luftpolster in meinem BH, “ lachte Eura. „Ich weiß noch, einmal sprang ich mit meinem gut ausgestopften Busen ins Schwimmbecken. Aber kaum tauchte ich wieder auf, da war ich schon so platt wie eine Flunder. Das Hohngelächter meiner Mitschüler habe ich noch heute im Ohr.
Deswegen bewunderte ich auch immer die Jungen. Die konnten an der Ecke herumstehen und den Mädchen nachschauen. Wir Mädchen aber mussten nur wegsehen, wenn wir gut erzogen waren.
Irgendwann jedoch hörte ich auf mich wie ein Kind zu benehmen. Und immer öfter genoß ich die hungrigen Blicke der Jungen. So vergaß ich eines Sonntags einfach in die Messe zu gehen.
In dieser Zeit wurde mein Vater sehr krank. Ich weiß nicht, ob ich meinen Vater liebte. Vielleicht hatte ich auch nur Mitleid mit ihm. Er konnte sich nicht durchsetzen. Mein Vater war ein Träumer, der zuviel trank.
Ich hatte immer Angst so zu werden wie mein Vater. Jetzt bin ich so. Es ist gar nicht so schlimm.“ Eura lachte, als akzeptiere sie ihr Schicksal. „Er war ein kleiner Beamter an der Rentenstelle. Auch er war das Opfer eines Krieges. Seine Finger waren gelb von Nikotin. Er war ein Mensch, der seine Zigarette immer bis zum letzten Zug rauchte.
Die letzten Monate vor seinem Tod trank er nur noch mäßig. Schnaps vertrug er schon lange nicht mehr. Aber ohne Alkohol konnte er auch nicht leben. Und dann hatte er diesen hohlen Blick, als hauste er in einem leeren Weinfaß. Es war schrecklich. Nachts hörte ich ihn lallen. Bis er eines Morgens Blut erbrach."
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