Samstag, 18. November 2017

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Nachtgedanken

Strom & Propheten

KARUSSELL

Jeden Abend, wenn ich mich hinter meinen Schreibtisch setze, erhole ich mich. Denn der Berufsalltag mit seinen Selbstverständlichkeiten definiert die Grenzen, die auch ich nicht überschreiten darf.
Aber wenn ich dann mein weißes Schreibpapier sehe und meine Stifte, die auf mich warten, bekommt das Alphabet für mich Augen und Ohren. Und ich weiß, dieses Alphabet hat mich schon längst als den Wiederholungstäter erkannt, der immer wieder zum Ort seiner Taten zurückkehrt, um die Worte zu suchen, die er glaubt verloren zu haben.
Kurz, ich hoffe nicht, dass mich das Alphabet verrät, wenn wir alleine sind. Denn ich bin ein Einzeltäter. Und jeder weiß, die sind irgendwie aus der Bahn geraten.
Und irgendwann reiben sich auch noch die Nachbarn die Augen und fragen sich verwundert:
Wie konnte es so nur so weit kommen?
Dabei bin ich nur ein Täter mit beschränkter Haftung. Nicht einmal ein Provokateur. Aber ich suche die geheimnisvollen Kräfte von denen das Chaos lebt, das unseren Alltag beherrscht.
Und diese Selbstverständlichkeit, die vielleicht auch nur Gedankenlosigkeit ist, um das Leben des Alltages zu ertragen, erinnert mich in ihrer Lakonie an den faulen Gottesglauben mit seinem Slogan:
„Der Mensch denkt, Gott lenkt“
Aber gleichzeitig weiß ich, daß man die Probleme der Welt nicht zu konzentriert präsentieren darf, wenn man überhaupt noch einen Leser erreichen will.
Und während ich darüber nachdenke, ob die Kategorien von „gut“ und „schlecht“ nicht eher zum Rotwein passen, in dem gerade mein Herz versinkt, dreht sich mein Kopf wie ein Karussel, auf dem ich mir selber eine Nase drehe.
Und während sich das Licht meiner Schreibtischlampe immer wieder hinter dem Schatten versteckt, der mich im Spiegel aus der Dunkelheit befreit, verpflanze ich Dir hinter meinem Schreibtisch das Rotweinherz, das um meinen Hals hängt wie ein Lebkuchenherz vom Rummelplatz:
Nur für Dich!

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