Montag, 23. Oktober 2017

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Die neue Ich-kann-Schule

Wir sollten aufhören, aus Schule das Gegenteil von Schule zu machen

Am 19.Januar 2011 ist der Bauer, Sägewerker und Musikant Dieter Dorn gestorben.

"Im Allgäu lebt ein Bäuerlein, das schreibt sich Dieter Dorn, bei dem kehrn viele Leute ein, wenns wehtut hint´und vorn. So mancher kann nicht grad mehr stehn und schleicht sich krumm hinaus. A Viertelstund drauf kannst ihn sehn, da geht er grad hinaus." Das ist die erste Strophe des kleinen Dorn-Liedes, das ich vor Jahren einmal gereimt habe. Im August 2008, als wir im Bauernhofmuseum Illerbeuren mit Dieter Dorn seinen 70.Geburtstag feierten, haben wir es noch fröhlich gesungen. Im Oktober 2009 eröffnete er noch einmal mit seinem Vortrag den (7.) Deutschen Wirbelsäulen-Kongress der Dorn-Methode im Haus der Wirtschaft in Stuttgart; das wird am 8.Oktober 2011 dort anders sein. 2010 war Dorn schwer erkrankt; am 19.Januar 2011 ist er gestorben und am 22.Januar in Lautrach beerdigt worden. Seine Methode lernte ich schon vor 20 Jahren. Ihm selbst begegnete ich erstmals 1998, als ich einen großen Artikel für ein Magazin über ihn schrieb. Nach seinem Arbeitstag im Sägewerk und nach dem die fünf Kühe im Stall versorgt waren, traf man allabendlich bei ihm etwa zwei Dutzend Hilfesuchende und Lerninteressierte aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich, manchmal auch von noch weiter her. Viele Betroffene kamen mit großen Schmerzen nachdem sie oft schon lange vergeblich auf üblichen Wegen Hilfe gesucht hatten. Dennoch habe ich in keiner Praxis auch nur halb soviel herzhaftes, befreites Lachen gehört wie in der Dornschen Bauernküche. Dorn hatte Humor und praktizierte ihn. Und er hatte einen Blick für das Wesentliche. Eine alte Frau, die am Stock kam, begrüßte er: "Is dr Ma´ gstorba?" Sie wunderte sich, woher er das weiß. Er meinte: "Dir fehlt die Stütze des Lebens." Ein Mann in den 60ern, der sich vor Schmerzen kaum bewegen konnte, ging nach 10 Minuten kopfschüttelnd: "Reinkommen bin i mit Schmerzen wie d´Sau und naus spring i wie a Junger." Auf den Dorn-Kongressen habe ich als Volks- und Sonderschullehrer fast immer für die Kinder gesprochen und dazu stets auch Fälle aus Dorns Praxis berichtet. Einmal kam eine Ärztin mit ihrem 4 Monate alten "Schreibaby" über 300 km zu ihm. Er fühlte die Blockade am 6.Brustwirbel und korrigierte sie in sanfter, vorsichtiger Massage. Am 6.Brustwirbel treten die Nerven aus, über die der Magen gesteuert werden soll. Wenn die Steuerung blockiert ist, verdaut der Magen nicht richtig. Wenn das Kind dann schreit, bekommt es das Fläschchen, das wird nicht verdaut, das gibt Sodbrennen, in der Folge schreit das Kind usw. Aus diesem circulus vitiosus (Teufelskreis) befreite die einfache manuelle Wirbelkorrektur. Eine Mutter kam mit ihrem 11jährigen Sohn. Der hatte Neurodermitis am ganzen Körper. Auf die Kortisongaben des Arztes war es nicht besser sondern noch schlimmer geworden. In seiner Not versuchte der sich auch noch als Wahrsager gegenüber der Mutter: "Damit müssen Sie leben!" Dorn musste natürlich beim Abfühlen der Wirbelsäule den 9.Brustwirbel blockiert finden. Dort treten die Nerven aus, über die die Nebennieren gesteuert werden sollen, die Kortisol für die Haut produzieren. 14 Tage nachdem die Steuerung wieder funktionierte war alles ausgeheilt. So könnten wir weitermachen mit den Wirbel-Organ-Zusammenhängen. Bei jedem Wirbel treten Nerven aus, über die ein Organ oder mehr gesteuert wird. Blockiert der Wirbel durch Fehlstellung die Nervenleitung, dann funktioniert der Mensch nicht. Das Erste was man also bei welchem Gesundhitsproblem auch immer grundsätzlich anschauen oder, noch besser, abfühlen müsste, sind die Wirbel. Angesichts der Tatsache, dass wir doch alle über Anatomiekenntnisse verfügen, stellt sich die Frage: "Warum tut das keiner?" Die Methode Dorn wird ja im Gegensatz zur Medizin als "nicht wissenschaftlich" eingestuft. Der simple Hauptgrund dafür ist, dass die Wissenschaft von sich aus nicht das geringste Interesse zeigt, so erfolgreiche Methoden wie die des Dieter Dorn wissenschaftlich zu untersuchen. Dafür muss erst jemand satte fünfstellige Beträge für ihr Tätigwerden bezahlen; damit kann man sich die Wissenschaftlichkeit heute nach und nach erkaufen. Inzwischen ist die Dorn-Methode in zwei Dutzend Ländern in allen Erdteilen dankbar aufgenommen worden. Vor allem in armen Ländern wie etwa Vietnam freuen sich auch Orthopäden und Ausbilder über die Dorn-Methode. Die ist für sie eine echte, wirksame Hilfe; für Orthopädaden in wohlhabenden Ländern bedeutet sie vor allem eins: "weniger Verdienst." Trotzdem hat der Orthopäde Dr.Markus Hansen in Berlin, der Vorsitzende des Dorn-Forschungskreises, seine Praxis "auf Dorn" umgestellt. Seit 2009 gibt es den Arbeitskreis "Dorn International", der ähnlich wie "Ärzte ohne Grenzen" arbeitet. Dieter Dorns Lebenswerk ist am Wachsen. Es ist eine Medizin in der Sprache des Volkes. Zwar war nicht immer alles richtig erklärt, wie es in dieser Laienbewegung formuliert wurde, aber das hat den praktischen Erfolgen keinen Abbruch getan. Natürlich ist "die Hüfte nicht raus" und wird nicht "wieder reingemacht", dennoch wirkt die Übung zur Korrektur der Beinlängendifferenz und beseitigt manchmal schon Schmerzen. Der Anfang der Dorn-Methode ist jener Hexenschuss Dieter Dorns, der ihn zwang, Hilfe bei seinem Onkel Josef Müller, dem Schlossbauern in Lautrach zu suchen. Josef Müller ist, wie Frank Ziesing, früher Redakteur des Dorn-Forums recherchiert hat, am 2.Dezember 1981 verstorben. Zwei Monate davor suchte Dorn beim Mann der Schwester seines Vater Hilfe, also im Oktober 1981 ging es mit der Dorn-Methode los. Der Orthopädieprofessor zeigte Dorn damals die Röntgenaufnahme seiner Frau, die seit 20 Jahren an Kopfschmerzen litt. „Da sind die Querfortsätze zu lang. Die drücken auf den Nerv. Die müsste man abmeißeln.“ Hatte er ihm erklärt. Die Erklärung war natürlich falsch. Wenn die Wirbel verdreht sind, kommt das Nähere in der Perspektive größer heraus. Dieter Dorn wollte sich das zu Hause genauer ansehen. Er fühlte an der Halswirbelsäule „so harte Knubbel“. Die hielt er für die herausgerutschten Bandscheiben. Das waren aber nur geschwollene und verhärtete Muskeln als Folge des eingeklemmten Nervs und der Fehlstellung. Dorn drückte die Knubbel. Sie wurden weich und waren plötzlich verschwunden. Und das Kopfweh auch, es kehrte nicht zurück. Dass Dorn glaubte, er habe die herausgerutschten Bandscheiben wieder hineingedrückt, war natürlich ein Irrtum – der dem guten Behandlungsergebnis keinen Abbruch tat. Und wie wäre das mit dem Irrtum des Professors gewesen, wenn er die Querfortsätze abgemeißelt hätte? Nehmen wir´s mit Humor und der letzten Strophe des kleinen Dorn-Liedes: "Der Onkel Max hat Ischias und kann sich nimmer rührn. Sie fahrn ihn nei ins Krankenhaus, dort wollns gleich operiern. Die Putzfrau hat an Dorn-Kurs gmacht und sagt: „Des braucht´s doch net.“ und schiebt die Wirbel wieder grad. Da schaugt der Doktor med." "Dienen geht vor Verdienen", „Tue nur, was Du fühlst!“, „Wenn der Patient ausweicht, ist die Behandlung beendet.“, „Wichtiger als die Behandlung ist das Zeigen der Selbsthilfe-Übungen und eine solide Beratung.“ sind seine Kernsätze. Im Geiste Dieter Dorns werde ich gerne mit mehreren hundert Ausbildern und tausenden Anwendern und Therapeuten die Dorn-Methode weitergeben. Franz Josef Neffe

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5 Kommentare

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Kommentar Von f.j.neffe, 12.02.2015, 01:00 Uhr

Das Interview zur neuen Ich-kann-Schule wurde in den ersten zwei Wochen schon 5.000mal auf Youtube angeschaut: https://www.youtube.com/watch?v=D77jfMYxrMc

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Kommentar Von f.j.neffe, 19.05.2013, 23:00 Uhr

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Kommentar Von f.j.neffe, 12.02.2013, 11:56 Uhr

Immer wenn es Zeugnisse gibt, werden über die Medien die Eltern aufgerufen, die Kinder nicht zu schlagen sondern ihnen das Verständnis entgegenzubringen, das die Schule nicht hatte oder haben wollte oder nicht anbringen konnte. Bei soviel...

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Kommentar Von f.j.neffe, 19.01.2012, 16:10 Uhr

Im Allgäu lebt´ ein Bäuerlein, das schrieb sich Dieter Dorn, bei dem kehrten die Leute ein, wenns wehtat hint´ und vorn. So mancher konnt´ nicht grad mehr stehn und humpelt´ krumm ins Haus. A Viertelstund drauf konnt´st ihn sehn, da ging er grad...

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Am 5,Dezember hatte ich auch im Regional-TV das Vergnügen: http://www.rfo.de/mediathek/_Franz_Josef_Neffe:_Ich_kann_Schule-14583.html Legasthenie ist der Fachbegriff dafür, dass die zuständigen Profis das Problem nicht lösen können....

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Das Gute kann warten, das Gute hat Zeit Gott gab uns von Anfang an Stille und Heil und Frieden und Glück wohl als unsern Teil. Statt dauernd zu...

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Kommentar Von f.j.neffe, 19.10.2011, 23:15 Uhr

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Man muss jeden Tag in die Du-musst-Schule bei uns. Dort lernt man nicht Können sondern Müssen, man wird kein Könner sondern zum Super-Müsser dressiert.Die neue Ich-kann-Schule hält der Du-musst-Schule den Spiegel vor und zeigt konkrete Lösungswege auf.

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