Dienstag, 20. Februar 2018

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Luther-Von der Freiheit eines Christenmenschen

Von der Freyheith eines Christenmenschen (lateinischer Titel: De libertate christiana) ist eine der zentralen Schriften Martin Luthers. Er hat die 30 Thesen 1520 verfasst als Reaktion auf die gegen ihn gerichtete päpstliche Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“.  

Luther schreibt: Damit wir gründlich erkennen, was ein Christenmensch ist und wie es mit der Freiheit steht, die ihm Christus erworben und gegeben hat, wovon Paulus viel schreibt, stelle ich zwei Sätze auf:

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Diese zwei Sätze liegen klar bei Paulus vor: 1.Korinther Kap. 9. Ich bin frei in allen Dingen und habe mich zu jedermanns Knecht gemacht. Ebenso Römerbrief Kap.13: Ihr sollt niemand etwas schuldig sein, außer dass ihr einander liebt. Liebe aber, die ist dienstbar und untertan dem, was sie liebt. Ebenso heißt es von Christus im Brief an die Galater im Kapitel 4: Gott hat seinen Sohn gesandt, von einem Weib geboren und dem Gesetz untertan gemacht.

Um diese beiden widersprüchlichen Redeweisen von der Freiheit und der Dienstbarkeit zu verstehen, müssen wir daran denken, dass ein jeder Christenmensch von zweierlei Natur ist, von geistlicher und leiblicher. Nach der Seele wird er ein geistlicher, neuer, innerer Mensch genannt, nach Fleisch und Blut wird er ein leiblicher, alter und äußerer Mensch genannt.  

Zuerst nehmen wir uns den inwendigen, geistlichen Menschen vor, um zu sehen, was dazu gehört, dass er ein rechter, freier Christenmensch sei und heiße. Hier ist es offensichtlich, dass kein äußerliches Ding ihn frei und recht machen kann, wie immer es heißen möge.
Denn sein Rechtsein und seine Freiheit, wie umgekehrt auch seine Bosheit und seine Gefangenschaft, sind nicht leiblich noch äußerlich. Was hilft es der Seele, dass der Leib nicht gefangen, frisch und gesund ist, isst, trinkt, lebt, wie er will? Umgekehrt, was schadet es der Seele, dass der Leib gefangen, krank und matt ist, hungert, dürstet und leidet, wie er es gerade nicht freiwillig tut? Keines dieser Dinge reicht an die Seele heran, sie zu befreien oder zu fangen, recht oder schlecht zu machen. Es hat die Seele nichts anderes, weder im Himmel noch auf Erden, worin sie leben kann, recht, frei und Christ sei, als das heilige Evangelium, das Wort Gottes von Christus gepredigt.

Wie Jesus selbst in Johannes Kapitel 11 sagt: Ich bin das Leben und die Auferstehung. Wer an mich glaubt, der lebt ewiglich. Ebenso in Johannes Kapitel 17: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ebenso Matthäus Kapitel 4: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allen Worten, die aus dem Mund Gottes gehen.

Daher müssen wir nun gewiss sein, dass die Seele aller Dinge entbehren kann bis auf das Wort Gottes, und ohne Gottes Wort ist ihr durch gar nichts geholfen. Wenn sie aber das Wort hat, so braucht sie auch sonst nichts mehr, sondern sie hat an dem Wort Genüge, Speise, Freude, Friede, Licht, Erkenntnis, Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit, Freiheit und alles Gute im Überschwang. Entsprechend lesen wir im Psalter, besonders im Ps 119, dass der Prophet nach nichts sonst schreit als nach Gottes Wort. Und in der Schrift wird es für die die allerhöchste Plage und Gottes Zorn gehalten, wenn er sein Wort von den Menschen nimmt. Umgekehrt für keine größere Gnade, wenn er sein Wort hin sendet, wie in Ps 106 steht: Er hat sein Wort ausgesandt, damit hat er ihnen geholfen. Und Christus ist um keines anderen Amts willen gekommen als das Wort Gottes zu predigen. 

Die Werke machen nicht gerecht, ebensowenig wie sie gläubig machen. Aber der Glaube, gleich wie er gerecht macht, so tut er auch gute Werke. Da nun die Werke niemand gerecht machen und der Mensch zuvor gerecht sein muss, bevor er wirkt, ist es offenkundig, dass allein der Glaube aus reiner Gnade durch Christus und sein Wort die Person völlig gerecht und selig macht. Und dass kein Werk, kein Gebot einem Christen zur Seligkeit nötig sei, sondern er von allen Geboten frei ist und aus reiner Freiheit umsonst alles tut, was er tut, und nichts, womit er seinen Nutzen oder seine Seligkeit sucht – denn er ist schon zufrieden und selig durch seinen Glauben und Gottes Gnade –, sondern nur um Gott darin zu gefallen.  

Aus dem allem ergibt sich die Folgerung, dass ein Christenmensch nicht in sich selbst lebt, sondern in Christus und seinem Nächsten. In Christus durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe. Durch den Glauben fährt er über sich in Gott. Aus Gott fährt er wieder unter sich durch die Liebe und bleibt doch immer in Gott und in göttlicher Liebe. Gleich wie Christus im Johannes Kapitel 1,51 sagt: Ihr werdet den Himmel offen stehen sehen und die Engel auf- und absteigen über den Sohn des Menschen. Sieh, das ist die rechte geistliche christliche Freiheit, die das Herz frei macht von allen Sünden, Gesetzen und Geboten, welche alle andere Freiheit übertrifft wie der Himmel die Erde.
Die gebe uns Gott recht zu verstehen und zu behalten. 

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