Sonntag, 26. Mai 2013

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Ich trau mich . . .

mal sehen was dabei rauskommt.

Zur Erinnerung an eine Mutter . . . Winter 1944/45

Ein Winter der nie vergessen sein wird.

Sie war erst 26 Jahre jung, mitten im schönsten Traum ihrer noch so jungen Ehe. Zwei Kinder an ihrer Seite, geboren 1940 und 1942.

Der Traum war kurz und ging jäh zu Ende. Der geliebte Mann  im Krieg, Vater im Krieg, Bruder im Krieg, Schwager im Krieg . . .  es war der Winter 1944/45 - eisige Kälte, Chaos, Angst, dumpfes Donnern, Sirenengeheul, Luftschutzbunker . . .

"aufwachen, anziehen, wir müssen hier weg, hört ihr nicht die Sirenen, schnell " . . . und sie packt sich den Rucksack mit dem Nötigsten auf ihren Rücken, zieht ihre beiden Kinder besonders dick an, bindet sie rechts und links an ihren Rucksack - und los geht es . . .

Bitterkalte Nacht, starker Schneefall, eisiger Wind, Menschen - viele Menschen und immer wieder das Heulen der Sirenen. Die dunkle Schlange Mensch bewegt sich im dichten Schneetreiben nur in eine Richtung - weg von der Stadt, nach Westen und das so schnell wie möglich. Manche ziehen Rodelschlitten, andere Handwagen mit Kindern und Gepäck, alten Menschen und Kranke, mit Pferd und Wagen auf vereisten Straßen - eine endlose Schlange . . . eine Stadt im Aufbruch. Der Feind steht vor der Tür . . .

Nicht weinen, für Gefühle ist keine Zeit . . . und für Angst??? Keine Zeit . . . die Straße nimmt kein Ende und rechts und links liegt das Elend - tote Menschen, tote Pferde, tote Hunde und Schafe, umgestürzte Pferdewagen, verlassene Leiterwagen . . . die Flucht über das Frische Haff und die Nehrung - das Eis ist brüchig - die Frauen müssen es alleine schaffen . . .

Die Flucht ging durch Wälder - schlafen in Ruinen, Holzstadeln - und doch immer wieder ein kleiner Lichtblick und Hilfe durch irgendjemand, durch Unbekannte, Fremde und manchmal auch durch Soldaten . . .

Tagelang, wochenlang, monatelang . . . irgendwie ging es vorüber. Irgendwie und irgendwann war es geschafft und die junge Frau und Mutter wurde wie viele Frauen damals zur "Trümmerfrau". Ohne Murren und ohne Wenn und Aber - es gab Essen, es gab Trinken und es gab einen Schlafplatz.

Die Nachkriegszeit begann mit Einquartierung. Niemand wollte Flüchtlinge aufnehmen. Überall war die tapfere Mutter mit ihren Kindern nur geduldet. Sie waren Deutsche, aber eben nur Flüchtlinge, Vertriebene. Es klang wie ein Schimpfwort. Es war eine schwere und harte Zeit für über 10 Millionen vertriebener und besitzloser Menschen.

Und dann kam ER. Ein Soldat stand vor der Tür - ihr Mann und der Vater der beiden Kinder. Schwer traumatisiert, 100 % kriegsversehrt mit Kopfschuß, Hand - Bauch - und Beinschuß . . . aber er lebte - schwer traumatisiert . . .

Da war niemand der die Wunden heilen half. Da gab es keine Gespräche, keine Hilfe von Psychotherapeuten und Psychologen. Die Seele sollte alles alleine verarbeiten, alleine heilen. Es war auch keine Zeit für Überlegungen - es musste einfach weitergehen . . . und es ging weiter.

Es ist in den folgenden Jahren noch viel passiert, aber jede Geschichte hat einmal ein Ende - so auch diese wahre Geschichte.

Sie sind Zeitzeugen diese beiden inzwischen ALTEN, sie waren es. Er starb im März 2011 - sie starb im Dezember 2011. Ihre beiden Kinder leben noch.

Sie starb in schwerer und starker Erinnerung an all das was damals geschah: " Hilfe, Mutti hilf mir doch" . . . "ja, ich bin doch bei dir, ich helfe dir" . . .

Nachtrag: Die Zeitzeugen gibt es bald nicht mehr. Viele von ihnen sind noch heute traumatisiert von damals.  Es kommt immer wieder hoch, diese Angst vor Krieg . . .    NIE   WIEDER   KRIEG

 

 

 

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