Freitag, 15. Dezember 2017

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Dies und Das

Mal dieses, mal jenes.

Die geplante Obsoleszenz

Das wären doch paradiesische Zustände für die Verbraucher: Glühbirnen, die hundert Jahre leuchten; Computerspiele, die sich mit jedem Betriebssystem spielen lassen; Schuhe, die ein Leben lang halten oder Autos, die auch nach vierzig oder fünfzig Jahren im ganz normalen Alltagsbetrieb ohne Mängel und zuverlässig fahren, also laufen und laufen und laufen und laufen …. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

Vor ungefähr einem halben Jahr haben ich mir einen Flachbildfernseher zugelegt, weil der alte Röhrenfernseher nach fünfzehn Jahren nicht mehr so wollte wie ich. Der Neue ist kein Billiggerät, sondern eins einer schon seit Jahrzehnten im Markt tätigen renommierten und bekannten Firma. Nachdem mir der Verkäufer die Rechnung ausgestellt hatte, sagte er zu mir: „So, schönen Dank für den Kauf und viel Spaß beim Fernsehen in einer neuen Dimension. Wir sehen uns dann in drei bis fünf Jahren wieder, dann ist der Fernseher nämlich kaputt.“

Auf meine erstaunte Nachfrage, woher er denn wisse, wann ein Gerät seinen Geist aufgäbe und wieso schon nach so kurzer Zeit, erklärte er mir, dass die Geräte heute absichtlich so gebaut würden, dass kurz nach Ablauf der Garantiezeit irgendein Bauteil defekt sei und dadurch die Funktionsfähigkeit der Geräte so stark eingeschränkt wird, dass die Kunden eine Reparatur durchführen lassen müssten. Diese Reparatur sei aber so teuer (obwohl das eigentlich defekte Teil nur ein Centartikel ist), dass sich der hohe finanzielle Aufwand nicht lohne und deshalb neue Ware gekauft wird. Die Wirtschaft habe nämlich aus ihren Fehlern der 1950er und 1960er-jahre gelernt, als noch Waren produziert wurden, die langlebig waren. Mit solchen Waren lässt sich auf Dauer kein Geld verdienen, deshalb sei die Industrie nicht daran interessiert, Waren zu produzieren, die lange halten.

Ja, der Mann scheint leider Recht zu haben, und dies gilt nicht nur für Fernseher. Auch im Automobilsektor ist dies zu merken. Ich habe zum Beispiel außer dem Opel Kadett A alle Baureihen vom B bis zum E gefahren. Spätestens beim Kadett D war ein deutlicher Qualitätsverlust gegenüber seinem Vorgänger zu bemerken, beim Wechsel vom Kadett D auf den E war dieser Unterschied sogar noch gravierender. Das äußerte sich in vielen Kleinigkeiten. Es fing schon beim Klang, wenn man die Tür zumachte, an und ging weiter über die Materialanmutung im Innenraum bis hin zur Zuverlässigkeit der sonstigen Anbauteile. Ich hatte wirklich den Eindruck, dass hier nur noch Wert darauf gelegt wurde, die Autos an die Frau/den Mann und die Käufer durch Qualitätsmängel dazu zu bringen, sich möglichst schnell ein neues Auto zu kaufen.

Nehmen wir als weiteres Beispiel einen ganz normalen Tintenstrahl- oder Laserdrucker für den privaten Gebrauch. Es fängt schon damit an, dass man für den Preis neuer Patronen fast einen neuen Drucker bekommt. Ist der Drucker erst mal defekt, was merkwürdiger ziemlich bald nach Ablauf der Garantie bzw. Gewährleistung der Fall ist, lohnt sich eine Reparatur nicht und man kauft in der Regel einen neuen Drucker.

Es ist also ganz offensichtlich so, dass der geplante und schon eingebaute Verschleiß der Motor der Wirtschaft ist. Dieses Prinzip der künstlich verkürzten Haltbarkeit ist nun keineswegs eine Entwicklung der Neuzeit. Schon 1920 beschloss das sogenannte „Phoebus-Kartell“, bestehend aus einem Zusammenschluss von fünf Glühlampenherstellern, die Lebensdauer von Glühbirnen auf maximal tausend Stunden zu begrenzen. Der Effekt für die Industrie war eindeutig und aus Sicht der Hersteller wie die Lizenz zum Gelddrucken, denn durch die dadurch erforderliche kontinuierliche Nachfrage konnten die Gewinne dauerhaft maximiert werden.

Dieses System haben andere Industriezweige natürlich schnell erkannt und im Laufe der Zeit perfektioniert, und heutzutage scheint die Elektroindustrie darin der ungekrönte Meister zu sein. Drucker machen ab einer wohl im Werk eingebauten Zahl von gedruckten Seiten endgültig schlapp; Fernseher und Radiogeräte haben eine von vornherein festgelegte Betriebsstundenzahl in sich; viele Autos haben die merkwürdige Eigenschaft, kurz nach Ablauf der Garantiezeit mit Wehwehchen durch die Gegend zu fahren und bei Geräten, die einen Akku benötigen, kann dieser bei Bedarf nicht ausgetauscht werden usw.

Dieses System hat also für die Wirtschaft eindeutig Vorteile, für die Verbraucher allerdings nicht. Und die haben keinerlei Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, zumindest dann nicht, wenn man meint, ein bestimmtes Gerät unbedingt haben zu müssen. Und wer verzichtet denn zum Beispiel freiwillig auf einen Drucker, wenn das alte Gerät defekt ist oder kauft sich einen gebrauchten Röhrenfernseher, wenn man die Bildqualität moderner Fernseher ein paar Jahre genossen hat? Wohl kaum jemand, also werden neue Geräte gekauft.

Dieses Prinzip des eingebauten Verschleißes hat nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Finanzen der Verbraucher, sondern noch viel dramatischere auf die Umwelt. Denn der ganze Elektroschrott muss ja irgendwohin, und der landet zu einem großen Teil nicht in deutschen Verwertungsbetrieben, wo eine sach- und fachgerechte Entsorgung gewährleistet ist, sondern meistens in Afrika. Dort werden die Geräte auf riesigen Müllhalden verbrannt – ohne Rücksicht auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen, denn dabei werden jede Menge giftiger Schadstoffe freigesetzt.

Aber zumindest in Teilbereichen scheint die Industrie vernünftiger zu werden, denn durch die Entwicklung der LED-Leuchten ist eine erheblich längere Lebensdauer der Leuchtmittel garantiert. Irgendwo und irgendwann habe ich mal gelesen (ich weiß aber nicht mehr, wo) dass eine Firma sogar LED-Leuchten herstellt, die fünfundzwanzig Jahre halten sollen. Und vielleicht schaffen es Hersteller anderer Produkte auch, ein wenig umzudenken. Es muss nicht sein, dass Jahr für Jahr nur auf immer noch mehr Gewinn geschielt wird. Zufriedene Kunden sollten wichtiger sein – und die bekommt man in erster Linie durch Qualität und nicht durch Quantität. Ich würde mir lieber einen Fernseher oder Drucker (als Beispiele) von Herstellern kaufen, die auf nachhaltige Produktion und Langzeitqualität Wert legen, auch wenn die Geräte teurer wären. Aber über die Jahre gerechnet kommt ein teureres, langlebiges Gerät billiger als der Murks, der heute produziert und regelmäßig erneuert werden muss.

Deshalb mein Appell an die Industrie: Baut Klasse statt Masse!

Aber nicht nur die Industrie muss ihre Einstellung ändern, auch die Verbraucher können etwas tun. Was ich jetzt schreibe, gilt natürlich nur, solange die Geräte noch funktionieren. Muss es wirklich immer das neueste Handy sein?

Ein Tastenhandy reicht doch für die meisten Bedürfnisse aus, da muss es doch kein Smartphone sein, wenn das alte Mobiltelefon noch funktioniert.

Oder braucht man die Rechenleistung des neuen PC tatsächlich oder bleibt über die Hälfte der Kapazität ungenutzt?

Wird ein Fernseher wertlos, weil er nur zwei statt vier HDMI-Anschlüsse hat, ansonsten aber einwandfrei läuft?

Muss es unbedingt eine Kamera mit zwölf Millionen Pixeln sein, obwohl die alte einwandfrei funktioniert und prima Fotos macht?

Und müssen es immer neue Möbel sein, die schon nach zwei Umzügen nur noch schief aufgebaut werden können? Alte Massivholzmöbel abschleifen und neu lackieren geht doch auch, dann sehen sie wieder aus wie neu und sind schöner als der Einheitsbrei, der heute angeboten wird. Okay, das ist Geschmackssache.

Hat man das alles gebraucht oder vermisst, bevor es so etwas gegeben hat? Ich möchte mich hier bestimmt nicht als leuchtendes Beispiel vorstellen, aber mein CD-Player ist schon zwanzig Jahre alt und läuft immer noch (das schaffen die heutigen nicht mehr); mein Auto mache ich zum Oldtimer, weil eventuelle Reparaturen günstiger sind als ein neues Auto (bisher waren allerdings nach sechsjährigem Gebrauch und annähernd hunderttausend Kilometer keine nötig) und mein Handy ist mittlerweile schon antik und lässt sich auch ohne Touchscreen prima nutzen.



Recherchequellen:
Wikipedia
http://videos.arte.tv/de/videos/kaufen_fuer_die_muellhalde-6341726.html






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